Tatorte

Tatorte – historische Mordfälle aus Südwestfalen

Drei historische Morde wirken bis heute in Südwestfalen und darüber hinaus nach.

Drei historische Morde wirken bis heute in Südwestfalen und darüber hinaus nach.

Foto: Manuela Nossutta

Hagen.  Ein Mord auf heiligem Boden, eine Entführung, ein verhungerter Grafenbruder – das Mittelalter in Südwestfalen ist in nichts für schwache Nerven.

Ein Mord auf heiligem Boden, eine Entführung, die im Blutrausch endet, ein Grafenbruder, der im Verlies verhungert: Diese Fälle muten an wie erfundene phantastische Geschichten, etwa aus der TV-Serie Game of Thrones. Doch sie sind Realität vor unserer Haustür. Das Mittelalter ist in Südwestfalen nichts für schwache Nerven. Zum Abschluss unserer Tatorte-Serie über Kriminalfälle, die berühren, gehen wir auf Spurensuche tief in die Vergangenheit.

Die drei aufsehenerregenden Verbrechen, die wir vorstellen, sind nicht unter dem Staub der Geschichte begraben, im Gegenteil: Die Folgen dieser Taten prägen unser Leben bis heute. Und moderne rechtsmedizinische Analyse-Methoden geben noch Hunderte von Jahren später neue Aufschlüsse über den Hergang.

Erzbischof Engelbert von Köln, ermordet am 7. November 1225 bei Gevelsberg

Das schwirrt und klingelt durch den Wald,

Die Blätter stäuben von den Eichen,

Und über Arm und Schädel bald

Blutrote Rinnen tröpfeln, schleichen;

Entwaffnet der Prälat noch ringt,

Der starke Mann, da zischend dringt

Ein falscher Dolch ihm in die Weichen.

(Strophe aus: Annette von Droste-Hülshoff, Der Tod des Erzbischofs Engelbert von Köln)

Eine Entführung außer Kontrolle – Der Mord an Erzbischof Engelbert verändert das Land

Sie kesseln ihn ein. Er kann nicht entkommen. Der Wald schwimmt in Blut. Nicht weniger als 40 bis 50 Stiche und Hiebe sind nötig, um diesen Geistlichen zu Fall zu bringen. Denn der ist kein schmächtiger Betbruder, er überragt mit rund 1,80 Metern Körpergröße die meisten seiner Gegner, ein kräftiger Kerl und an den Waffen geübt.

Dennoch erliegt der mächtigste Mann des Reiches am 7. November 1225 auf der Reise von Soest nach Köln auf einem Hohlweg zwischen Gevelsberg und Schwelm, dem sogenannten Lindengraben, einem heimtückischen Angriff, der ausgerechnet von seinem Großneffen Friedrich von Isenberg angeführt wird. Der schrecklichste Mord der Epoche ist - so vermuten Historiker heute – vermutlich eine außer Kontrolle geratene Entführung. Die Täter steigern sich in einen regelrechten Blutrausch. Kein anderes Verbrechen hat die Zeitgenossen im Mittelalter so aufgerührt, und kein anderes hat so weitreichende Folgen bis in die Gegenwart. Das kurkölnische Sauerland, die Grafschaft Mark und Schloss Hohenlimburg zum Beispiel würde es ohne Erzbischof Engelbert von Köln und seine Ermordung nicht geben.

Pathologen und Reliquien

Der ermordete Erzbischof ist bis heute präsent. 1978/79 werden seine Gebeine gerichtsmedizinisch analysiert. Fast 50 Verletzungen durch Hiebe und Stiche unterschiedlicher Waffen können dabei millimetergenau nachgewiesen werden. Die hohe Zahl der tiefen Verletzungen wird von den Pathologen als Zeichen heftiger Gegenwehr Engelberts und der panischen Reaktion der Angreifer interpretiert, da bereits wenige dieser Hiebe tödlich gewesen sein müssen.

Die Gebeine können untersucht werden, weil man Engelbert nach dem Mord nach Köln bringt und dort das Fleisch durch Kochen von den Knochen löst. Das Fleisch wird im Turm des alten Doms bestattet, sein Herz kommt in den Altenberger Dom, die Knochen werden zur Klageerhebung gegen Friedrich von Isenberg gebraucht und deshalb in einen transportablen Schrein gelegt. Heute ruhen die Gebeine in der Schatzkammer des Kölner Doms; ein Teil des Unterarms befindet sich noch heute in der St. Engelbertskirche in Gevelsberg. Rasch verbreiten sich Wundergeschichten um den toten Gottesmann. Am Tatort wird zur Sühne das Kloster Gevelsberg gegründet, die Keimzelle der heutigen Stadt.

