Bierbranche

Veltins-Chef Michael Huber prophezeit Brauereisterben

Der Generalbevollmächtige der Privatbrauerei Veltins, Michael Huber, ist mit dem eigenen Geschäftsjahr hoch zufrieden, sieht aber einige Wackelkandidaten in der Branche.

Der Generalbevollmächtige der Privatbrauerei Veltins, Michael Huber, ist mit dem eigenen Geschäftsjahr hoch zufrieden, sieht aber einige Wackelkandidaten in der Branche.

Foto: Marius Becker

Meschede/Düsseldorf.   Die Brauerei Veltins aus Meschede gehört zu den wenigen Gewinnern des Jahres 2017. Chef Michael Huber sieht für andere schwere Zeiten kommen.

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In der deutschen Brauwirtschaft gibt es keine Geschenke mehr. So viel ist glasklar, nach einem überwiegend enttäuschend Jahr 2017 mit einem geradezu deprimierenden Jahresausklang im Dezember. „Es ist sicher, dass es kontinuierlich ehre abwärts als aufwärts geht. Der Pro-Kopf-Verbrauch sinkt“, versichert Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Grevensteiner Privatbrauerei Veltins bei der Vorstellung der eigenen 2017er Bilanz. Mit viel Gelassenheit, denn neben Krombacher gehört Veltins zu den Gewinnern mit einem Umsatzplus von 2,5 Prozent auf 323 Millionen Euro und leichtem Anstieg der Produktion um 0,8 Prozent auf 2,87 Millionen Hektoliter.

Schonungslose Charts

Mit Blick auf die gesamte Branche und auch in die direkte Nachbarschaft, sieht Huber allerdings vermehrt dunkle Wolken aufziehen: „Es wird Aufgaben und Übernahmen geben. Wir sehen das in diesen Tagen“, erklärt der Szenekenner beispielsweise mit Blick auf die Premiummarke Hasseröder und Diebels, die vom belgischen Weltkonzern AB InBev just an den hessischen Finanzinvestor CKCF abgestoßen wurden. Die Brauerei aus Wernigerode hat einen dramatischen Abstieg der Marke erlebt. Der Versuch, über Preissenkungen Boden gut zu machen, war gescheitert.

Das Veltins-Management ist an diesem Tag eigentlich gekommen, um im noblen Düsseldorfer Hyatt Hotel über Zukunftsstrategien und die eigenen Erfolge zu sprechen. Dazu nutzt man Zahlen des Branchenmediums „Inside“. Die Charts offenbaren schonungslos, wo oben und wo unten ist in der Riege westdeutscher Premium-Pilsbrauer.

Einigen fehlt Finanzkraft

Dass Huber die Entwicklung mit der erwähnten Dramatik versieht, begründet der gewiefte Geschäftsmann kurzerhand. Allein zunehmende Auflagen nationaler und europäischer Art, zum Beispiel in Bezug auf Hygiene, setzten die Brauereien weiter unter Druck. „Manche werden sich notwendige Investitionen nicht mehr leisten können“, sagt Huber. Und, wie nebenbei bemerkt: „Wir diskutieren hier nicht über Warsteiner“, wünsche er selbstverständlich alles Gute auf dem Weg der Konsolidierung. Der angeschlagene Mitbewerber ist aber eben doch ein Thema. Im Dezember wurde die Geschäftsführung ausgetauscht, die im Sommer ins Haus geholte Beratungsgesellschaft braucht länger als erwartet, um Konzepte zu präsentieren.

Paradebeispiel Grevensteiner

Zurück zu Veltins. Die Brauerei ist offenkundig kerngesund, hat in den erfolgreichen Jahren bis heute so reichlich Rücklagen gebildet, dass am Standort Grevenstein in den nächsten Jahren 417 Millionen Euro in eine dann quasi neue Brauerei am alten Standort investiert werden. Eine Botschaft der Stärke an die Konkurrenz, wie in Stein gemeißelt! „Wir haben in der Vergangenheit wenig Fehler gemacht“, sind sich Huber und Marketingchef Volker Kuhl einig, der vor über 20 Jahren von Warsteiner zu Veltins wechselte und schnell in die Geschäftsführung aufstieg.

Paradebeispiel ist das Grevensteiner Landbier, das mit mittlerweile 170 000 Hektoliter Produktion und einem Plus von 18,2 Prozent den Verantwortlichen mehr als ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Konsequenterweise erweitert Veltins hier sein Portfolio um ein Grevensteiner westfälisch hell erweitert. Nach bayrischem Rezept aus dem 19. Jahrhunderts gebraut, das Clemens Veltins sauerländisch ausgelegt habe. „Naturtrüb und süffig“, beschreibt Kuhl das Helle, das es ab März zu kaufen geben wird.

Fassbrause enttäuschend

6,5 der ersten 30 Millionen von den insgesamt 417 Millionen Euro Investitionen hat Veltins 2017 in eine neue Anlage zur Produktion von „0,0 alkoholfrei Produkten“ gesteckt, um ab April eine Pils- und eine Radlerversion zu präsentieren.

Bei Veltins geht so schnell die Welt auch nicht unter, wenn man doch einmal daneben greift. Die Erwartungen an Fassbrause waren deutlich höher als der Ertrag. Mit nur 37 000 Hektolitern spielt das Produkt für Markenchef Kuhl in Zukunft keine große Rolle mehr.

Mit Blick auf 2018 hält das Management, das komplett aufgestellt nach eigenen Aussagen 120 Jahre Erfahrung im Biergeschäft vorweisen kann, den Ball flach. Trotz Fußball-WM im Sommer wäre man zufrieden, wenn das Ergebnis gehalten werden könnte. Letztendlich spiele eine wesentliche Rolle, wie sich die Wetterlage entwickle. Starker Sommer, starker Absatz lautet die Branchenformel.Die gilt aber ganz offenkundig nicht für alle gleich.

Warsteiner bestreitet Zahlen des Inside-Magazins

Die Warsteiner Brauerei bestreitet die vom Branchenmagazin „Inside“ veröffentlichten Ergebnisse zum eigenen Haus. „Die Zahlen, die kursieren, sind falsch“, sagt Warsteiner-Sprecherin auf Anfrage der WESTFALENPOST. Im Rahmen der Veltins-Bilanz wurden ebenfalls „Inside-Zahlen“ veröffentlicht, die für Warsteiner ein deutliches Minus im abgelaufenen Jahr und im 10-Jahres-Vergleich ausweisen. Ob die Tendenz stimmt, wollte Warsteiner mit Hinweis auf eine Veröffentlichung Anfang Februar nicht kommentieren. Dann soll auch das mit der Unternehmensberatung Roland Berger erarbeitete „Zukunftsprogramm“ vorgestellt werden.

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