Bahn-Chaos

Sturm Xavier: Chronik einer Nacht im Hotelzug in Minden

Ein Hotelzug steht auf dem Hauptbahnhof in Hamburg für gestrandete Reisende bereit. Auch in Minden mussten viele Menschen in Zügen übernachten.

Foto: Bodo Marks / dpa

Ein Hotelzug steht auf dem Hauptbahnhof in Hamburg für gestrandete Reisende bereit. Auch in Minden mussten viele Menschen in Zügen übernachten. Foto: Bodo Marks / dpa

Minden/Hannover.  Kerstin Hoffmann aus St. Louis will von Düsseldorf nach Berlin. Dann legt Sturm Xavier den Zugverkehr lahm. Es folgt eine Nacht im Hotelzug.

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Eigentlich sollte es für Kerstin Hoffmann und Chris Yunker aus dem US-amerikanischen St. Louis ein Wochenend-Trip nach Berlin werden. Die gebürtige Düsseldorferin ist mit ihrem Freund in der alten Heimat zu Besuch. Chris war noch nie in Berlin: „Die Stadt von Kennedys großer Rede und Reagan, das war noch viel besser“, schwärmt er am Mittwoch. Dann kommt Sturmtief Xavier.

Donnerstag, 11.52 Uhr: Mit dem ICE geht es von Düsseldorf Richtung Berlin. Fahrtzeit: Vier Stunden, 17 Minuten. Eigentlich.

14.30 Uhr: Der Zug kommt in Minden zum Halt.

17.08 Uhr: „Wir sitzen seit fast drei Stunden in Minden fest. Es geht gar nichts mehr!“, klagt Kerstin über Facebook einer Bekannten. „Anscheinend arbeiten sie gerade daran, die Gleise und Oberleitungen zu reparieren.“

17.32 Uhr: „Auch wenn die Schienen repariert werden, kann das auch noch dauern, weil überall Züge warten. #adventure #globalwarmingisreal.“

19.37 Uhr: „Hab gerade gehört, dass die Gleise nicht mehr freigegeben werden heute.“

20.30 Uhr: „Alle Hotels voll, nichts geht mehr. Wir bekommen vielleicht ein paar Decken. Wir machen das Beste draus!“

Der Zug wird als Hotelzug deklariert. Nach zwei Stunden gibt es ein Getränk und Snack frei, danach Wasser, „ das war aber ruckzuck weg.“ In den Nachtstunden kam das DRK mit Decken. Würstchen wurden in der Bahnhofshalle angeboten.

Freitag, 5 Uhr morgens: Der Zug fährt weiter nach Hannover. Endstation!

6.12 Uhr: „Totales Chaos in Hannover am Bahnhof. Alle gestrandet, kein Ersatzverkehr organisiert. Es gehen im Moment auch keine Züge zurück nach Düsseldorf.“

„Das war heute morgen so nach dem Motto: Raus aus dem Zug, ihr seid jetzt nicht mehr unser Problem“, klagt die Düsseldorferin später. „Die hätten wenigstens Busse als Ersatzverkehr anbieten müssen“, schiebt sie hinterher. „Deutsche Effizienz sehe ich gerade wohl nicht“, witzelt Chris. Ein Mann am Schalter rastet aus, Hunderte Gestrandete und nur drei Bahnmitarbeiter ohne Information haben seine Geduld überfordert. Kerstin und Chris buchen sich zur Sicherheit in ein Hotel in Hannover ein. Schlafen erst einmal.

14.36 Uhr: „Wir gehen gleich wieder zum Bahnhof zurück und gucken mal wie die Lage ist. Es sind ja auch alle Züge nach Düsseldorf heute morgen ausgefallen.“

15.00 Uhr: "Wir sind sogar in der 1.Klasse gefahren. Jetzt haben wir Glück, wenn wir überhaupt ein Ticket zurück nach Düsseldorf bekommen. Im Zug haben die uns heute morgen noch einen Umschlag für eine Kostenrückerstattung gegeben – wahrscheinlich nur 50 Prozent, sagten sie uns. Wir werden auf jeden Fall unsere Tickets und das Hotelzimmer einreichen. Mal schauen.“

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