Wohnungsdurchsuchung

Sprengstoff-Fund in Dortmund – Anwohnerin: „Wie ein Krimi“

Seit einer Woche tragen Polizisten Munition und unbekannte Stoffe aus einem Haus in Dortmund in blaue Container.

Seit einer Woche tragen Polizisten Munition und unbekannte Stoffe aus einem Haus in Dortmund in blaue Container.

Foto: Fabian Strauch / dpa

Dortmund.  Seit einer Woche durchsuchen LKA-Spezialisten eine Wohnung in Dortmund und finden immer wieder Sprengstoff. Die Nachbarn sind schockiert.

Noch ist es ruhig in dem unscheinbaren Wohnviertel im Dortmunder Stadtteil Lütgendortmund. In der Straße sind zur Mittagszeit wenig Menschen unterwegs, an den Laternen hängen noch Wahlplakate, eine Baumreihe spendet Schatten vor der Sonne. Nur zwei parkende Polizeiwagen am Anfang der Straße deuten an, was sich in den vergangenen sieben Tagen hier ereignet hat.

In dem ockerfarbenen Mehrfamilienhaus, vor dem die Beamten parken, haben Spezialeinheiten des Landeskriminalamtes bei einer Wohnungsdurchsuchung am vergangenen Mittwoch Waffen, Waffenteile, verdächtige chemische Substanzen und mehrere Kilo Sprengstoff gefunden. Seitdem rücken die Einsatzkräfte jeden Tag zur Wohnung des 68 Jahre alten Bewohners aus – und werden wiederholt fündig.

Sprengstoff-Fund in Dortmund: Anwohnerin in Lütgendortmund ist fassungslos

So auch an diesem Dienstagnachmittag: Wo es eben noch ruhig war, verwandeln mehrere Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr die Straße innerhalb von wenigen Minuten in einen hektischen Tatort. Aus einem Lieferwagen werden stapelweise Kartons in blaue Container verfrachtet, die vor dem Haus stehen. Ein Polizist zieht eine violette, fleckige Matratze von der Ladefläche. Es scheinen die Habseligkeiten des Mannes zu sein, die zwischengelagert wurden. Ein Container ist bereits gefüllt. Andere Beamte errichten indes eine Straßensperre. Wie an den Tagen zuvor ist ein Teil der Straße für mehrere Stunden gesperrt.

Nachbarn wie Ursula Möller brauchen in diesen Tagen viel Geduld: „Es ist wie sonntagabends beim ‘Tatort’ im Ersten. Nur, dass es Realität ist“, sagt die 69-Jährige. Sie wohnt zwei Häuser entfernt. Im Gespräch stützt sich die Frau auf den Gartenzaun vor ihr ab und schüttelt mehrfach den Kopf: „Ich bin fassungslos.“ Sie zeigt auf die Häuserreihe vor ihr. „Wäre der Sprengstoff explodiert, ständen die jetzt nicht mehr da“, sagt sie. Ihre eigene Wohnung vermutlich auch nicht mehr. Sie hält kurz inne.

Wohnungsdurchsuchung in Dortmund dauert laut Polizei noch bis Ende der Woche

Den Mann kenne sie nicht persönlich. Ein paar Mal habe sie ihn im Blaumann auf der Straße gesehen, mehr aber nicht. „Nicht einmal die direkten Nachbarn kennen ihn richtig“, sagt Ursula Möller. Sorge bereitet ihr , dass der Tatverdächtige seit Freitag wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen wurde. „Was passiert, wenn er wieder einzieht?“

Der 68-jährige Bewohner der Wohnung wurde am Mittwoch vorläufig festgenommen, zwei Tage später mangels Haftgründen aber wieder entlassen. „Es bestehen keine Haftgründe für einen Untersuchungshaftbefehl und auch keine weiteren rechtlichen Grundlagen für freiheitsentziehende Maßnahmen“, bestätigt Polizeisprecher Torsten Sziesze auf Anfrage. In der Nacht werde die Wohnung aber überwacht. Die Wohnungsdurchsuchung wird noch mindestens bis Ende der Woche andauern. Wohnung, Dachboden und Kellerräume des Hauses seien mit einer Vielzahl an Objekten gefüllt, berichtet Sziesze: „Wir brauchen sehr viel Zeit, um diesen Wust an Gegenständen zu durchsuchen.“ Die Arbeit sei „kleinteilig und sensibel“.

Sprengstoff-Fund in Dortmund: Verdächtiger aus Lütgendortmund ist polizeibekannt

Am Ermittlungsort hat es eine 40 Jahre alte Frau gerade noch geschafft, der Straßensperre zu entgehen. Sie ist auf dem Weg zur Arbeit. „Das ist wie im Krimi“, sagt sie und zieht an ihrer Zigarette. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen. Sie selbst wohnt in unmittelbarer Nachbarschaft zu der Wohnung. Ein Bild von dem 68-Jährigen hat sie nicht vor Augen. „Er war ein unauffälliger Nachbar.“

Wie die Polizei jedoch bestätigte, gab es bereits vor 20 Jahren einen Einsatz bei dem Mann. Weil das Verfahren abgeschlossen sei, dürfe sie dazu aber keine weiteren Details nennen. Die „Bild“-Zeitung berichtet, er sei damals wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz aufgefallen.

Derzeit wird auch gegen den 68-Jährigen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt. Zu dem aufwendigen Einsatz war es gekommen, nachdem die Kriminalpolizei einen Hinweis auf eine Waffe erhalten hatte, die der 68-Jährige einem anderen Mann übergeben haben soll.

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