Tatorte

Als letzte Spur bleibt ein Paket mit Brandasche

Feuer in Meschede

Feuer in Meschede
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Meschede.  Im April 2010 stirbt die kleine Jasmin. War es ein Unglück? War es Mord? Es gibt weiterhin einen Verdacht, aber keine Klärung.

Ein Geständnis, das wäre die Lösung. „Manchmal“, weiß Oberstaatsanwalt Thomas Poggel, „kommt es vor, dass ein Täter nach Jahren sagt: Ich kann mit der Schuld nicht mehr leben.“ Aber, er weiß auch: „Das ist selten.“ Vor ihm liegt ein Paket. Es ist ein Asservat, ein Beweismittel. Es enthält Brandasche. Es sind die letzten Spuren eines schrecklichen Falls aus Meschede. Er handelt vom Tod eines Kleinkinds. War es ein Unglück? Ein Verbrechen? Sogar Mord?

Es ist ein Samstagabend im April 2010, noch eine halbe Stunde bis Mitternacht, als die Feuerwehr alarmiert wird. Am Ende dieses Einsatzes werden nicht nur Hausbewohner, sondern auch Einsatzkräfte psychologisch betreut. Sie haben ein 14 Monate altes Kind aus einer brennenden, verrauchten Wohnung geholt. Es war eigentlich schon tot, musste wiederbelebt werden, kam in die Kinderklinik. Dort stirbt es. Tod durch Rauchgasvergiftung.

Allein in der Wohnung

Jasmin war ganz allein in der Wohnung, als es brannte. Im Gitterbett. Ihre Mutter im Puff. Der Fall scheint schnell klar: Eine Rabenmutter, die anschaffen geht, ihre Tochter vernachlässigt. Ein Brandsachverständiger untersucht die Wohnung. Seine Einschätzung: Schwelbrand. Zigarettenasche etwa oder eine versehentlich umgefallene Kippe. Ein technischer Defekt scheidet aus. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen die damals 23-jährige Mutter. Sie habe das Feuer verursacht. Der Vorwurf: fahrlässige Tötung.

„Ich habe das Kind allein gelassen - aber ich bin keine Hure ohne Muttergefühle“: Es ist einer der wenigen Sätze der zierlichen blonden Frau in den folgenden Wochen. Ansonsten schweigt sie. Es kommt zum Prozess vor dem Amtsgericht Meschede. In einem Rechtsgespräch wird eine Geldstrafe in Aussicht gestellt, doch der Vater des Kindes legt als Nebenkläger sein Veto ein. Der Prozess wird unterbrochen. Die Staatsanwaltschaft gibt ein weiteres Gutachten in Auftrag.

Der neue Experte überrascht: Der Brand in der Wohnung könnte auch vorsätzlich gelegt worden sein. Die Mutter des Mädchens würde als Täterin ausscheiden. Sie ist in Berge im Bordell, als es brennt. Am Ende des Verfahrens steht ein Freispruch. Und plötzlich gerät ein Mann ins Visier der Ermittler: der ehemalige Lebensgefährte der Mutter. Der Kindsvater der toten Jasmin beschuldigt ihn offen und spricht von Mord.

Schlüssel zur Wohnung

Der Verdächtige besitzt noch einen Schlüssel zur Wohnung. Er lebt im Streit mit seiner Ex-Freundin. Vorwürfe machen die Runde. Wollte er sich rächen? Wusste er nicht, dass das Kind nebenan schläft? Jasmin war sonst nie allein, die Mutter besorgte immer einen Babysitter, wenn sie anschaffen ging. An jenem Abend platzte die Verabredung.

Die Feuerwehr sieht den Rauch, als sie anrückt. Sie weiß, es könnten mehrere Menschen in Gefahr sein. In der Eckwohnung, wo es brennt, sind die Mutter und ihr Kind gemeldet. Die Tür wird eingetreten aufgebrochen, mit Gewalt. Holz splittert. Wasser spritzt auf den Boden, an die Wände. Nach einem Löscheinsatz sieht eine Wohnung aus wie ein Schlachtfeld. „Bei Brandstiftungen haben wir weniger Spuren als bei anderen Delikten“, sagt Oberstaatsanwalt Poggel. Hier gibt es nur die Brandasche. Sie ist untersucht worden, ergebnislos. „Ich weiß nicht, was die Zukunft für Methoden bringen wird, ob dann neue Spuren festgestellt werden können“, sagt Poggel.

Keine Einbruchsspuren

Es spricht viel gegen den damaligen Verdächtigen. Der Schlüssel. Eine Vorgeschichte, nämlich eine Ermittlung wegen einer Brandstiftung in einem anderen Fall. Dass er gesehen worden ist, in jener Nacht, an jener Ecke. Dass es zeitlich passen würde. Keine Einbruchsspuren. Dass er ein Motiv haben könnte. „Aber das alles beweist noch nichts“, erklärt der Oberstaatsanwalt. Der Verdächtige wohnt schließlich in der Nähe. Er war abends in einer Kneipe um die Ecke, auch dafür gibt es Zeugen.