TATorte

Mord in Beddelhausen: Tochter glaubt an Gerechtigkeit

So sieht die ehemalige Gaststätte Krumpholz heute aus. Damals hatte die Mordkommission Hagen dort ein provisorisches Büro eingerichet, in dem etliche Zeugen ausgesagt haben.

Foto: Christoph Vetter

So sieht die ehemalige Gaststätte Krumpholz heute aus. Damals hatte die Mordkommission Hagen dort ein provisorisches Büro eingerichet, in dem etliche Zeugen ausgesagt haben. Foto: Christoph Vetter

Beddelhausen.   Johanna Krämer glaubt an die Gerechtigkeit. Nur deshalb ist sie bereit zu einem Gespräch über den gewaltsamen Tod ihrer Mutter Maria Fusenig. Ein ungeklärter Fall aus der WP-Serie TATorte.

Johanna Krämer glaubt an die Gerechtigkeit. Nur deshalb ist sie bereit zu einem Gespräch über den gewaltsamen Tod ihrer Mutter Maria Fusenig. Es wird ein emotionales Gespräch, mit Tränen, Schluchzen und hoffnungsvollen Seufzern. „Auch nach 41 Jahren glaube ich noch immer daran, dass herauskommt, wer meine Mutter umgebracht hat“, das erträumt sich Johanna Krämer. Und das betont die 75-Jährige während der 120-minütigen Unterhaltung immer wieder.

Zwei Todesfälle in der Familie

Nicht nur der grausame, brutale Mord, der am 13. Juni 1976 am Getränkegroßhandel Krämer (heute Schneider) verübt worden ist, hinterlässt offene Fragen. Auch der Unfalltod des Vaters, der sich ebenfalls am 13. Juni im Jahr 1959 ereignet hat, scheint mysteriös. Mit einem Moped war der Vater frontal gegen einen Baum im Elsofftal geprallt. Er war auf der Stelle tot. An seiner linken, verletzten Hand fanden sich blaue Lacksplitter. Konnten die vielleicht von einem Motorrad stammen, das an dem Tag beim Schützenfest in Wemlighausen gestohlen worden war? Hatte dieses Krad den Vater gestreift und an den Baum gelenkt? Flüchtete der Fahrer?

Eine Antwort auf diese Frage gibt es bis heute nicht.

„Das alles tut richtig weh“, gibt Johanna Krämer unumwunden zu. „Und das mit Mama werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Warum? Warum musste meine Mutter sterben. Sie hätte das letzte Stück Brot jedem gegeben, der in Not war. Deswegen brauchte sie doch keiner tot zu schlagen.“

Griff in die Kasse?

Dass der Täter kein Fremder gewesen sein kann, vermutete auch die damals ermittelnde Mordkommission aus Hagen. „Frau Krämer“, so habe ihr damals ein Beamter gesagt, „es muss jemand gewesen sein, den Ihre Mutter kannte und vielleicht beim Griff in die Kasse erwischt hat. Die Oma durfte nichts mehr sagen können, sie musste zum Schweigen gebracht werden. Sonst wäre sie nicht so zugerichtet worden. Ein Fremder hätte das Geld genommen und wäre verschwunden.“

Die intensiven Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und der Mordkommission führen damals jedenfalls zu keinem Ergebnis. Zeugenaussagen, die die Polizei im Gasthof Krump­holz aufnimmt, ergeben keine heiße Spur. Aber es gab damals jemanden, der etwas gesehen haben muss. Es war ein junges Mädchen, das heute nicht mehr lebt. Hat dieses Mädchen ein Geheimnis mit ins Grab genommen? Wen hat die Jugendliche gedeckt und warum?

Fest steht, dass der Teenager am alten Bahnhofsgebäude Zigaretten aus einem Automaten gezogen hat und dann ins 250 Meter entfernte Festzelt an der Eder zurückgekehrt ist. Dort saßen die Beddelhäuser gut gelaunt beim Freundschaftssingen des MGV „Liederfreund“ beisammen. Und bei dem sonntäglichen Frühschoppen hat das Mädchen berichtet, was es vom Zigarettenautomaten aus durch einen Spalt der Schiebetür im Getränkelager gesehen hat: Ein Mann schlägt mit einer Flasche auf die „Bahnhöfer Oma“ ein. Die Jugendliche sei betrunken gewesen und ihre Aussage wertlos, heißt es später von der Polizei.

Doch einige Zeit darauf berichtet das Mädchen auf dem Schulweg davon, dass es unter Druck stehe und schweigen müsse. Heute kann allenfalls vermutet werden, dass die damals 17-Jährige den Mörder erkannt hat. Aber aus der Schülerin bekommt die Polizei nichts heraus. Später sagt ein Ermittler zu Johanna Krämer: „Sie weiß wohl etwas, aber wir können es ja nicht aus ihr rausprügeln.“ Ein vorübergehend Tatverdächtiger kann ein Alibi vorweisen; der Fall bleibt ungelöst.

Wirklich? Mord verjährt nicht, und deshalb holen Polizeibeamte immer mal wieder die Akten ungelöster Fälle hervor und prüfen, ob neue Ansatzpunkte mit modernsten Ermittlungsmethoden gefunden werden.

Das schweigende Dorf

Johanna Krämer hofft inständig darauf, dass jemand sein Schweigen bricht; denn in all den Jahren habe niemand mit ihr oder der Familie über das schreckliche Geschehen gesprochen. „Das Dorf war stumm“, sagt Ehemann Ernst Krämer traurig. Und genau das sei kaum auszuhalten gewesen. Über einen Wegzug von Beddelhausen, ihrem Lebensmittelpunkt, haben sie nachgedacht, sich aber zum Bleiben entschieden – auch wenn es heute immer noch sehr schwer fällt, wenige Meter neben dem Tatort leben zu müssen. Denn Johanna Krämer schluchzt: „Ich suche weiter meinen inneren Frieden...“.

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