TATorte

Wer ist Schuld am Tod von Tante Juste in Dotzlar?

Gesprächsstoff in ganz Wittgenstein und großes Thema in der Heimatzeitung ist Anfang September 1987 das Tötungsdelikt an der Seniorin Auguste Zeiler in Dotzlar.

Foto: Archiv WP

Gesprächsstoff in ganz Wittgenstein und großes Thema in der Heimatzeitung ist Anfang September 1987 das Tötungsdelikt an der Seniorin Auguste Zeiler in Dotzlar. Foto: Archiv WP

Dotzlar.   „Tante Juste ist tot“ – die schreckliche Nachricht von einem Gewaltverbrechen an Auguste Zeiler verbreitet sich 1987 rasend schnell in Dotzlar. Ein ungeklärter Fall aus der WP-Serie TATorte.

In der Laubrother Straße hat man die 83-Jährige leblos im Flur vor der Haustür aufgefunden – am Vormittag des 2. September 1987. Weil die Westfalenpost zwei Tage draußen auf der Treppe lag, waren Nachbarn aufmerksam geworden, hatten sich vom Garten aus Zugang ins Haus verschafft. Dort lebte die Seniorin mit ihrer Katze allein. Aber einsam war sie nicht. Vielmehr besuchten sie oftmals Kunden in ihrem kleinen Getränkehandel. „Bier-, Limo- und Lakritzgroßhandel“ flachsten die Jugendlichen über die auch in den Abendstunden gut frequentierte Verkaufsstelle.

Den Täter selbst ins Haus gelassen?

Hatte Auguste Zeiler den Täter selbst ins Haus gelassen? Hat sie ihn womöglich gekannt? Schnell werden aus Fakten Gerüchte. Hinter vorgehaltener Hand nennt der ein oder andere sogar namentlich Verdächtigungen auf den mutmaßlichen Täter. Nahrung bekommt das Gerede nach der Festnahme eines damals 28 Jahre alten Dorfbewohners. Er hatte als guter Bekannter für Tante Juste Haus und Hof in Ordnung gehalten. Nach kurzer Untersuchungshaft kommt der Mann frei – er hat mit der Tat nichts zu tun.

Auch 30 Jahre nach dem bis heute nicht geklärten Tötungsdelikt erinnern sich die Dotzlarer an die gutmütig, meistens mit einem blau-karierten Kittel bekleidete Seniorin. Sie musste wohl sterben, weil der Täter Geld wollte und sie vermutlich bei einem Handgemenge die Treppe hinunter gestoßen hat. Beute hat der Unbekannte nicht gemacht; denn in dem von ihm durchwühlten Schlafzimmer findet die Spurensicherung eine gut versteckte Keksdose. Inhalt: 1700 Mark. Die Unordnung im Zimmer ist für die Kripo wichtiges Indiz für eine Straftat. Etliche Nachbarn, Jugendliche und ältere Männer werden als Zeugen vernommen, hier und da nimmt die Kripo mit Klebebändern Faserproben – ein konkreter Tatverdacht ergab sich nie.

Drei Kartons voller Akten

Aber Kriminalhauptkommissar Ulrich Kayser (Hagen) bleibt dran. Aktuell, so sagt er, sind „drei Kartons Akten von der Staatsanwaltschaft Siegen nach Hagen“ transportiert worden. Dort untersuchen Mitarbeiter der Kriminaltechnik in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Düsseldorf mögliche neue Aspekte. Wann mit einem Ergebnis zu rechnen sei, beantwortet Kayser so: „Gut Ding will Weile haben.“

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