Stadtgründer des Sauerlandes

Engelbert, als Sohn des Grafen Engelbert I. von Berg auf Schloss Burg geboren, ist Kirchenfürst und weltlicher Fürst in einem. Keiner seiner Vorgänger und Nachfolger hat es zu solcher Machtfülle gebracht. Als Erzbischof von Köln ist er zugleich Herzog von Westfalen. Kaiser Friedrich II. bestimmt ihn 1220 zum Vormund für seinen Sohn Heinrich und zum Reichsverweser.

Damit ist Engelbert auf dem Höhepunkt seiner Macht. Der geschickte Politiker tut alles, um sie zu sichern und zu erweitern. Dabei sind ihm in Westfalen der Bischof von Paderborn und der Graf von Arnsberg im Weg. Seinen Einfluss festigt Engelbert vor allem durch den Landesausbau, also Stadtgründungen. Mindestens 11, wahrscheinlich sogar 13 Stadtburgen verleiht er Stadtrechte, darunter Attendorn, Brilon, Geseke, Medebach, Schmallenberg, Siegen und Werl; er macht sich auch Marsberg untertan.

Engelbert gilt als der eigentliche Begründer des erzkölnischen Territoriums zwischen Maas und Weser, dem Herzogtum Westfalen.

Doch Engelberts Ambitionen gehen anderen Adeligen zu weit. Sie verbünden sich gegen ihn. Der Isenberger ist vermutlich nur eine Schachfigur in diesem Machtkampf. Mit seinem Großneffen liegt Engelbert ohnehin im Streit um die Vogtei über das Reichsstift Essen, ein überaus einträglicher Besitz, der sich in den Händen Friedrichs befindet. Aber die Stiftsdamen beklagen sich bei Papst und Kaiser, dass der Vogt sie ausblute. Engelbert fordert von Friedrich die Aufgabe der Vogtei. Das kann der sich nicht leisten. Darüber verhandeln der Erzbischof und der Isenberger kurz nach Allerheiligen 1225 in Soest. Ergebnislos. Auf der Rückreise nach Köln will Engelbert in Schwelm eine Kirche weihen, als ihm Friedrich und seine Gefolgsleute in dem Hohlweg auflauern.

Die Rache

Am 14. November 1226 wird Graf Friedrich von Isenberg als Mörder vor dem Severinstor in Köln auf das Rad geflochten, eine der grausamsten Todesstrafen, die es gibt. Friedrichs Kinder können aus den Trümmern von Isenberg die kleine Grafschaft Hohenlimburg an der Lenne retten. Friedrichs Vetter Adolf von Altena schleift die Burg Isenberg bei Hattingen und siedelt die Bewohner von Nienbrügge um. So entsteht die Stadt Hamm. Der Altenaer kann den Hauptteil der Isenbergschen Besitzungen und Rechte an sich bringen. Damit sind die Grundlagen für die Grafschaft Mark geschaffen, das wichtigste weltliche Territorium Westfalens. Der Mord an Engelbert hat also die westfälische Territorialgeschichte nachhaltig geprägt.

Die Dichter

Ungeheuer ist das Aufsehen, das die Bluttat hervorruft. Walther von der Vogelweide bedichtet den Tod Engelberts. Und Annette von Droste-Hülshoff schreibt mit „Der Tod des Erzbischofs Engelbert von Köln“ ihre, wie sie selber sagt, beste Ballade.

Chronologie

  • 1185 oder 1186: Engelbert von Berg wird auf Schloss Burg geboren
  • 29. Februar 1216: Wahl zum Erzbischof von Köln
  • 1220: Kaiser Friedrich bestimmt Engelbert zum Reichsverweser und Vormund seines Sohnes Heinrich
  • 7. November 1225: Engelbert wird bei Gevelsberg ermordet
  • 14. November 1226: Friedrich von Isenberg wird in Köln auf das Rad geflochten
Im tiefsten Verlies verhungert – Ein Brudermord, der vermutlich keiner ist 

Die Tat ist an Schändlichkeit kaum zu überbieten. Wir schreiben das Jahr 1164. Ausgerechnet beim Kirchgang stellt der ältere Bruder dem jüngeren eine Falle und sperrt ihn in das tiefste Verlies seiner Burg, um ihn dort elendiglich verhungern zu lassen. Wie üblich ist Geld im Spiel, besser gesagt: Die Brüder liegen im Streit um das väterliche Erbe, das sie untereinander aufgeteilt haben.

