Wirtschaft

Südwestfalen ist die Herzkammer des Mittelstands

Die Industriedichte ist in Südwestfalen mittlerweile höher als im Ruhrgebiet. Unser Bild entstand in der Gießerei der Firma Olsberg in der gleichnamigen Stadt im Hochsauerland; der Betrieb ist zudem eines der ältesten Familienunternehmen in NRW.

Foto: WAZ FotoPool/ Ralf Rottmann

Die Industriedichte ist in Südwestfalen mittlerweile höher als im Ruhrgebiet. Unser Bild entstand in der Gießerei der Firma Olsberg in der gleichnamigen Stadt im Hochsauerland; der Betrieb ist zudem eines der ältesten Familienunternehmen in NRW.

Hagen/Arnsberg.   Bei den Wirtschaftsdaten schneidet Südwestfalen im Vergleich der Regionen in NRW sehr gut ab. Nur die Perspektive macht Sorgen: Einwohnerzahl sinkt bis 2040 extrem

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Die Wiege der Industrie in Nordrhein-Westfalen liegt – in Südwestfalen. Als in den Wälder die Köhler ihre Holzkohlemeiler rauchen ließen, die Zöger Drahterzeugnisse für einen frühzeitlichen Export produzierten und die Schläge der Hammerwerke an den Flussläufen den Takt im Tal angaben, war manch’ heutige Großstadt im Ruhrgebiet noch – beinahe – ein Dorf. Die Wiege beschäftigt auch heute noch die meisten Industrie-Erwerbstätigen in Nordrhein-Westfalen – mehr als jede andere Region des Bundeslandes. Das zeigt auch die neueste Vergleichsstudie von Wirtschaftsdaten, die die Industrie- und Handelskammern und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) herausgebracht haben.

Es gibt Allgemeinplätze, die scheinen unverwüstlich. Auch in der Wirtschaftswelt. Etwa die Feststellung: Düsseldorf ist der Schreibtisch des Ruhrgebiets. Dem ist schon lange nicht mehr so; etliche große Unternehmen haben ihren Firmensitz längst wieder vom Rheinufer der Landeshauptstadt an die Ruhr zurückgeholt. Und Sauer- und Siegerland sind eben auch nicht nur Täler, Tannenbäume und Talsperren. Was sich mit Zahlen belegen lässt:

1,2 Prozent

beträgt der Anteil der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft und Fischerei gemessen an der Gesamtzahl aller Erwerbstätigen – das ist landesweit nur der zweithöchste Wert; an der Spitze liegt das Münsterland mit 2,2 Prozent, und auch Ostwestfalen-Lippe (OWL) liegt mit 1,2 Prozent nur ein Zehntel-Prozentpunkt hinter den fünf südwestfälischen Kreisen. Noch deutlicher ist die Aussage beim Blick auf die Beschäftigten im produzierenden Gewerbe, also der Industrie: Dort führt Südwestfalen mit 38 Prozent die Liste klar an; in OWL beträgt der Anteil 29,1 Prozent und im Ruhrgebiet („Metropolregion Ruhr“) „nur“ 21,2 Prozent. Dabei zählen die Stadt Hagen und der gesamte Ennepe-Ruhr-Kreis in der Studie bereits zum Ruhrgebiet.

5,7 Prozent

betrug durchschnittlich im Jahr 2015 die Arbeitslosenquote in Südwestfalen – der zweitbeste Wert im Land. Nur im Münsterland brummt der Jobmotor offenbar besser; dort lag die Quote bei 4,8 Prozent. Das Ruhrgebiet erreichte 10,7 Prozent und lag damit auch deutlich über dem NRW-Durchschnitt von 8 Prozent.

22 971 Euro

– Spitze ist die Region damit auch beim verfügbaren Jahreseinkommen je privatem Haushalt. Es wird offenbar ganz gut verdient in Südwestfalen. Zumindest im Durchschnitt.

3 Kreise

aus Südwestfalen sind unter den Top Ten bei der Mittelstandsdichte (je 10 000 Einwohner): Siegen-Wittgenstein (3. Platz), Hochsauerland (4.) und Olpe (9.); an der Spitze liegen die (kreisfreie) Landeshauptstadt Düsseldorf und das münsterländische Borken. Dabei gelten als mittelständische Betriebe Unternehmen mit 10 bis 249 Beschäftigten. Diese Erkenntnisse, wie auch dass 45 Prozent aller Industriebetriebe des Landes in Westfalen-Lippe liegen, rechtfertigten den Anspruch Westfalens als „Herz des deutschen Mittelstands“, heißt es in der Studie. Folgerichtig müsste die Region Südwestfalen dann die „Herzkammer des deutschen Mittelstands“ sein.

120 Beschäftigte

und mehr je 1000 Einwohner: Die Kreise Olpe, Siegen-Wittgenstein und der Märkische Kreis liegen auch beim Index Industriedichte, gemeinsam mit Remscheid (Bergisches Land) und Gütersloh (Ostwestfalen) an der Spitze – und das, obwohl Südwestfalen (1670) gar nicht die meisten Industriebetriebe aufweist: In dieser Rubrik liegt das Rheinland (3492) vorne, noch vor dem Ruhrgebiet (2074).

170000 Einwohner

wird Südwestfalen bis zum Jahr 2040 verlieren, lautet die Prognose innerhalb der Vergleichsstudie. Nur im Ruhrgebiet (- 200 000 Einwohner) ist die Entwicklung in der Vorhersage noch schlechter. Während im Münsterland die Einwohnerzahl etwa gleich bleiben soll und OWL um 80 000 Einwohner schrumpft, heißt der große Gewinner Rheinland. In 24 Jahren sollen dort 360 000 mehr Menschen leben.

32,6 Prozent

soll dann in Südwestfalen der Anteil der Menschen über 65 Jahre an der Gesamtbevölkerung ausmachen – auch bei der Alterung führt damit die Region den Vergleich an. „Auffällig ist, dass die Alterung der Bevölkerung in den Regionen unterschiedlich stark voranschreitet“, heißt es in der Bewertung. Demnach bleibt das Rheinland deutlich jünger. Dort soll der Anteil mit 27,7 Prozent um 4,9 Prozentpunkte niedriger liegen.

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