Butterpreise

Trotz Preiserhöhung nicht alles in Butter bei den Bauern

Eine Kuh streckt ihre Nase vor, während eine Hand ein Glas Milch hält. Die Milchpreise sind aus Sicht der Landwirte nach wie vor zu niedrig.

Eine Kuh streckt ihre Nase vor, während eine Hand ein Glas Milch hält. Die Milchpreise sind aus Sicht der Landwirte nach wie vor zu niedrig.

Foto: Bernd Schoelzchen/dpa

Hagen.   Die gestiegenen Butter- und Milchpreise entlasten die heimischen Landwirte zwar ein wenig, aber von goldenen Zeiten ist man noch weit entfernt

Ein Stück Butter für 1,99 Euro. Weil der höchste Preis für das Lebensmittel seit der Euro-Einführung 2002 verlangt wird, machen schon die Worte vom „gelben Gold“ die Runde. Endlich goldene Zeiten für die leidgeprüften Bauern? Ist alles in Butter?

Landwirt Josef Schreiber aus Medebach bemüht erst einmal das Sauerländer „Och“. Und dann: „Bei den Molkereien ist Butter nur eine von mehreren Sparten“, sagt er, „steigende Butterpreise bedeuten nicht gleichzeitig steigende Milchpreise für Landwirte.“

Von „gelbem Gold“ und Jubelfeiern will man auf den Höfen im Land nichts wissen. Dennoch: Es sei ein positives Zeichen, wenn ein „hochwertiges Produkt“ auch als „hochwertiges Produkt“ anerkannt und nicht in ständigen Preissenkungsrunden verramscht wird, findet Landwirt Ernst Ber­becker aus Halver.

Dem Vorsitzenden des Milchausschusses beim Kreisverband Märkischer Kreis des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes zufolge lassen solche Nachrichten auch die Betriebe „wieder optimistischer in die Zukunft zu schauen, die zuvor in eine existenzbedrohende Lage geraten waren“.

Der Liter Milch für unter 20 Cent

Noch vor einem Jahr haben Landwirte teilweise unter 20 Cent für den Liter Milch bekommen. „Das ging gar nicht“, sagt Josef Schreiber. Derzeit liegt der „Auszahlungspreis“, wie er es nennt, zwischen 33 und 38 Cent - „je nach Molkerei“. Bei Landwirt Michael Erves sind es eben jene 33 Cent.

„Dieser Betrag ist nach wie vor nicht zufriedenstellend“, sagt das Mitglied des Landesvorstandes NRW des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter, „man kann zwar einige Löcher der letzten Jahre stopfen, aber keine großen Sprünge machen“. Um als Familienbetrieb über die Runden kommen und notwendige Investitionen stemmen zu können, bräuchte man aus seiner Sicht eigentlich „43, 44 Cent“ pro Liter Milch.

Schlechte Jahre nagen noch an den Bauern

Löcher stopfen - das ist in diesen Tagen eine oft benutzte Formulierung, wenn es um eine Situationsbeschreibung rund um die Ställe geht. Zu sehr nagen die schlechten vergangenen Jahre an den handelnden Personen auf den Bauernhöfen. Landwirt Henner Braach aus Netphen spricht von der dringend benötigten Entlastung durch stabile Preise. „Es müssen Investitionen in Angriff genommen werden, die zurückgestellt wurden.“

Der Vorsitzende des Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein verweist auf Expertenprognosen, nach denen die Milchpreise in den kommenden Monaten stabil bleiben. Für seinen Kollegen Josef Schreiber Grundvoraussetzung für „bessere Zeiten, um wieder aufzuholen“.

Er warnt davor, dass die erhöhte Nachfrage auf dem Weltmarkt, die zumindest bei der Butter derzeit bei weitem nicht durch das Angebot gedeckt werden kann (einer der Gründe für die Preiserhöhung), zu wilden Produktionssteigerungen führt. „Dann gehen die Preise wieder runter.“

Die Konzentration im Handel

Aber letztlich: „Ob höhere Erlöse - zum Beispiel beim Butterverkauf - an Landwirte weitergegeben werden, liegt nicht in unserer Macht.“ Der Medebacher Landwirt spricht hier die Konzentration im Handel an. „Die Preise werden dadurch noch mehr diktiert“, sagt er, „wir müssen erreichen, dass Molkereien mehr auf Augenhöhe mit dem Handel zusammenarbeiten können.“

Für den Esloher Landwirt Michael Erves ist in diesem Zusammenhang ein Problem, dass der Preisabstand unter den Molkereien zu groß geworden sei. „Das kann zu einem Verdrängungs­wettbewerb mit noch nicht absehbaren Folgen für uns Landwirte führen.“

Verbraucher haben ihr Verhalten verändert

Und womöglich für den Verbraucher. Der hat in den vergangenen Jahren durchaus sein Verhalten in Bezug auf heimische Molkereiprodukte wie zum Beispiel Butter verändert, sind sich die Bauern einig. „Es setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass tierische Fette ernährungstechnisch wertvoll sind“, so Henner Braach, „nicht nur in Bezug auf den privaten Konsum, auch für die industrielle Verwertung.“

Für Qualität sei der Verbraucher bereit, etwas mehr zu bezahlen. Allerdings: „Mit 1,99 Euro für eine Packung Butter ist der Preis derzeit ausgereizt“, sagt Josef Schreiber. „Die Kaufstimmung darf nicht umschlagen, weil das Produkt vermeintlich zu teuer wird.“

Michael Erves schwant da anderes. Er hat kürzlich einen Fernseh-Bericht über einen Betrieb im Wüstenstaat Katar gesehen: „35 000 Kühe in klimatisierten Ställen“, sagt er. Schöne neue Weltmarkt-Welt? „Wahnsinn“, findet Erves, „wenn das die Zukunft ist . . .“

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