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Verkaufsoffene Sonntage in NRW: Idee zündet noch nicht

Noch ist nicht sicher, ob verkaufsoffene Sonntage im Lockdown 2.0 in NRW tatsächlich erlaubt sein werden.

Noch ist nicht sicher, ob verkaufsoffene Sonntage im Lockdown 2.0 in NRW tatsächlich erlaubt sein werden.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Menden.  Das Land NRW erlaubt gerade wegen Corona großzügige Ladenöffnungen im Advent. Ob das etwas bringt, ist allerdings umstritten.

Schon ein verkaufsoffener Sonntag würde der Einzelhändlerin Susanne Leser reichen. „Er wurde in der Vergangenheit von den Kunden extrem gut angenommen“, sagt die Frau, die ihren Laden in Menden und deswegen noch Hoffnung hat. Dort ist ein verkaufsoffener Sonntag für den 6. Dezember geplant. Ebenso in Brilon , Lennestadt und Meschede . Das war’s wohl schon in der Region.

Die Metropole Dortmund zum Beispiel hat bereits abgewinkt. Hagen hingegen wartet noch ein Gerichtsurteil ab: Die Landesregierung erlaubt in der neuesten Coronaschutzverordnung zwar fünf verkaufsoffene Sonntage an den Adventssonntagen und am 3. Januar 2021. Doch die Gewerkschaft Verdi hat vor dem Oberverwaltungsgericht Münster Klage eingereicht. Die Entscheidung soll in der kommenden Woche fallen.

Schon vorab sorgt das Thema aber für Diskussionen:

Die Befürworter: Verkaufsoffener Sonntage in der Vorweihnachtszeit sehr wichtig

Susanne Leser, Inhaberin des Modegeschäfts „Glücksgriff“, ist überzeugt, dass es am 6. Dezember nicht zu voll in der Innenstadt von Menden werden würde: „Das verteilt sich gut und wir können die Abstände einhalten.“ Nach aktuellem Stand erlaubt die Landesregierung vier verkaufsoffene Sonntage vor Weihnachten. „Ich persönlich würde auch jeden Sonntag öffnen. Aber es ergibt nur Sinn, wenn alle Händler mitmachen“, sagt Susanne Leser. „Wir könnten einen verkaufsoffenen Sonntag gut gebrauchen.“ Sie erhofft sich durch den zusätzlichen Tag mehr Kunden und damit auch mehr Einnahmen.

Karina Brühmann vom Einzelhandelsverband Südwestfalen stimmt ihr zu: „ Verkaufsoffene Sonntage sind gerade in der Vorweihnachtszeit sehr wichtig für den Einzelhandel.“ Viele Branchen, wie der Buchhandel, Uhren-, Schmuck- oder Spielwarenhändler sowie Parfümerien würden in den letzten beiden Monaten des Jahres mehr als ein Fünftel ihres Jahresumsatzes machen.

Gerade in Krisenzeiten könnte nur ein Bruchteil dieser Einnahmen den Kaufleuten helfen, meint der Einzelhandelsverband. „Die Corona-Pandemie hat dem stationären Handel historisch einmalige Umsatzeinbrüche beschert“, sagt Karina Brühmann. Verkaufsoffene Sonntage würden ihn unterstützen und helfen, den Ansturm auf die Geschäfte in der Vorweihnachtszeit zeitlich zu entzerren. Außerdem könne so ein Onlinetrend abgemildert werden: Viele Kunden kaufen gerade sonntags per Klick ein.

Die Gegner: Stationärer Einzelhandel in Corona-Zeiten eh schon gebeutelt

„Für uns wären verkaufsoffene Sonntage unverantwortlich und kein Beitrag zum Infektionsschutz“, sagt Nils Böhlke, Verdi-Gewerkschaftssekretär im Fachbereich Handel. „Der Einzelhandel ist durch Corona sowieso schon stark gebeutelt. Ein verkaufsoffener Sonntag würde für die Beschäftigten einen weiteren Tag Stress bedeuten.“ Auch die Mitarbeitenden im Einzelhandel hätten Anspruch auf gemeinsame freie Zeit mit ihren Familien.

