Thomas Cook

Thomas-Cook-Pleite: Reisende aus Südwestfalen sitzen fest

Passagiere sprechen mit Mitarbeitern des Reisekonzerns Thomas Cook am Flughafen Palma de Mallorca.

Passagiere sprechen mit Mitarbeitern des Reisekonzerns Thomas Cook am Flughafen Palma de Mallorca.

Foto: Francisco Ubilla / dpa

Hagen.  Für viele Reisende wird der Urlaub zum Alptraum: Sie kommen vom Strand und dürfen nicht in ihre Zimmer. In Reisebüros herrscht Ausnahmezustand.

Seit 8 Uhr sitzt Franka Siegmann im Büro. Sie ist die Chefin des „Reisemarkts am Dom“ in Arnsberg. Dienstbeginn ist eigentlich um 9 Uhr, Feierabend um 18.30 Uhr. „Aber das“, sagt sie, „werden wir auch nicht schaffen.“ Denn an diesem Montag werden sich nicht nur die Reiseveranstalter und Mitarbeiter von Reisebüros lange erinnern, sondern vor allem die Urlauber. Urlauber, die mit dem Reiseveranstalter Thomas Cook verreist sind oder noch verreisen wollen. Denn das britische Unternehmen musste Insolvenz anmelden. Und das bedeutet, dass sich so mancher Urlaub zu einem echten Alptraum entwickelt.

Wie der eines Pärchens, das im Arnsberger Reisebüro eine Thomas-Cook-Reise gebucht hatte. Es sitzt nun in der Türkei fest und weiß nicht, wie es weitergeht. Am Samstag soll die Rückreise sein. Als herauskam, dass der Veranstalter in wirtschaftlicher Not steckt, hat das Hotel die beiden vor die Wahl gestellt: 1500 Euro für das Zimmer bezahlen oder sie werden rausgeworfen. „Was viele nicht wissen: Viele Hotels schreiben die Rechnung an den Veranstalter erst, wenn die Gäste da sind oder abreisen“, erklärt Franka Siegmann. Oder aber, wenn dem Veranstalter die Pleite droht. Die Hotels haben Angst, auf Kosten sitzen zu bleiben.

Schlaflose Nächte

Panik, die in den Reisebüros landet. Dort stehen die Telefone nicht still. „Wir sind seit 6 Uhr hier und kümmern uns um alles“, sagt Holger Harnischmacher, Inhaber des Reisebüros Harnischmacher in Olpe. „Die schaffen uns gerade“, ächzt Anne Guthoff von Annes Reiseservice in Menden über die Insolvenz des Partners. Noch seien die Ausmaße der Misere nicht absehbar, sagt Heinz Dünnebacke vom Holiday Land Reisebüro Dünnebacke in Schmallenberg und fügt an: „Ich habe jetzt erst einmal schlaflose Nächte. Welche Airlines haben wir denn noch?“

Die Problemfälle, die in ganz Südwestfalen angehört und gelöst werden müssen, ähneln sich. Da ist die Familie, die bereits verreist ist, deren Zimmerkarte aber plötzlich nicht mehr funktioniert, weil die Rechnung nicht bezahlt ist. Da ist die Familie, die ihre Flüge nach Mallorca über Thomas Cook bezahlt hat – und den bezahlten Rückflug noch einmal bezahlen soll. Und da sind jene, die in den anstehenden Herbstferien verreisen wollen. Wie Familie Samotta aus Hagen.

Warten auf Informationen

3678 Euro kostet die Reise für die vierköpfige Familie nach Kos. Herbstferien sind günstiger als Sommerferien. „Es ist unser Haupturlaub mit der Familie. Falls das Geld nicht zurück käme, wäre das doppelt schlimm“, sagt Katrin Samotta. Die Reisebüros versuchen zu beruhigen und mit Informationen zu helfen. Aber bei manchen Fragen sind auch sie noch überfordert. Denn die Reisebüros erhalten keine Auskunft von Thomas Cook, der Veranstalter ist derzeit nicht zu erreichen.

„Wir warten selber auf weitere Informationen“, sagt Katrin Vetter vom Reisebüro Wittgenstein in Bad Berleburg. Christiana Cordes vom Alltours Reisecenter in Eslohe ist in erster Linie traurig. „Ich befürchte, dass sehr viele Menschen arbeitslos werden“, sagt sie. Wie weitreichend die Folgen tatsächlich sind, könne man jetzt noch gar nicht begreifen. „Das ist eine große Katastrophe.“

In den Reisebüros hoffen die Mitarbeiter, heute etwas klarer zu sehen, wenn es endlich offizielle Informationen vom Veranstalter geben sollte. Denn: Das britische Mutterunternehmen von Thomas Cook hat zwar Insolvenz angemeldet, die deutsche Tochter aber nicht. 30 bis 40 Urlauber sehen allein bei Franka Siegmann in Arnsberg einer Reise mit Thomas Cook entgegen. Wie mit den Reisen umzugehen ist, wird im Einzelfall entschieden. Anderen Urlaub buchen? Geld im Namen der Kunden zurückfordern?

Kein Grund zur Panik?

„Kunden sollten die nächsten Tage abwarten und nicht von ihrer gebuchten Reise zurücktreten“, sagt Joachim Horn, Vorstandsmitglied beim Deutschen Reiseverband für mittelständische Reisemittler. Denn bei einem Rücktritt des Kunden hätte der Reiseveranstalter – und im Falle einer Insolvenz auch der Insolvenzverwalter – den Anspruch auf die vertraglichen Stornogebühren. „Für Pauschalreisende gibt es eine gesetzliche Insolvenzabsicherung. Somit gibt es keinen Grund, übereilt zu handeln“, sagt Horn.

Das ist aber vermutlich leichter gesagt als getan. Ob das Paar, das in der Türkei ist, am Samstag wird fliegen können? Ungewissheit. Nicht nur in Arnsberg.

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