Tatorte

Ausbrecher Norman Franz – Intelligent und skrupellos

Dreifachmörder Norman Franz auf der Flucht

LKA-Sprecher Mario Lorenz über den Fall "Norman Franz": Er tötete fünf Menschen und floh zweimal aus dem Gefängnis. Video: Michael Kleinrensing

LKA-Sprecher Mario Lorenz über den Fall "Norman Franz": Er tötete fünf Menschen und floh zweimal aus dem Gefängnis. Video: Michael Kleinrensing

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Hagen.  Norman Franz wird für den Tod von fünf Menschen verantwortlich gemacht. Seine Flucht aus der JVA Hagen vor 20 Jahren ist legendär.

Er ermordete fünf Menschen, überfiel Banken und Geldtransporter, schmuggelte Zigaretten und brach zweimal aus dem Gefängnis aus: Obwohl seine Taten 18 Jahre und länger zurückliegen, gehört Norman Franz bis heute zu den meist gesuchten Schwerverbrechern Deutschlands. Die Polizei hat den ebenso skrupellosen wie intelligenten Gangster nach seiner letzten Flucht aus den Augen verloren, doch die Ermittler sind überzeugt davon, dass er noch lebt.

Nach Franz wird gesucht wie sonst nur nach den noch immer untergetauchten Terroristen der Rote Armee Fraktion (RAF). „Vorsicht! Franz ist gewalttätig und bewaffnet. Er macht rücksichtslos von der Schusswaffe Gebrauch“, warnt das Bundeskriminalamt (BKA) im Fahndungsaufruf seiner „most-wanted“-Liste.

Handgranate auf Hohensyburg

Die kriminelle Karriere des am 30. Januar 1970 in Neheim-Hüsten geboren Norman Volker Franz nimmt ihren Anfang in Dortmund. Er ist Mitglied einer Bande, die Zigaretten schmuggelt und mit Waffen handelt. Als sie im Mai 1995 mit einem rivalisierenden, polnischen Gangstersyndikat aneinandergeraten, locken Franz und seine Komplizen die Gegner in einen Hinterhalt.

Auf einem einsamen Parkplatz in Syburg wirft Franz eine Handgranate in das Auto der Polen, von denen einer sofort stirbt. Einem zweiten, der davonzulaufen versucht, schießen Franz und seine Komplizen mehrmals in den Kopf, nur dem dritten Mann gelingt schwer verletzt die Flucht, obwohl sie ihn mit einem Auto verfolgen und aus einer Pumpgun auf ihn feuern.

Ausbruch in Hagen

Franz setzt sich zum ersten Mal ins Ausland ab, wird jedoch mit seiner Freundin nach der Rückkehr aus Spanien geschnappt und ebenso wie seine Mittäter zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, wobei das Landgericht Dortmund die besondere Schwere der Schuld feststellt, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren unmöglich macht. So lange aber wird Franz, der hinter Gittern seine Lebensgefährtin geheiratet hat, ohnehin nicht im Knast bleiben. Am 11. März 1997 gelingt ihm die in Gefängniskreisen bis heute legendäre Flucht aus der Justizvollzugsanstalt in Hagen.

Seine Frau hat ihm in ihrem Gürtel eine kleine Säge ins Gefängnis geschmuggelt, mit der er zunächst die Gitterstäbe seines Zellenfensters durchtrennt. Dann klettert er mit einer Leiter, die er aus Eimerhenkeln und Besenstielen gebastelt hat, auf das Dach der Anstalt und rutscht an einem Regenrohr in die Freiheit hinab. Vor der Anstalt wartet seine Frau schon mit einem Wagen auf ihn. Sie brausen davon, die spektakuläre Flucht gelingt.

Brutale Flucht

Das Dasein, das die beiden fortan führen, mag an das amerikanische Gangsterduo Bonnie und Clyde erinnern, denn auch das deutsche Pärchen lebt im Untergrund, wechselt häufig die Hotels, missachtet alle Gesetze und nimmt sich mit brutaler Gewalt, was es haben will. Nur zwei Wochen nach dem Gefängnisausbruch schießt Norman Franz vor der Dresdner Bank in Weimar einen Wachmann nieder und reißt eine Geldkassette mit 10 000 Mark an sich. Wiederum vier Monate später macht er fette Beute und flieht mit einer halben Million Mark, die er aus einem Geldtransport in Halle geraubt hat. Die beiden wehrlosen Wachmänner streckt er eiskalt nieder.

Haft und Ausbruch in Portugal

Erneut flieht das Räuberduo auf die Iberische Halbinsel, diesmal nach Portugal. Dort versucht Franz, sich im Immobiliengeschäft eine scheinbar normale Existenz aufzubauen, an der Algarve kauft er ein Appartement mit Meerblick.

Er nennt sich Carsten Müller oder Michael Stuever. Inzwischen ist er Vater eines Sohnes geworden. Doch abermals kommt die Polizei dem Mörder auf die Schliche, sperrt ihn und seine Frau im Zentralgefängnis von Lissabon ein. Am 28. Juli 1999 flüchtet er. Seitdem ist Franz verschwunden.

Die Hoffnung der Ermittler

Doch die Ermittlungsbehörden haben die Suche nach dem Mann, der Deutsch, Englisch und Portugiesisch spricht, nicht aufgegeben. Zielfahnder des Landeskriminalamtes gehen weiterhin jedem kleinsten Hinweis nach, denn es ist zu vermuten, dass sich Franz weiterhin im Ausland aufhält. Er hat alle Verbindungen zu seinem früheren Leben abgebrochen, unterhält wahrscheinlich auch keinen Kontakt zu seinem Sohn oder seiner Frau, die sich längst von ihm hat scheiden lassen. Auch wenn er vermutlich schon lange kein Verbrechen mehr begangen hat: Norman Franz ist wie ein Phantom, von dem eine tödliche Gefahr ausgeht.

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