Tatorte

Ellen Rinsche zerstückelt Mann und schreibt Rechtsgeschichte

In dieser Wuppertaler Bombenruine versteckte Ellen Rinsche den Torso ihres Mannes Josef, den sie in einem Kinderwagen mit dem Zug dorthin brachte.  Repro:Hartmut Breyer

In dieser Wuppertaler Bombenruine versteckte Ellen Rinsche den Torso ihres Mannes Josef, den sie in einem Kinderwagen mit dem Zug dorthin brachte.  Repro:Hartmut Breyer

Gevelsberg.  Die Blutige Tat in Gevelsberg erschüttert im Jahre 1949 die junge Bundesrepublik. Heute würde es einen Freispruch für Ellen Rinsche geben.

Als das schwere Bügeleisen mit dem Holzgriff und der eisernen Platte wuchtig auf den Schädel kracht, ist der Junge noch wach. Einmal. Zweimal. Dann sackt der Vater zusammen.

„Ich mach’ Dich kaputt!“, hatte Josef Rinsche Sekunden zuvor noch geschrien, als er seine Frau Ellen mit einer Hand würgte und ihr mit der anderen den Kopf nach hinten riss. Dann wehrte sie sich. Das erste Mal. Der Junge ist womöglich der einzige Zeuge und konnte genau so wenig ahnen wie seine Mutter, dass diese in der Nacht zum 3. September 1949 in Gevelsberg deutsche Rechtsgeschichte schreibt.

Testfall für die junge Bundesrepublik

Ein Testfall für die junge Bundesrepublik, deren Grundgesetz erst wenige Monate zuvor in Kraft getreten war. Ein Test, den die Gerichtsbarkeit und die noch von dem Einfluss der Nationalsozialisten geprägte Gesellschaft nicht bestanden. Eine Tat, für die Ellen Rinsche heute wohl nicht verurteilt werden würde. Eine Situation, die mit großer Wahrscheinlichkeit einige Jahrzehnte später gar nicht mehr entstanden wäre. Und: Der erste Fall in der deutschen Strafrechtsgeschichte, der dank eines mutigen Anwalts vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe in Revision ging – und abgeschmettert wurde.

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