Bundestagswahl

Sporke im Kreis Olpe ist Niemandsland für die AfD

In Sporke im Gespräch: Der Dorfälteste Rudi Clemens (90) diskutiert mit Josef Arndt (80) und RichardSchneider (77) den Ausgang der Bundestagswahl (von links).

Foto: Joachim Karpa

In Sporke im Gespräch: Der Dorfälteste Rudi Clemens (90) diskutiert mit Josef Arndt (80) und RichardSchneider (77) den Ausgang der Bundestagswahl (von links). Foto: Joachim Karpa

Lennestadt.   Bei der Bundestagswahl gibt es in Lennestadt-Sporke weder Erst- noch Zweitstimme für die AfD. Bundesweit ein außergewöhnliches Ergebnis.

Er hat keine Erklärung. „Ich weiß nicht, woran es gelegen hat“, sagt Klaus Heger der WESTFALENPOST. Der 61-Jährige, Kandidat der AfD im Wahlkreis 149 (Olpe/südwestlicher Märkischer Kreis), will niemandem Fehler beim Auszählen der Stimmen unterstellen. „Angesichts unseres Erfolges bei der Bundestagswahl ist das aber ungewöhnlich.“ Seine Partei hat an der Wahlurne in Lennestadt-Sporke weder eine Erst- noch eine Zweitstimme der 184 Wahlberechtigten erhalten. Bundesweit ein außergewöhnliches Ergebnis. Ein Resultat, das nähere Betrachtung verdient. Spurensuche in Sporke.

„Natürlich freut uns dieser Ausgang“, sagt Christian Schulte. Der 50-Jährige ist Vorsitzender des Schützenvereins Sporke-Hespecke. „Offenbar hält bei uns niemand die AfD für eine Alternative.“ Das Dorf sei tief schwarz geprägt und habe festen Boden unter den Füßen. „Weiß die AfD, was sie will?“, fragt er sich. „Sie beschäftigt sich doch mehr mit sich.“ Schulte lobt die intakte Dorfgemeinschaft. „Das Zusammenleben ist anders, ist intensiver. Hier findet ein reger Austausch zwischen den Generationen statt. Hier wird auch über Politik gesprochen, und hier passt es einfach.“

Niemand bleibt außen vor

Treffpunkt für Aktivitäten aller Art ist die Schützenhalle. Die einzige Räumlichkeit, die Treffen möglich macht. So gibt es jeden ersten Freitag im Monat einen Dorfgemeinschaftsabend. Niemand muss hin, jeder darf. Die Resonanz ist gut.

Der Verein für dörfliche Belange (VdB) organisiert ihn. Birgit Voucko gehört zum dreiköpfigen Vorstand. „Alles Frauen“, sagt die 37-Jährige, „und alle sind zugezogen. Das spricht für den Ort. Es gibt keine Ausgrenzung. Wir haben alle Möglichkeiten, das Gemeinschaftsleben zu gestalten. Dabei binden wir die 16- und 17-Jährigen bei der Organisation der Veranstaltungen mit ein. Kein Problem.“

Den regen Austausch im Ort bezeichnet Tobias Puspas, der 42-jährige Kriminalhauptkommissar lebt seit zweieinhalb Jahren in Sporke, als großes Plus. „Jeder findet statt, jeder bekommt Resonanz, jeder kommt zu Wort. Niemand ist außen vor, muss sich abgehängt fühlen.“ Puspas, stellvertretender Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes in Lennestadt, hält das generationsübergreifende Zusammenleben für einen Schlüssel der intakten Dorfgemeinschaft. „Jeder kann und darf sich auf seine Weise beteiligen.“ Bundesweit gesehen ist das AfD-Ergebnis für ihn ein Weckruf an die Kommunalpolitik, „besser zuzuhören und Entscheidungen gründlicher zu erklären“.

Eine Stimme für die NPD

Und wer glaubt mit dem Nachwuchs haben die Alten nichts zu tun, der täuscht sich. Glänzende Augen bekommen Rudi Clemens, Josef Arndt und Richard Schneider, als es um die Jüngsten geht. „Wir haben 17 Jungen und Mädchen im Alter bis zu sechs Jahren “, sagt Schneider, „das 18. Kind ist unterwegs. Unsere Kinder leben gerne mit ihren Familien hier.“ Das Trio zeigt sich nicht überrascht, dass die AfD in Sporke leer ausgeht. „Hier haben immer 70 bis 80 Prozent CDU gewählt“, sagt der Älteste im Ort, der 90-Jährige Rudi Clemens. „Außerdem haben sich die Vertreter der AfD mit ihren radikalen Äußerungen daneben benommen. So etwas brauchen wir nicht wieder.“

Ihre Vorschläge, die EU aufzulösen und den Euro abzuschaffen, finden keinen Anklang. Josef Arndt: „Unmöglich.“ Verwundert sind die sie darüber, dass die Briefwahl-Stimmen nicht dem Ort zugeordnet werden können. Immerhin haben 28 Frauen und Männer Briefwahl gemacht. Sie werden auch nicht bei der Wahlbeteiligung in Sporke eingerechnet. Sie liegt bei 69,57 Prozent. Mit Briefwählern läge die Wahlbeteiligung bei 97 Prozent - so hoch wie wohl nirgends im Land. Noch Fragen? Ja, eine. Alle würden gerne wissen, wem die eine Stimme für die NPD gehört. Die Urgesteine vermuten: „Da hat sich jemand beim Kreuzchen vertan.“

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