50 Jahre Mondlandung

So haben unsere Leser die Mondlandung vor 50 Jahren erlebt

Die einen haben es verschlafen, die anderen haben bis in die Morgenstunden vor dem Fernseher ausgeharrt, bis es endlich hieß: „The Eagle has landed.“

Die einen haben es verschlafen, die anderen haben bis in die Morgenstunden vor dem Fernseher ausgeharrt, bis es endlich hieß: „The Eagle has landed.“

Foto: Getty

Hagen.  Unsere Leser haben uns ihre Geschichten erzählt: von Röhrenfernsehern, einem hungrigen Baby und einer unterbrochenen Hochzeitsfeier.

Wo waren Sie vor 50 Jahren, als Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte? Aus den zahlreichen Einsendungen unserer Leser haben wir hier exemplarisch einige Geschichten zusammengestellt:

In New York saßen alle vor den Fernsehern

„An den 21. Juli 1969 erinnere ich mich noch sehr gut. Meine Tante Mathilde lebte in New York. Da musste ich unbedingt hin. Sechs Wochen lang mit vielen Reisen von Kanada bis Tennessee. Die Mondlandung wurde vorher ganz groß angekündigt – man war sehr gut informiert. Dauernd liefen irgendwo Nachrichten zu dem Thema.

Mein Onkel war mehr als fürsorglich und ließ mich in New York keinen Schritt allein. Aber am 21. Juli 1969 hätte ich allein durch die düstersten Ecken laufen können. New York glich einer Totenstadt; kein Mensch war draußen. Alle saßen gespannt vor den Fernsehern, um die erste Landung auf den Mond mit Neil Armstrong erleben zu können. Wir natürlich auch.“ Marlies Heer, 76, Lennestadt

Im Zeltlager: Zur Toilette traute sich keiner

„Zu dem Zeitpunkt der Mondlandung befanden wir uns in einem Kolping-Zeltlager in Hofolpe im Sauerland. Am Abend der Mondlandung durften wir alle im Alter von elf bis 13 Jahren dann in die Schützenhalle und uns auf die Mondlandung in der Nacht vorbereiten. Es herrschte eine große Unruhe im Raum. Unsere Gruppenführer hatten uns schon den ganzen Tag darauf vorbereitet. In der Halle war ein einfacher schwarz-weiß Fernseher mit einer Antenne aufgestellt. Alle waren sehr aufgeregt.

Dann war in der Nacht die Mondlandung; das schlechte Bild auf dem Fernseher ließ uns nur ahnen, was sich da oben auf dem Mond abspielte. Aber wir alle waren ganz aufgeregt. Zur Toilette traute sich keiner, denn man könnte ja etwas verpassen. Am folgenden Tag waren wir alle sehr, sehr müde. Es stand eine größere Wanderung an, doch da mussten wir dann durch. Alles in allem war es ein Erlebnis was mir und uns bis heute in guter Erinnerung geblieben ist. Zum 50. Jahrestag werde ich den Ort Hofolpe aufsuchen und alle Erinnerungen nochmals an mir vorüber gehen lassen.“ Ulrich Isken, 63, Medebach

Enthusiastischer Jubel beim "Moonshot" in den USA

„Im Sommer 1969 weilte ich im Stammwerk meines damaligen Arbeitgebers in Connecticut. Für mich, damals 28 Jahre alt, war das ein einschneidendes Erlebnis. Atlantiküberquerung, New York und der sogenannte ,American Way of Life’. Im Juli lud mich der Geschäftsführer der Firma zum ,Moonshot’ in sein Privathaus ein. Im Kreise der Großfamilie und mehreren Besuchern gab es ein Dinner, für mich mehr ein Imbiss. Anschließend versammelte man sich im Wohnzimmer, in dem Stuhlreihen wie im Kino aufgestellt waren und alle starrten auf den Fernseher.