So stellt sich der berüchtigte Arnsberger Brudermord in der Legende dar. Ein Stück finsterstes Mittelalter, allerdings mit bis heute spürbaren Folgen. Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe haben jüngst im Kloster Wedinghausen eine Gruft entdeckt, bei der es sich möglicherweise um die Grabstätte des mutmaßlichen Mörders, des Grafen Heinrich I. von Arnsberg, handelt.

Auf den Spuren der Legenden

Täter und Opfer sind bekannt, viele Sagen ranken sich um das Geschehen, doch die Spurensuche ergibt keinen Hinweis darauf, dass es sich überhaupt um ein Verbrechen handelt – und auch die Sühne ist zweifelhaft.

Denn vermutlich ist der Mord an Friedrich von Arnsberg, dem Bruder des Grafen Heinrich I., gar kein Mord. Betrachtet man die zeitgenössischen Quellen, wird zwar die Gefangennahme ausführlich beschrieben. Aber zum Tod des jüngeren Bruders heißt es in den Annalen des niederländischen Klosters Egmond lediglich: „Dort beendete er nach etlichen Monaten mehr aus Zorn, Entrüstung und Traurigkeit als durch Hunger oder Fesseln gefoltert sein Leben.“ Auf Mord fehlt jeder Hinweis – und der wäre den Chronisten des Mittelalters vermutlich nicht entgangen, denn die Tötung eines Blutsverwandten gilt als besonders scheußliches Verbrechen.

Machtpolitische Intrigen

Dennoch wird der Tod Friedrichs zum Anlass für machtpolitische Intrigen. Der sächsische Herzog Heinrich der Löwe, der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel und „benachbarte Bischöfe“, so die Quellen, führen einen Rachefeldzug gegen den Arnsberger. Die Burg wird zerstört, Heinrich kann fliehen. Seine Grafschaft erlangt er in der Legende nur als Lehen des Kölner Erzbischofs zurück, rückt also ins zweite Glied. Reichspolitisch wäre das ein Vorgang von hoher Bedeutung.

Die Kölner Erzbischöfe sind gleichzeitig weltliche Herzöge von Westfalen und als solche stets bemüht, ihre Territorialmacht auszubauen. Dabei stehen ihnen die Arnsberger Grafen traditionell im Weg, die ihrerseits versuchen, ihre Herrschaft durch Landesausbau zu festigen.

Der Arnsberger Stadtarchivar Michael Gosmann hält die Geschichte von der erzwungenen Lehnsauftragung für höchst zweifelhaft. „Die Quellen kennen sie nicht. Graf Heinrich I. ist zwar für einzelne Lehen, die er vom Kölner erhielt, Lehnsmann des Erzbischofs geworden. Aber dass die gesamte Grafschaft kölnisches Lehen wurde, ist unwahrscheinlich. Sollte es eine solche Lehnsabhängigkeit wirklich gegeben haben, ist sie jedenfalls sehr schnell wieder verblasst.“

Königsmacher aus Arnsberg

Dazu muss man wissen, dass die Grafen von Arnsberg keine Landjunker aus dem sauerländischen Nirgendwo sind, sondern Königsmacher, tief verstrickt in die Machtkämpfe des Reiches mit seinen wechselnden Bündnissen und Feindschaften unter dem Hochadel. So ist Friedrich der Streitbare, der Großvater der beiden verfeindeten Brüder, im Jahr 1120 einer der Vermittler zwischen dem Kaiser und den aufständischen Fürsten. Zum Dank für seine Dienste erhält er für sich und seine Nachfahren wohl 1118 das Vorstreitrecht zwischen Rhein und Weser.

Heinrich I. wiederum weilt oft an der Seite von Kaiser Friedrich Barbarossa, der der Legende nach höchstpersönlich verhindert haben soll, dass der Arnsberger nach dem angeblichen Brudermord verbannt wird.

