Elektromobilität

Südwestfalen fährt am Strom vorbei

Unter Strom: Mit dem Stecker tanken an der Ladesäule.

Unter Strom: Mit dem Stecker tanken an der Ladesäule.

Foto: picture alliance / dpa

Hagen.   Die Zulassungszahlen bei Elektroautos in Südwestfalen sind sehr gering. Ab dem kommenden Juni gibt es für den Kauf eines Elektroautos 4000 Euro Prämie. Autohäuser in der Region registrieren eine stärkere Nachfrage.

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Ohne Ziel gibt es keinen Weg. Eine Million elektrisch angetriebene Fahrzeuge sollen in vier Jahren auf Deutschlands Straßen fahren. Ein frommer Wunsch. Die aktuelle Zulassungszahl in Südwestfalen lässt keinen anderen Schluss zu. Sie liegt im Promillebereich. Ab Juni gibt es 4000 Euro Prämie für ein Elektroauto.

Die Bundesregierung will mit der Autoindustrie aus der Sackgasse eine belebte Durchgangsstraße machen. Bildlich gesprochen. Für den Kreis Olpe würde das herunter gerechnet bedeuten, hier wären im Jahr 2020 etwa 13 000 E-Autos unterwegs. Fragen und Antworten zu den Folgen der Elektro-Prämie.

Lohnt sich jetzt für den Autofahrer der Kauf eines Elektroautos?

Der ADAC sagt: Nein. Wer Preise, Prämie, laufende Kosten und Steuern von Elektroautos mit Diesel- und Benzinmodellen bei 15 000 Kilometern im Jahr vergleicht, muss zu diesem Ergebnis kommen. Selbst die niedrigen Wartungs- und Kilometerkosten gleichen den auch mit Prämie noch deutlich ­höheren Anschaffungspreis nicht aus. Das gelte in Regel auch für Plug-in-Hybridmodelle, die mit 3000 Euro gefördert werden sollen. Diese können, im Gegensatz zu normalen Hybridautos, an der Steckdose den Strom ziehen. ­Gezahlt wird die Prämie, das am Rande für Autos, die maximal 60 000 Euro kosten. So werden das Model S vom Strompionier Tesla und der i8 von BMW nicht subventioniert.

Bremst diese Bewertung das Interesse am Elektroauto?

Im Gegenteil: MeinAuto.de, der Neuwagenvermittler, spricht viel mehr von einem neuen Schub. Die Ankündigung der Kaufprämie habe die Nachfrage nach diesen Modellen um mehr als das Fünffache wachsen lassen. Die Tendenz kann Julian Becker, Vertriebsleiter für Elektromobilität bei der Kaltenbach-Gruppe in Olpe, stellvertretend für viele Autohäuser in der Region bestätigen: „Das Interesse ist mit der Prämie deutlich gewachsen.“ Der 30-Jährige wirbt für den BMW i3: „Das Auto ist künftig mit einer stärkeren Batterie unterwegs. Er kommt dann auf eine realistische Reichweite von 200 Kilometern.“ Das sei für das Sauerland besonders interessant.

200 Kilometer und gerne weniger: Schreckt die geringe Reichweite der Elektroautos nicht ab?

„Wer fährt täglich mehr als 150 Kilometer“, fragt Volker Lazzaro, Geschäftsführer bei Mennekes Elektrotechnik, zurück. Für lange Urlaubsfahrten und für Geschäftsreisende ist das Elektroauto, das weiß auch der 47-Jährige, nicht geeignet. Er ist froh über die Prämie: „Sie ist ein Pfund, weil der hohe Preis bislang die Barriere für den Markteintritt des Elektroautos war.“

Nicht nur das. Dünn gesäte Ladestationen im Land machen die Fahrt mit einem Elektroauto nicht einfacher. Ist Besserung in Sicht?

Lazzaro ist optimistisch: „Neben der Prämie für das Elektroauto legt die Bundesregierung eine Förderprogramm über 300 Millionen für den Ausbau der Lade-Infrastruktur auf.“ Ein notwendiger Schritt. „Wer losfährt, braucht Sicherheit“, so Lazzaro. „Beide Förderungen sind notwendig, um das Geschäft ins Rollen zu bringen.“ In Deutschland gibt es mehr als 14 000 Tankstellen. Die Zahl der Ladestationen für Elektroautos: etwa 5000.

Die Suche nach einer Ladestation und die langen Ladezeiten sprechen nicht für das Elektroauto. Ist Besserung in Sicht?

Ja. Mit der Ausdehnung der Reichweite durch stärkere Akkus, geht eine Verkürzung der Ladezeiten einher. Bei einer Ladeleistung von 3,7 Kw dauert es die ganze Nacht, bei 22 Kw nur eine Stunde. Letztlich ist es eine Abwägung des Autoherstellers. Eine leistungsfähige Batterie kostet Platz, Geld und Gewicht. Der Trend geht dahin, die Leistungsfähigkeit der Ladestationen zu erhöhen, um das Auftanken mit Strom zu verkürzen.

Sind andere Länder in Europa beim Elektroauto weiter?

Vorreiter ist Norwegen. Hier fährt jeder vierte Neuwagen mit Strom. Und ab 2025 sollen hier nur noch Elektroautos zugelassen werden. Gesteuert wird dieser Prozess nicht mit Prämien, sondern mit fiskalischen Vorteilen. So wird beim Kauf eines Elektroautos auf die Erhebung der Mehrwertsteuer, das sind 25 Prozent, verzichtet.

Das Unternehmen Mennekes aus Kirchhundem ist bei der Elektromobilität, vom Stecker bis zur Ladestation, weit vorne. Ein Schritt, der sich gelohnt hat?

„Wir haben in zweistelliger Millionenhöhe investiert“, sagt Lazzaro, „das zahlt sich heute aus.“ Schwerpunkt sei der Bau von Ladestationen. Dass der Prozess in Deutschland zäh läuft, ist für ihn keine Überraschung: „Elektromobilität braucht einen langen Atem.“ Nächste Baustelle sind die Standards bezüglich Autorisierung und Abrechnung der Kunden an den Ladestationen. Lazzaro: „Wir brauchen wie beim Telefonieren ein Roaming-Netzwerk.“

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