Die Spannung steigerte sich von Stunde zu Stunde. Als dann Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betrat, brach ein enthusiastischer Jubel aus, dass das ganze Haus zu vibrieren schien. Der Jubel wollte kein Ende nehmen. Meiner hielt sich im Gegensatz dazu in Grenzen. Ich glaube, das haben meine Gastgeber überhaupt nicht verstanden.“ Reinhard vom Schemm, 78, Gevelsberg

Nach der Hochzeit vor den Röhrenfernseher

„Ich kann mich an die erste Mondlandung am 21. Juli 1969 noch erinnern als wäre es gestern gewesen. Ich war 16 und zusammen mit vielen Verwandten zur Hochzeit meines Cousins in einem schnuckeligen Dörfchen in Hessen eingeladen. Wunderschöne Trauung in der Dorfkirche, super Essen, kurze Verdauungsspaziergänge durchs Dorf, tolle Fete, bis die Übertragung der Mondlandung am Abend begann. Da zog sich dann alles was sich dafür interessierte ins extra eingerichtete Fernsehzimmer zurück. Der für damalige Verhältnisse schon große 61cm-Röhrenfernseher reichte völlig, um uns in den Bann zu ziehen.

Und vielleicht war es ja dieser beeindruckende Jahrhundert-Ereignis-Abend, der mich dazu gebracht hat Mathematik und Physik zu studieren. Jedenfalls habe ich dann in meiner mehr als 40-jährigen Dienstzeit am Gymnasium von Sundern im Sauerland des Öfteren an entsprechender Stelle im Unterricht von diesem Tag berichtet – das war echt motivationsfördernd. Spannend wurde es dann, als immer mehr Verschwörungstheorien von der Sorte ,das war doch alles nur Fake’ aufkamen. Ich konnte meine Schüler aber jederzeit durch echte Fakten davon überzeugen, dass wir damals die Hochzeitsfeier nicht für ,dumme Nüsse’ unterbrochen hatten. Schade nur, dass die Ehe nicht 50 Jahre gehalten hat.“ Herbert Müller, 66, Sundern

Geboren am 21.07.1969

„Auch für mich war der 21.07.1969 ein besonderer Tag – wahrscheinlich der wichtigste in meinem Leben. Ich durfte an diesem Tag erstmalig die Erde erblicken. Es war der Tag meiner Geburt. Also, eher ein großer Schritt für mich – und ein kleiner für die Menschheit.“ Nicola Abel, 50, Finnentrop

Das hungrige Baby geht vor

„Ich kann mich an den Tag sehr gut erinnern, denn ich habe versucht, die letzte Mahlzeit meiner vier Monate alten Tochter so zu verlegen, dass ich in Ruhe am späten Abend gucken konnte.

Da hatte Mariella etwas gegen. Sie weigerte sich, den sonst so geregelten Ablauf – alle vier Stunden gibt es Milch – ändern zu lassen. So musste ich mich dem Willen des Säuglings beugen und zur rechten Zeit stillen. Es wäre damals unmöglich gewesen, Stillen und Fernsehen zu verbinden. Fernsehen war doch so schädlich!“ Irene Schunck, 84, Menden

In der "guten Stube" der Großeltern

„Bei ihrem Aufruf den ,Moment’ der Mondlandung zu schildern, fühlte ich mich zurückversetzt an den Tag vor 50 Jahren in das Wohnzimmer meiner Großeltern in Barendorf. Meine Großeltern führten die Gaststätte Schmitz und hinter der Küche befand sich die ,gute Stube’, in welcher ein Schwarz-Weiß-Fernseher stand. Gebannt saß ich – neun Jahre alt – mit meiner Familie vor dem Gerät und sehe noch heute das Bild, wie der erste Schritt auf den Mond gesetzt wurde. Dieser historische Moment ist mir so nachhaltig im Gedächtnis geblieben wie einige andere Situationen, die später die Weltgeschichte berührten.