Warten auf die DNA-Analyse

Kurz vor 1173 stiftet Heinrich I. in Arnsberg das Prämonstratenserkloster Wedinghausen. Um Klostergründungen ranken sich gerne Sagen. Wie es die Legende will, soll diese fromme Handlung als Sühne für den Brudermord erfolgt sein. Am Ende seines Lebens tritt der Graf als Laienbruder in das Kloster ein und stirbt dort am 4. Juni 1200 im für die damalige Zeit unvorstellbar hohen Alter von 72 Jahren.

Klostergründungen sind ein enorm wichtiges Instrument beim Landesausbau. Klöster bringen Wissen und technischen Fortschritt in eine Region. Das Kloster Wedinghausen wird entsprechend zum religiösen und kulturellen Mittelpunkt der Grafschaft Arnsberg und später des ganzen Herzogtums Westfalen.

Die heutige Wissenschaft rollt den rätselhaften Fall mit modernen Mitteln wieder auf. Eine DNA-Untersuchung soll klären, ob es sich bei einem der in der jetzt wieder aufgefundenen Grafengruft entdeckten Schädel um Gebeine des legendären Grafen Heinrichs I. handelt.

Kurz erklärt

Vorstreitrecht: Feldschlachten und Auseinandersetzungen im Rahmen einer Fehde liefen nach einem weitgehend festen Ritual ab; auf Taktik wurde dagegen auf dem Schlachtfeld nur untergeordneter Wert gelegt, der Heerführer wies den einzelnen Bannerträgern – und damit den ihnen zugeordneten "Haufen" – lediglich ihren Aufstellungsplatz vor der Schlacht zu. Dabei galt es den Rittern als besonders ehrenvoll, zum Vorstreit bzw. Vorstritt eingeteilt zu werden. Da in den damaligen Feldschlachten meist schon das erste Aufeinandertreffen die Schlacht entschied – es machte die Kräfteverhältnisse deutlich, worauf der zahlenmäßig Unterlegene zumeist den Rückzug antrat –, fiel auch der meiste Ruhm auf die Ritter, die an diesem Vorstreit teilgenommen hatten.

Verlies: Ein Verlies war im Mittelalter ein burg- oder stadteigener Kerker, meist in (fensterlosen) Kellerräumen oder im untersten Teil einer Festung (Kasematten), eines Turmes (Bergfrieds). Oft war es nur durch die Decke über eine einzige Öffnung, ein so genanntes Angstloch erreichbar.

Mord auf heiligem Boden – Prinz Thankmar stirbt durch Speerwurf 

Am 28. Juli 938 schreibt das Sauerland Weltgeschichte. Ein ungeheurer Frevel schockiert die Christenheit. Denn Thankmar, Königssohn und Königsbruder, wird auf der Eresburg hinterrücks ermordet. In der Burgkapelle. Vor dem Altar. Mit einem Speer, der durch das Fenster geworfen wird. Und zwar, nachdem der Prinz sich bereits König Otto I. ergeben hat. Ein Mann von königlichem Geblüt wird auf heiligem Boden von hinten gemeuchelt. Dieses Verbrechen ist unfassbar. Der Täter ist ein Vasall von Thankmars Halbbruder Heinrich. Maincia raubt die goldene Kette und die Waffen des Prinzen und flieht. Er wird 939 bei der Schlacht von Birten fallen. Ein nachträgliches Gottesurteil?

Was vorher geschieht

Thankmar ist der älteste Sohn von König Heinrich I., dem Vogler, aus dessen Ehe mit Hatheburg von Merseburg. Nach drei Jahren Ehe schickt Heinrich Hatheburg ins Kloster, um die schöne und reiche Mathilde zu heiraten. Hatheburgs Erbe aber behält er. Heinrich hat nicht vor, seinen Erstgeborenen zum König zu machen, Thankmars Halbbruder Otto wird in Aachen gekrönt. In den ersten Jahren seiner Regentschaft schafft Otto I. es, seine Brüder und die Großen seines Reiches durch ungerechte Personalentscheidungen gegen sich aufzubringen. So hält er Thankmar dessen mütterliches Erbe vor und gibt die Grafschaft Merseburg an seinen Vasallen Gero, den Slawenschlächter.

So von Vater und Bruder gleich mehrfach um sein Erbe und seine Stellung betrogen, verbündet Thankmar sich mit dem Grafen Wichmann Billung und Herzog Eberhard von Franken, die ebenfalls Grund haben, dem jungen König zu grollen. Der Aufstand stürzt Ottos junge Herrschaft in eine tiefe Krise.

