Stahl

Thyssenkrupp: Kauf-Angebot betrifft auch Südwestfalen

Die Thyssenkrupp Zentralein Essen. Auch in Siegen, Finnentrop und Kreuztal fragt man sich, welche Folgen eine Übernahme hätte.

Die Thyssenkrupp Zentralein Essen. Auch in Siegen, Finnentrop und Kreuztal fragt man sich, welche Folgen eine Übernahme hätte.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Hagen/Kreuztal/Finnentrop.  Die britische Liberty Steel will die Stahlsparte von Thyssenkrupp kaufen. Das betrifft Hunderte Arbeitsplätze in Hagen, Kreuztal und Finnentrop.

Die Nachricht, dass der britische Konzern Liberty Steel ein Übernahmeangebot für die Stahlsparte von Thyssenkrupp unterbreitet hat, sorgt auch bei Hunderten Beschäftigten in der Region für neue Unsicherheit und Fragezeichen. Denn Thyssenkrupp ist bei weitem nicht nur Ruhrgebiet, sondern zu einem großen Teil auch Südwestfalen. Zu dem Steel-Bereich, den die Briten jetzt übernehmen wollen, gehören die Werken in Hagen-Hohenlimburg, Finnentrop und Kreuztal.

Jens Mütze, Chef der IG Metall in Hagen, zeigt sich zurückhaltend: Das Angebot von Liberty Steel sei just an dem Tag gekommen, an dem die IG Metall mit der großen Demonstration in Düsseldorf der Forderung Nachdruck habe verleihen wollen, dass der Staat sich – ähnlich wie bei der Salzgitter-AG in Niedersachsen – beteiligen solle, um Thyssenkrupp zu stützen. Sollte es nun tatsächlich zu einer Übernahme durch die Briten kommen, dann sei noch nicht absehbar, welche Auswirkungen dies zum Beispiel auf den Standort Hohenlimburg haben werde. „Aber eins ist klar: Wir stehen voll zum Stahl. Wir müssen hier weiter eine Region sein, in der auch Stahl hergestellt wird.“ Der Stahl stehe am Anfang der Wertschöpfungskette, die Produktion dürfe nach einer Übernahme nicht ins Ausland abwandern. „Sonst begeben wir uns in Abhängigkeiten“, so Jens Mütze. „Deshalb muss sehr genau geprüft werden, welche Folgen eine solche Übernahme hätte.“

Am Standort Kreuztal könnten neue Fragen auftreten

Neben Hohenlimburg dürften vor allem die mehr als 1000 Beschäftigte des Standorts Kreuztal auf den Ausgang des Übernahmeangebots schauen. Denn hier hatte man schon einmal gezittert, als es um eine mögliche Fusion ging: Bei einem erfolgreichen Joint Venture mit dem Stahlriesen Tata wäre mit der wichtigen Bandbeschichtungsanlage 3 zumindest ein Teilbereich des Standorts auf den Prüfstand gekommen. Ob das bei einer Übernahme durch die Briten ähnlich wäre, ist noch offen.

Ebenfalls zum Stahlbereich, der jetzt Übernahmekandidat ist, gehört der Standort Finnentrop mit 230 Beschäftigten der kleinste in ganz Deutschland. Bei den bisherigen Fusionsplänen stand er nicht zur Disposition.

Nicht zu dem Stahlbereich gehört dagegen das Thyssenkrupp-Werk in Olpe mit 330 Mitarbeitern, das Ende kommenden Jahres ohnehin geschlossen werden soll. Die Produktion soll dann in Hagen-Hohenlimburg konzentriert werden. Aber auch dieser Komplex wäre von einer mögliche Übernahme durch Liberty Steel zunächst nicht betroffen, da er zu Thyssenkrupp Federn gehört – neben dem Mittelbandwerk der zweite Standort in Hohenlimburg.

Ministerpräsident Laschet verspricht Hilfe vom Staat

Vor dem Hintergrund dieses überraschenden Angebots aus Großbritannien und der Forderung der IG nach einem staatlichen Einstieg, war am Freitag Ministerpräsident Armin Laschet überraschender Gast bei der Demonstration mit – nach Gewerkschaftsangaben – rund 3000 auf Corona-Abstand gehaltenen Teilnehmern.

Bislang hat Laschet einen Einstieg des Staates klar abgelehnt. Vor den Stahlarbeitern blieb er zwar bei seiner ordnungspolitischen Linie: „Ich glaube am Ende nicht, dass Politiker die besseren Unternehmer sind.“ Zugleich gab der Ministerpräsident aber ein ziemlich flammendes Statement ab: „Der Staat darf sich nicht zurückziehen, der Staat muss helfen und mein Bekenntnis ist klar: Wir werden helfen und wir brauchen Stahl. Stahl ist systemrelevant und wir können nicht akzeptieren, dass wir in Deutschland keine Stahlproduktion mehr haben.“

Zum Angebot des britischen Wettbewerbers Liberty Steel für den Kauf des Stahlgeschäfts von Thyssenkrupp, das am Freitag bekannt wurde, ging Laschet sofort auf Distanz: „Wer auch immer im Ruhrgebiet beteiligt werden will, eins muss klar sein: Thyssenkrupp ist nicht zu Billig-Bedingungen zu haben, es ist kein Ein-Euro-Geschäft.“

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