Sportartikel

Kettler: Von der Traditions- zur Trendmarke

Mit der App „Kett-Maps“ vernetzt sich der Heimtrainer mit Endgeräten und ermöglicht so beispielsweise das Abfahren von Strecken auf dem Tablet.

Mit der App „Kett-Maps“ vernetzt sich der Heimtrainer mit Endgeräten und ermöglicht so beispielsweise das Abfahren von Strecken auf dem Tablet.

Foto: Lars Heidrich

Ense.   Mit einem Modernisierungskurs will Kettler junge Zielgruppen ansprechen. Enser Unternehmen setzt auf Vernetzung mit Hilfe einer App.

Der Sportartikel- und Freizeitmöbelhersteller Kettler aus Ense ist auf Modernisierungskurs. Unabhängig vom Einstieg eines finanzstarken Investors präsentiert das Unternehmen sich vom 28. bis 31. Januar 2018 auf der Sportmesse ISPO in München mit Fitnessgeräten 4.0.

Ob Crosstrainer, Laufband, Rudergerät oder Ergometer – die bei Kettler entwickelte Software „Kett-Maps“ soll den Spaß beim Trainieren erhöhen und neue Kunden anlocken. „Mit dieser Technologie haben wir die Nase vorn“, ist Johannes Beusker, Chef-Produktmanager Sport bei Kettler, überzeugt.

Kritiker: Kettler hat Trends verschlafen

Kritiker hatten in der Vergangenheit bemängelt, dass das Familienunternehmen Trends verschlafen und es insbesondere versäumt ­habe, mit Fitness-Studios ins ­Geschäft zu kommen. „Wir zielen bewusst nicht auf Studios ab, ­sondern versuchen uns mit unseren innovativen Produkten andere Märkte zu erschließen“, erläutert Beusker.

Beispielsweise die Ausrüstung von Fitnessbereichen in Firmen, die auf Gesundheitsmanagement für ihre Belegschaft wert legen. Etwa mit einem „Gehband“, das Bewegung am Schreibtisch ermöglicht, ohne die Nutzer ins Schwitzen oder Laufen zu bringen. Das Gerät schaltet bei einer Geschwindigkeit von 8 km/h ab, Laufen beginnt ab 8,5 km/h. An der Stelle der Haltegriffe eines üblichen Laufbands sitzt eine Schreibtischplatte mit Armauflage. Stundenlange Büroarbeit ohne großartige Bewegung ist damit ­passé.

Mit Apps und Vernetzung auf der Höhe des Zeitgeistes

Auf Höhe des Zeitgeistes ist Kettler sicher mit der Vernetzung der Fitnessgeräte mittels Bluetooth mit der „Kett-Maps“-App. 12 000 Nutzer hat diese App laut Unternehmen aktuell. Sie können sich beispielsweise zu Fahrradrennen auf dem Ergometer hinauf nach Alpe d’Huez verabreden. Ausgerüstet mit einem Tablet wirkt die Fahrt wie echt auf dem Bildschirm. „In der Entwicklung stecken zehn Mannjahre Arbeit“, sagt Beusker. In Bezug auf die Bedienung habe man sich von der Automobilindustrie abgeschaut, wie es möglichst intuitiv geht.

Mit dem jeweiligen Gerät kauft sich der Kunde quasi seinen eigenen Fitnesstrainer gleich mit. Kettler kooperiert hier mit dem Institut für Prävention und Nachsorge in Köln, das die Programmentwicklung wissenschaftlich begleitet hat. Ist das Ergometer mit Kett-Map verbunden, passt sich das Gerät nicht nur den scheinbaren äußeren Bedingungen, also etwa dem Steigungsgrad am Berg, an, sondern zeigt auch, wann es Zeit ist, vor dem roten ­Bereich einen Gang herauszu­nehmen.

Pendant dazu auf dem Ruder­gerät wäre eine Partie auf der Seine durch Paris oder über heimische Flüsse, ganz nach Belieben.

In der App zu Fahrten verabreden

Die Logik folgt dem Freizeitverhalten, dass zunehmend durch digitale Medien geprägt ist. Auch die Möglichkeit, sich in der App zu einer gemeinsamen Fahrt oder einem Rennen zu verabreden, zielt auf Gewohnheiten jüngerer Generationen ab, die das Unternehmen von der Marke Kettler überzeugen will.

Am Dienstagabend, 2. Januar, finden beispielsweise Radtouren von Bensersiel nach Neuharlingersiel statt, um 19 und um 20 Uhr. Oder auch eine Ruderpartie in Boston (19 und 21 Uhr) sowie ein Beachcrosslauf um 18 Uhr (6 und 10 Kilometer).

Ob die Verjüngung von einer Traditions- zur Trendmarke für Kettler zum Marathon wird oder zur Kurzstrecke, wird sich zeigen und möglicherweise auch vom Einstieg eines strategischen Partners in diesem Jahr abhängen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben