Semesterstart

Südwestfalen: Wie Hochschulen in das Wintersemester starten

Der Hörsaal wird häufig leer bleiben. Die Hochschulen setzen in Corona-Zeiten auf eine Mischung aus Digital- und Präsenzlehre.

Der Hörsaal wird häufig leer bleiben. Die Hochschulen setzen in Corona-Zeiten auf eine Mischung aus Digital- und Präsenzlehre.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Siegen.  In Corona-Zeiten werden die Hochschulen kreativ: Sie verbinden Präsenz und digitale Veranstaltungen. Wem das nicht weit genug geht:

Kommende Woche wird es für viele Erstsemesterstudierende an der Uni Siegen spannend: Für sie beginnt die Einführungswoche. Ehemalige Studierende wissen, wie wichtig diese Tage sind: Meist knüpft man hier Kontakte, die das ganze Studium, wenn nicht sogar darüber hinaus, bestehen bleiben. Doch aufgrund der Corona-Pandemie wird die Erstsemestereinführung in Siegen diesmal auf digitalem Wege stattfinden. Mit welchen Erwartungen schaut die Uni auf diesen außergewöhnlichen Semesterstart? Und wie ist der Auftakt bei den Hochschulen gelaufen, die schon das Semester begonnen haben?

Uni Siegen: Erstsemestereinführung auf digitalen Wegen

„Vom 26. bis zum 30. Oktober bietet die Universität eine offizielle digitale Erstsemestereinführung über den Instagram-Account der Uni an“, sagt André Zeppenfeld, Pressesprecher der Uni Siegen. „Nach einer Video-Begrüßung durch Prof. Alexandra Nonnenmacher (Prorektorin für Bildung) am Montag folgen Tipps für Erstsemester-Studierende, Live-Talks mit Studierenden, eine Videotour durch Siegen mit der Begrüßung durch Bürgermeister Steffen Mues, ein digitaler Markt der Möglichkeiten mit der Vorstellung der studentischen Initiativen und eine Vorstellung der Angebote an der Uni Siegen, darunter Hochschulsport, Chor und Orchester.“ In allen Studiengängen (Bachelor und Master) wird es außerdem digitale Erstsemestereinführungen mit vielen Informationen und Videos geben, so André Zeppenfeld.

Dass die Erstsemestereinführung nur auf digitalem Wege stattfinden wird, findet Alexander Steltenkamp, Vorsitzender des Allgemeiner Studierendenausschusses (AStA) an der Uni Siegen, „schrecklich traurig“. „Die Uni lebt von Präsenz und davon, dass man sich trifft“, sagt er. Er selbst studiert Informatik und erzählt: „Ich habe bei der Erstsemestereinführung meine engsten Freunde an der Uni kennengelernt.“ Kontakte knüpfen können „Erstis“ an der Uni Siegen nun vorrangig nur über die digitalen Wege. Unter gegebenen Umständen und steigenden Corona-Fallzahlen ist es nicht anders möglich, da sind sich Uni und AStA einig. Trotzdem stimmt es traurig: „Den Studierenden wird dadurch so viel genommen. Jetzt kommen auch gerade die an die Uni, bei denen schon der Abiball­ nicht stattgefunden hat“, sagt Alexander Steltenkamp.

Universität Siegen: Wintersemester als Hybridsemester

Wenn die Erstsemestereinführung dann um ist, startet das Semester, ebenfalls nicht im Normalzustand: Die Vorlesungszeit für die Studierenden in den Bachelorstudiengängen an der Uni Siegen beginnt am 2. November, für Masterstudierende bereits am 26. Oktober. „Uns erwartet ein Hybrid-Semester, das Lehrveranstaltungen in Präsenz, als Hybrid-Format und im Digital-Format ermöglicht“, sagt André Zeppenfeld. Das Konzept sei flexibel, sodass durch aktuelle Entwicklungen bedingte Veränderungen schnell möglich sind. „So können wir den Infektionsschutz bestmöglich sichern, aber gleichzeitig die Anforderungen an gute Lehre erfüllen – gerade für Studierende, die neu an der Universität sind oder sich dort besser konzentrieren und motivieren können als zu Hause.“

