Buchbranche

Stefan Könemann neu im Stiftungsrat des Friedenspreises

Stefan Könemann

Foto: Privat

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Hagen.   Buchgrossist Stefan Könemann aus Hagen ist in die Jury des Friedenspreises des deutschen Buchhandels berufen worden. Was kommt jetzt auf ihn zu?

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels kommt von der Bedeutung knapp hinter dem Literaturnobelpreis und ist sicher die international wichtigste deutsche Auszeichnung überhaupt. Der Preisträger 2017 wird jetzt mit Hagener Unterstützung gewählt. Stefan Könemann, Geschäftsführer des Barsortiments Könemann, ist in den Stiftungsrat berufen worden.

„Bin ich denn da richtig?“, so beschreibt Stefan Könemann seine erste Reaktion. „Diese Frage habe ich gestellt, als ich von der Berufung erfuhr. Denn ich bin Jurist, kein Literaturkritiker.“ Der Vorstand des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels hat den 55-Jährigen gleichwohl einstimmig in das ehrenvolle Amt gewählt. Könemann selbst ist seit 2012 Vorsitzender des Ausschusses für den Zwischenbuchhandel im Börsenverein und gilt als exzellenter Branchenkenner. Seine juristische Ausbildung nutzt ihm auch bei der Auswahl der Preisträger.

Große Debatten nach der Rede

Gesucht wird jedes Jahr ein Intellektueller oder Künstler, der „in hervorragendem Maße vornehmlich durch seine Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat“, heißt es im Statut.

Die Reden der Preisträger während der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche lösen häufig große Debatten aus. Martin Walser sorgte 1998 mit seinen Überlegungen zum Umgang mit der deutschen Geschichte für heftige Kontroversen; Jürgen Habermas versuchte 2001, drei Wochen nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York, ein erstes Erklärungsmodell für religiösen Fanatismus zu finden; Claudio Magris warnte 2009 vor dem wachsenden Populismus in der Politik und davor, Kriege als selbstverständlich anzusehen.

Deshalb gilt der Friedenspreis laut Börsenverein als bedeutende Plattform für die Diskussion über den Frieden und über die Verständigung zwischen Menschen und Völkern. 1949 gegründet, um das Nach-Nazi-Deutschland aus seiner kulturellen Isolation herauszuholen und das humanistische Gedankengut wieder in die Gesellschaft einzubringen, ist die Idee des Friedenspreises gegenwärtig aktueller denn.

Ganze Stapel von Dossiers

Doch bevor in der Paulskirche eine neue Rede für Aufsehen sorgt, haben Stefan Könemann und seine acht Kollegen im Stiftungsrat viel zu tun. Jeder Bürger kann Vorschläge einreichen, wer den Friedenspreis erhalten soll. Und so kommen gut um die 300 Namen zusammen, von denen viele den Ansprüchen allerdings nicht entsprechen. „Dann bleiben rund 120 Kandidaten übrig, die wirklich genau betrachtet werden“, sagt Stefan Könemann. „Der Filter wird immer enger gesetzt, bis es einen Preisträger gibt.“ Könemann liest sich also derzeit durch ganze Stapel von Dossiers, „das war mir gar nicht bewusst, wieviel Arbeit dahinter steckt.“

Der Stiftungsrat ist eine unabhängige Jury. Er allein wählt die Preisträger aus. Ins Handwerk reden kann den Juroren niemand, auch wenn viele Voten in der Vergangenheit durchaus kritische Kommentare erfahren haben. Das Preisgeld von 25 000 Euro unterstützt die Bedeutung der Auszeichnung. Stefan Könemann freut sich auf diese Erfahrung. „Ich entdecke jetzt Facetten der Branche, die kein Heimspiel sind. Das ist für mich etwas Neues, wo ich richtig viel lernen kann.“

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