Doch könnte ein verkaufsoffener Sonntag nicht den einen oder anderen Job im Einzelhandel retten? „Die Kunden haben auch bei einer Geschäftsöffnung am Sonntag nicht mehr Geld zur Verfügung“, sagt Nils Böhlke. Verdi bleibt seiner Linie treu und klagt wie in den vergangenen Jahren weiter gegen verkaufsoffene Sonntage, „wenn es keine prägende Anlassveranstaltung gibt“, so Nils Böhlke. Gerade solche Veranstaltungen sind in Corona-Zeiten aber nicht erlaubt.

Der Experte: Prognose für verkaufsoffene Sonntage schwierig

Prof. Dr. Hendrik Schröder, Wirtschaftswissenschaftler und Leiter des Lehrstuhls für Marketing und Handel an der Universität Duisburg-Essen , fällt eine Prognose für verkaufsoffene Sonntage in Corona-Zeiten schwer: Viele Kunden würden sie mit Menschenansammlungen assoziieren. „Das wird ­vermutlich zu einem anderen Kaufverhalten führen“, so Hendrik Schröder. „Im Sinne der Corona-Regeln wird ein verkaufsoffener Sonntag in den Geschäften nicht anders gestaltet als ein Montag bis Samstag.“ Die Frage ist, wie Kunden damit umgehen. Hendrik Schröder glaubt: „Es wird eine Reihe von Kunden geben, die auf das Onlinegeschäft ausweichen.“

Der Experte selbst sieht die verkaufsoffenen Sonntage in Krisen-Zeiten zwiegespalten: „Wäre ich Händler, würde ich darauf pochen“, sagt er. Würde man das Ganze eher aus der gesellschaftlichen Gesamtperspektive sehen, sei es sinnvoll, Zuhause zu bleiben. „Wir befinden uns gerade noch unter der Belastungsgrenze des Gesundheitssystems. Gerade jetzt wäre Vorsicht, Disziplin und Rücksichtnahme angesagt.“ Hendrik Schröder empfiehlt den Einzelhändlern stattdessen, dass sie ihre Liefer- und Botendienste stärker ausbauen. „Die Kaufleute sollten ein Angebot für die machen, die sich nicht in die Geschäfte trauen.“

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Verkaufsoffene Sonntage: Was die Kunden sagen

Verkaufsoffene Sonntage sind insbesondere in Corona-Zeiten ein Streitthema. Doch was halten unsere Leser in Südwestfalen von ihnen? Das haben sie uns auf Facebook erzählt:

  • „Wenn sich an die Hygieneregeln gehalten wird, dann finde ich das eine total schöne Idee“, meint Lisa Geng aus Olpe .
  • „Die Geschäfte haben alle lange genug geöffnet, so dass jeder in der Zeit seine Weihnachtseinkäufe tätigen kann. Ich denke an die Beschäftigten, die sowieso schon lange Tage haben. Da sollten sie wenigstens den Sonntag mit ihren Familien verbringen können“, sagt Veronika Thoms aus Hagen .
  • „Der Grundgedanke ist in meinen Augen nachvollziehbar. Man will versuchen, die Massen von sechs Tage auf sieben Tage zu entzerren. Allerdings glaube ich, dass damit das Gegenteil erreicht wird und alle am Wochenende in die Stadt fahren“, so Tobi Raschke aus Arnsberg .
  • „Verkaufsoffene Sonntag halte ich gerade in diesen Zeiten für großen Unsinn“, sagt Marco Giebeler aus Siegen .
  • „Dieses Jahr werden wahrscheinlich viele Menschen ihre Geschenke online kaufen und sich dann nächstes Jahr wundern, warum so viel Leerstand in den Fußgängerzonen ist. Ich finde die verkaufsoffenen Sonntage eine gute Idee, um diese Entwicklung aufzuhalten“, erklärt Kathrin Striepen aus Wetter .
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