Für den AStA der Uni Siegen geht das Hybridkonzept nicht weit genug: „Es sollte die Möglichkeit geben, dass Studierende all ihre Veranstaltungen digital wahrnehmen können“, sagt Alexander Steltenkamp. Er plädiert dafür, dass Studierenden in Corona-Zeiten die Anwesenheit freigestellt wird. „Ich halt es für absurd, an dem Konzept eines Hybridsemesters weiter festzuhalten.“ Ein Problem sei auch, dass bei manchen Siegener Studierenden auf Online-Kurse direkt Präsenzveranstaltungen folgen würden. „Ich verstehe nicht, warum die Uni es nicht hinbekommt, dass Online- und Präsenzkurse jeweils für sich an einem Tag sind“, sagt Alexander Steltenkamp. Muss man zur Uni pendeln, kann das für Probleme sorgen. Steltenkamp selbst hat Glück: Kurz vor Ende seines Studiums muss er nicht mehr viele Seminare besuchen. Aber er fühlt mit seinen Kommilitonen mit. „Viele Studierende machen sich Sorgen.“

Iserlohn: University of Europe for Applied Sciences bereits ins Semester gestartet

An der University of Europe for Applied Sciences in Iserlohn ist das Semester schon am 28. September gestartet. „Bei uns haben die Welcome Days teils in Präsenzform und teils digital stattgefunden“, sagt Pressesprecherin Jessica Barthel. Seit dem Start findet die Lehre ebenfalls in drei Varianten statt: in Präsenzform – wenn es die Gruppengröße und Raumkapazität zulassen –, in Digital- oder eben in Hybridform. „Dann sind einige Studierende im Seminarraum, andere werden digital hinzugeschaltet“, so Jessica Barthel.

Wenn der Studiengang es erlaubt, können an der University of Europe for Applied Sciences dann auch Studierende der unterschiedlichen Standorte (Iserlohn, Berlin und Hamburg) für Veranstaltungen digital zusammengeschaltet werden. „Wichtig ist, dass wir – sollte es auf Grund von Corona zu einer erneuten Campusschließung kommen – von jetzt auf gleich wieder digital im Einsatz sind, also auf komplette Online-Lehre umschalten können“, betont Barthel. Was in Corona-Zeiten für die Hochschulen vor allem zählt: die Flexibilität, auf jedmögliche Entwicklung reagieren zu können.

FOM Hochschule: Umstellung auf digitale Lehre war Kraftakt

Doch so schön wie ein persönliches Zusammentreffen sind die virtuellen Lösungen eben nicht: „Die Eröffnungsfeiern waren nicht so emotional wie sonst. Alles war vom Gefühl her nur halb so schön“, sagt Thomas Kirschmeier, Sprecher der FOM Hochschule. Sie hat über 30 Standorte in Deutschland, einen davon in Hagen. An der Hochschule für Berufstätige gab es zum großen Teil nur virtuelle Eröffnungen.

Das Semester hat dort bereits am 1. September begonnen. Auch hier wird auf ein Hybridsemester gesetzt. Die virtuelle Lehre wird laut Thomas Kirschmeier von den Studierenden gut angenommen. „Die Umstellung darauf war aber ein Kraftakt“, sagt er.

Info: Gibt es in der Corona-Krise weniger Studienanfänger?

>> Die aktuelle Pandemie hatte für die meisten Studienanfänger an der FOM Hochschule keinen Einfluss auf die Entscheidung, ein berufs- oder ausbildungsbegleitendes Studium zu beginnen. Das ergab eine Umfrage unter Erstsemesterstudierenden. 77 Prozent der Befragten gaben an, Corona habe bei ihrem Entschluss für ein Studium neben dem Beruf keine Rolle gespielt.

>> Der Rückgang bei der Zahl der Studienanfänger an der FOM Hochschule mit über 30 Standorten in Deutschland läge im „kleinen einstelligen Prozentbereich“, so Thomas Kirschmeier, Sprecher der FOM Hochschule. An der FOM in Hagen haben 50 Studierende ihr Studium begonnen, in Dortmund 650 und in Siegen 150.

>> Wie sich die Zahl der Studienanfänger an den öffentlichen Universitäten entwickelt, ist bislang noch nicht bekannt, da das Semester coronabedingt erst Anfang November startet.

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