Urban Gardening

Urbane Gärten: Wie Zucchini die Menschen zusammen bringt

Gärtner in der Stadt liegt im Trend.

Gärtner in der Stadt liegt im Trend.

Foto: Jörg Carstensen

Hagen.   Urban Gardening boomt in Metropolen, aber auch in Hagen, Siegen, Iserlohn und Soest. Wie Zucchini Menschen zueinander bringen.

Mit den Prinzessinnengärten blühte die Idee im Jahr 2009 auf. Mitten in Berlin eroberten sich die Anwohner eine ehemalige Brachfläche – und begannen im Stadtteil Kreuzberg Gemüse und Kräuter anzubauen. Wer könnte den urbanen Gärtnern diese Sehnsucht nach einer grünen Idylle in der Millionenstadt verdenken?

Mittlerweile aber sprießen Rosmarin und Kohlrabi längst nicht mehr nur in Metropolen wie Berlin und München, sondern auch in kleineren Städten, die eigentlich von Grün umgeben sind.

Die Entwicklung

Vor neun Jahren habe es in Deutschland höchstens eine Hand voll Projekte gegeben, sagt Andrea Baier von der „Anstiftung“ in München, die die Urbane Gärtnerei erforscht und unterstützt. Nun haben sich die zarten Pflänzchen rhizomartig verbreitet, wie ein Pilzgeflecht. Heute sind allein bei der Anstiftung 650 Gärten registriert. Auch in Südwestfalen gedeiht das Urban Gardening.

Die Projekte

In einer Guerilla-Aktion hat im Jahr 2010 alles begonnen – mit ein paar Blumen rund um die Baumstämme an den Straßen. Nun bewirtschaften die Bürger in Wehringhausen, einem sozialen Brennpunkt in Hagen, etwa 30 Hochbeete auf zwei öffentlichen Plätzen. Nur in diesem Jahr falle die Ernte von Zucchini und Tomaten etwas geringer aus, weil beide Plätze neu gestaltet werden, erzählt Stephan Peddinghaus vom „Grünen Stern“. Die Gruppe betreut die urbanen Gärten mit; die Stadt unterstützt das Projekt.

Auf dem Franz-Kühn-Platz ging es 2015 in Iserlohn los – doch die Fläche, auf der die ersten Triebe ausschlugen, war bald viel zu klein, erzählt Sabine Plücker, die die „Südstadtgärten“ betreut. Deshalb sind die urbanen Gärten umgezogen, so dass nun 20 Hochbeete beackert werden können.

Auch in Soest hat die Stadt ein Stück Land am Wall zur Verfügung gestellt. So gut ist die Idee angekommen, dass auch Privatleute ihre Flächen für das urbane Gärtnern freigegeben haben, erzählt Ulrich Günther, Mitglied der Soester Gruppe „Mitmachgarten“. Und in Siegen wachsen seit 2013 im „Greenspace“ am Effertsufer Bohnen, Erbsen, Tomaten und mehr.

Die Motive

Ulrich Günther hat eigentlich einen eigenen Garten. Dennoch arbeitet er auch in den Soester Gemeinschaftsgärten mit. „Zu Hause ist es Arbeit“, sagt er „in der Gruppe macht es Spaß.“ Das mag der Grund sein, warum das urbane Gärtnern auch in Gegenden ankommt, in denen es Grün und Gärten genug gibt. „Man macht es zusammen“, sagt Andrea Baier von der „Anstiftung“. „Diese Gemeinschaft ist ein Mehrwert über das Gemüse hinaus.“

Natürlich könne sie sich im Siegerland auf eine Bank am Waldrand setzen, sagt Julia Burkert. „Aber im Greenspace treffe ich immer nette Leute“, so die 32-Jährige. Der Garten ist öffentlich zugänglich. Nicht nur der harte Kern der urbanen Gärtner trifft sich hier, sondern auch Senioren aus der Nachbarschaft sowie Eltern mit Kindern, die einfach nur gelegentlich mitarbeiten oder etwas über Gemüseanbau lernen wollen. „Jeder macht so viel, wie er kann und will“, sagt Julia Burkert.

„Der Stadtteil wächst zusammen“, betont Stephan Peddinghaus. Einwanderer, Alteingesessene, Senioren, Kinder, Hartz-IV-Empfänger – an den Hochbeeten in Hagen-Wehringhausen treffen sie sich. Biofreaks, Menschen, die Geld sparen wollen, Menschen aus Syrien, Afghanistan und der Türkei bestellen in Iserlohn die Beete.

Die Ernte

„Die Erfolge zu sehen, wenn etwas wächst“, ist ein weiterer Grund, warum Stephan Peddinghaus im urbanen Garten anpackt – in Sommern ohne Baustellen sogar täglich. Die Früchte seiner Arbeit allerdings pflückt er nicht allein: Das Gemüse ist Gemeingut, jedenfalls in Hagen und Siegen. Auch wer gar nicht mitgeharkt und gegossen hat, darf hier ernten – zumindest in vertretbaren Mengen. Und in Soest stellen die Mitmachgärten ihr „Zu-viel-Gemüse“ künftig in einer Give-away-Box der Allgemeinheit zur Verfügung.

Vermutlich ist man so stolz auf das Ergebnis, dass man es gern teilen möchte: Von dem selbst gezogenen Gemüse wisse man wenigstens, woher es komme und wie es angebaut sei, sagt Julia Burkert: bio, aus der Region, ohne lange Transportwege.

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