Es war ganz still im Raum und alle sahen gebannt, sprachlos auf das kleine Gerät und konnten gar nicht fassen, was wir dort erlebten. In Zeitlupentempo, den dicken unförmigen Astronautenanzug tragend, federnd den Mond berührend, der erste Schritt auf dem fernen Mond. Unfassbar. Unmöglich denkt man und doch zeigt das kleine Bild eine Science-Fiction-Situation der damaligen Zeit. Mit großem Interesse verfolge ich die heutige Raumfahrt und die Besuche der Astronauten im All.“ Iris Rademacher, 59, Iserlohn

Fasziniert vom dicken weißen Männchen

„Die Mondlandung habe ich als Dreijähriger vor dem Fernseher erlebt – zwar wahrscheinlich nur in der Wiederholung am Mittag oder Nachmittag, aber ich kann mich erstaunlicherweise daran erinnern. Mein Bruder war zu der Zeit etwa einen Monat alt und hat meine Mutter stark beansprucht, als Dreijähriger wollte ich aber auch bemuttert werden. Mein Vater hatte kurz vorher einen gebrauchten Schwarz-Weiß-TV erstanden und meine Mutter setzte mich kurzerhand auf das Sofa und schaltete den Fernseher an: ein großer Kasten mit Drehschaltern.

Ich muss wohl sehr fasziniert gewesen sein, denn ich kann mich an unförmig dicke weiße Männchen erinnern, die unnatürlich langsam vor einem schwarzen Himmel „hüpften“. Meine Mutter erzählte mir, dass die Männer auf dem Mond seien, den wir nachts am Himmel sehen und er ganz weit weg ist.

Wenn ich später mit meiner Mutter immer zum Markt in Wetter ging, damals war der Markt vor dem heutigen Kreisarchiv in Wetter, habe ich häufig einen LKW vor einer kleinen Spedition gegenüber vom Markt gesehen, der ein Michelin-Männchen auf dem Führerhaus hatte. Ich habe jahrelang geglaubt, es wäre so ein Männchen vom Mond.“ Thorsten Schmitz, 53, Wetter

Prüfer und Fahrlehrer völlig übernächtigt

„Der Tag der Mondlandung am 21. Juli 1969 wird mir ewig in Erinnerung bleiben, weil ich nämlich da meinen Führerschein gemacht habe. Prüfer und Fahrlehrer hatten bis vier Uhr morgens am Fernseher ausgeharrt, waren total übernächtigt und aufgekratzt. Während meiner gesamten Prüfungsfahrt haben sie sich detailliert über dieses phänomenale Ereignis ausgetauscht, so dass ich während der Fahrt auch noch daran teilgenommen habe.

1986 habe ich dann in Washington – meine Schwester wohnte damals dort – im ,Air and Space’-Museum ehrfürchtig das Mondgestein bewundert, welches an meinem Prüfungstag dem Mond entnommen und zur Erde gebracht wurde.“ Barbara Hoffmann, 70, Menden

Amerikanische Familie ohne Interesse an der Mondlandung

„Wir fuhren, wie jedes Jahr, nach Cuxhaven in den Jahresurlaub. 1969 hatten wir zu dieser Zeit Besuch einer befreundeten Familie mit drei Kindern aus Amerika. Also fuhren wir gemeinsam, wir mit unseren drei Kindern und der amerikanischen Familie nach Cuxhaven.

Am Abend der Mondlandung stellte unsere Wirtin der amerikanischen Familie einen großen Blumenstrauß auf den Tisch und gratulierte zur ersten Mondlandung. Zu der Zeit gab es ein spezielles Fernsehzimmer, in dem die Gäste fernsehen konnten. Alle machten sich also zur angegebenen Zeit der Mondlandung auf in das Fernsehzimmer, außer unserer amerikanischen Familie – die interessierte es nicht!? Wir konnten es nicht glauben, aber so war es!“ Elvira Schandel, 83, Schwelm

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