Der Aufstand

Thankmar bringt 938 die Burg Belecke bei Warstein in seine Gewalt. Dort hat sich sein Halbbruder Heinrich verschanzt, den er entführt. Mit dem Bericht von dieser Militäraktion wird Belecke erstmals urkundlich erwähnt und gerät für einen einzigen Tag in den Blick der Reichsgeschichte. Von Belecke aus ziehen die Aufständischen auf die Eresburg (Obermarsberg), jenen uneinnehmbaren Tafelberg, der es schon Karl dem Großen sehr schwer gemacht hat, ihn zu erobern. Von der Eresburg aus streifen den Annalen zufolge die Männer der Rebellen plündernd durchs Land. Otto I. ist nicht erfreut und macht sich selbst auf nach Obermarsberg.

Die Besatzer öffnen angesichts des königlichen Heeres die Tore der Festung. Thankmar ergibt sich und legt die goldene Halskette als Zeichen seiner prinzlichen Würde auf den Altar. Mit dieser Geste verzichtet er auf alle Ansprüche. Außerdem legt er seine Waffen ab. Nach mittelalterlichem Recht ist er damit unantastbar, zumindest bis der König über ihn Recht gesprochen hat. Hohe Adelige und Familienmitglieder, die ihre Schuld öffentlich eingestehen und sich bedingungslos unterwerfen, können auf Begnadigung hoffen. Ob der Vasall Maincia in vorauseilendem Gehorsam den Speer wirft oder nur erpicht auf die Beute ist, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Die Folgen

Heinrich I. und Otto I. brechen am Beispiel Thankmars gleich mehrfach das geltende Recht und greifen damit tief in das bestehende Herrschaftsgefüge des ostfränkischen Reiches ein. Nach sächsischem Recht ist Thankmar „vollbürtig“, daher steht ihm wenigstens der Besitz seiner Mutter zu, wenn nicht sogar Teile des väterlichen Reiches. Nach karolingischem Recht gilt die Realteilung: Das Reich wird unter den legitimen Söhnen aufgeteilt.

Doch Otto I. versteht sich als „neuer“ König, nicht mehr als Gleicher unter Gleichen, seinen Reichsherzögen durch Schwurfreundschaften verbunden, sondern als derjenige, der ihnen mit Gottes Hilfe vorsteht und auch über die Vergabe von Herzogs- und Grafenwürden entscheidet. Die hohen Adeligen hingegen wollen ihre Grafschaften und Herzogtümer ihren Söhnen vererben. Thankmar ist ein Opfer in diesem Machtkampf. Der Wandel des Herrschaftsverständnisses wird für Otto I. fortwährende Aufstände zur Folge haben, denn nicht nur die Herzöge wehren sich erbittert dagegen, sondern auch sein Bruder Heinrich und sein Sohn Liudolf.

Chronologie

  • 900/906: Thankmar wird als ältester Sohn des ostfränkischen Königs Heinrich I. geboren
  • 936: Thankmars Halbbruder Otto wird zum König gekrönt
  • 937: Mächtige Adlige in Sachsen, Franken, Lothringen und Bayern verbünden sich gegen Otto I., der Aufstand beginnt
  • 938: Thankmar und seine Verbündeten erobern die Burg Belecke
  • 938: Die Aufständischen erobern die Eresburg (Obermarsberg)
  • 28. Juli 938: Thankmar wird in der Kapelle der Eresburg ermordet
  • 962: Otto I. Wird zum Kaiser gekrönt
  • 7. Mai 973: Otto I. stirbt

Kurz erklärt

Die Mordwaffe Speer: Der Speer ist die erste Distanzwaffe der Menschheitsgeschichte und die dominierende Waffe der mittelalterlichen Heere. Speere sind Mehrzweckwaffen, die sowohl im Fernkampf wie auch im Nahkampf eingesetzt werden können, denn man kann mit ihnen werfen und stechen gleichermaßen.

Mit der Erfindung des Steigbügels wird es auch in der Reiterei möglich, größere Speere zu handhaben, und so bilden sich im frühen Mittelalter bei den Merowingern und Karolingern die sogenannten Panzerreiter heraus, aus denen sich später das Rittertum entwickelt. Im Verlauf des Mittelalters entstehen verschiedene Formen von Spieß, Speer und Lanze, der Wurfspeer verliert an Bedeutung. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts kommt der Speer im Militär endgültig aus der Mode, nachdem die polnischen Ulanen als letzte Vertreter der Speerreiterei 1949 abgeschafft werden.

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