Förderschulen

Große Verunsicherung an Südwestfalens Förderschulen

Die Zukunft der Förderschulen bleibt ungewiss.

Foto: Peter Endig/dpa

Die Zukunft der Förderschulen bleibt ungewiss. Foto: Peter Endig/dpa

Hagen.   Die Landesregierung hat die Schließung weiterer Förderschulen gestoppt. Ob und wie es weitergeht, bleibt ungewiss. Es fehlen vor allem Lehrer.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Es war eines der großen Wahlversprechen: die Schließung von Förderschulen zu stoppen. Tatsächlich hat die neue Landesregierung kurz nach Dienstantritt im Sommer eine Schonfrist ausgerufen für Förderschulen, die die vorgeschriebene Mindestschülerzahl nicht erreichen. Diese Mindestgrößenverordnung soll nun überarbeitet werden. Doch bislang ist die Zukunft der kleinen Förderschulen auf dem Land so ungewiss wie zuvor.

Auslaufen beschlossen

„Wir kommen nicht recht von der Stelle“, sagt Peter Wiegelmann, Leiter der Grimmeschule in Warstein, an der Kinder mit Lernschwierigkeiten gefördert werden. Knapp 50 Schüler unterrichten Wiegelmann und seine Kollegen zurzeit – 144 müssten es eigentlich sein. So sieht es die Verordnung vor. Das Ende der Grimmeschule im Sommer 2019 ist deshalb eigentlich beschlossene Sache.

Daran hat sich auch bisher nichts geändert. Denn die Stadt Warstein müsste den Auflösungsbeschluss aufheben und eine Neugründung beschließen, erklärt Josef Pieper, Sachgebietsleiter Schule. Das würde man auch gern tun, versichert er. „Der politische Wille wäre eigentlich, die Schule weiterzuführen“, betont er. Allerdings müsste das Land dafür erst einmal klar stellen, welche Mindestgröße Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen künftig haben sollen. Neu zu gründen, um dann in ein paar Monaten festzustellen, dass man auch die abgesenkte Hürde reißt, sei nicht verantwortbar. „Momentan ist das eine ziemliche Hängepartie“, fügt er hinzu.

Nachfrage groß

Die Kinder, die derzeit die Klassen 5 bis 8 besuchen, wissen also nicht, ob sie ihre Schulzeit in Warstein beenden können – oder ab dem Sommer 2019 nach Lippstadt fahren müssen. „Es gibt eine große Verunsicherung in der Elternschaft“, schildert Josef Pieper.

Trotzdem würden es einige Eltern gern sehen, wenn ihre Kinder zur Grimmeschule gehen könnten. „Wir haben viele Anfragen für die Primarstufe“, sagt Peter Wiegelmann, aber in den Klassen 1 bis 4 darf man in Warstein wegen des immer noch geltenden Auflösungsbeschlusses derzeit keine Kinder annehmen. Gerade für die Kleinen aber sei es eigentlich nicht zumutbar, zur nächsten Förderschule nach Lippstadt mit dem Bus zu fahren, sagt Pieper. Wenn die NRW-Regierung den Eltern jedoch Wahlfreiheit verspreche, dürften die Mindestgrößen nicht so hoch sein, dass man sie auf dem Land nicht einhalten könne, fordert er.

Falls die Hürden bald abgesenkt werden und die Schule in Zukunft wieder Grundschulkinder annehmen darf, wird man in Warstein allerdings ein ganz anderes Problem haben: Die Grimmeschule hätte dann nicht genügend Lehrer – und würde auch keine einstellen können wie das Beispiel Arnsberg zeigt.

Dort darf die Fröbelschule, die nach der Kalkulation der Bezirksregierung im Sommer noch knapp unter der verlangten Mindestgröße lag, nun weitermachen. Nicht wegen des Moratoriums, sondern weil die Schülerzahlen auch hier wieder leicht steigen. Mittlerweile liegt man im laufenden Schuljahr über der Marke von 144 Schülern, erklärt Konrektorin Astrid Bachen-Gessner. Lehrer allerdings hat man für die Kinder zu wenige. Zum 1. November hätte hat man drei Stellen ausgeschrieben. „Wir haben jedoch nicht eine einzige Bewerbung bekommen“, sagt Astrid Bachen-Gessner.

7000 Sonderpädagogen zusätzlich

Insgesamt 7000 Sonderpädagogen zusätzlich bräuchte man nach Einschätzung von Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung, wenn in NRW Förderschulen und inklusiver Unterricht parallel fortgeführt werden.

Das aber werde notwendig sein, sagt Christa Busenius, Leiterin der Janus-Korczak-Schule in Lennestadt. Denn es gebe Kinder, die mit dem inklusiven Unterricht an allgemeinbildenden Schulen nicht klar kämen. „Das System ist einfach zu groß für sie“, sagt Christa Busenius.

Ob es für sie auch in Zukunft noch die richtige Schule in erreichbarer Nähe geben wird, muss sich nun erst noch zeigen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Mehr zum Thema
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik