Stahl

Wälzholz-Gruppe übernimmt Theis Kaltwalzwerke

Blick aufs Industriegebiet im Hagener Lennetal: Der Theis-Turm am linken Bildrand ist eine Landmarke.

Foto: Christoph Rosenthal

Blick aufs Industriegebiet im Hagener Lennetal: Der Theis-Turm am linken Bildrand ist eine Landmarke. Foto: Christoph Rosenthal

Hagen.   Die Hagener Unternehmens-Gruppe erwirbt mit den Theis Kaltwalzwerken ein traditionsreiches Nachbarunternehmen. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen.

Traditionsunternehmen kauft Traditionsunternehmen: Die Hagener Wälzholz-Gruppe will die ebenfalls in Hagen ansässigen Theis Kaltwalzwerke übernehmen. Bei einer Informationsveranstaltung wurden gestern Vormittag die Theis-Mitarbeiter über den geplanten Eigentümerwechsel informiert. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Der Übernahme müssen die Kartellbehörden noch zustimmen.

Mit dem neuesten Coup setzt der Bandstahlspezialist Wälzholz seine jüngste Wachstumsstrategie durch Übernahme fort: Erst im letzten Jahr hatte das Hagener Unternehmen die Kaltwalzaktivitäten der Wickeder Westfalenstahl-Werke mit einer Jahresmenge von rund 50 000 Tonnen übernommen. Zum Vergleich: Wälzholz kommt aktuell als Marktführer für hochwertige kaltgewalzte Stahlprodukte nach eigenen Angaben auf 650 000 Tonnen.

Portfolio erweitert

Mit Theis wächst Wälzholz weiter um rund 70 000 Tonnen/Jahr – und vergrößert sein Portfolio: Mit der Komplettübernahme verfügt Wälzholz künftig auch über die Sparten Verpackungsstahl und rostfreie (Band-)Stahlprodukte. Für beides gilt Theis branchenintern als hochwertiger Anbieter.

Bei Stahlprofilen erweitert Wälzholz seine Kapazität. „Damit wird Wälzholz seine Position als marktführender Lieferant hochwertiger kaltgewalzter Bandstähle und Profile mit exzellenter Produkt- und Servicequalität weiter ausbauen“, lautet das offizielle Statement zur Übernahme.

Nach Informationen dieser Zeitung unterstrich die Unternehmensführung während der gestrigen Informationsveranstaltung die Verantwortung für Arbeitsplätze, die dem Familienunternehmen seit Jahrzehnten ein zentrales Anliegen ist. „Wir wollen das Unternehmen mit der bestehenden Mannschaft weiterentwickeln und Theis in die Wälzholz-Gruppe integrieren“, wurde Dr. Toni Junius, geschäftsführender Gesellschafter der Wälzholz-Gruppe zitiert.

Im zweiten Anlauf

Die Kartellbehörden werden ihren Blick insbesondere darauf richten, welche Auswirkungen der Zusammenschluss auf die Branche bei den Bandstahlprofilen hat und dabei der Frage nachgehen, ob sich eine aus Wettbewerbssicht unerwünschte Folge für den Markt ergibt. Insider, und wohl auch die beteiligten Unternehmen, gehen jedoch von einer Genehmigung ohne gravierende Auflagen aus. Bis sich die Wettbewerbshüter abschließend äußern, können allerdings durchaus noch einige Wochen vergehen.

Mit dem Okay der Kartellbehörden hätte Wälzholz dann die Übernahme der Theis Kaltwalzwerke im zweiten Anlauf geschafft: Bereits vor einigen Jahren soll der Bandstahlspezialist Interesse am Werksnachbarn gezeigt haben; ein Geschäft kam aber nicht zustande. Nach Informationen dieser Zeitung war die Anbahnung jetzt möglicherweise erfolgreich, weil es auf Geschäftsführerebene persönliche Kontakte zwischen beiden Unternehmen gab.

Managerin des Jahres

Die Theis-Werke haben gerade in den letzten zehn Jahren eine wechselvolle Geschichte hinter sich: In der zweiten Hälfte der 2000er-Jahre geriet Theis in finanzielle Schieflage; die holländische Van den Hombergh-Holding stieg 2012 in das Unternehmen ein und setzte einen radikalen Restrukturierungskurs durch. Zuletzt wurde sogar das Verwaltungsgebäude im Hagener Lennetal verkauft.

Verbunden wurde das Familienunternehmen zuletzt mit der Enkelin des Gründers, Dr. Viola Hallmann, die 1997 zur „Managerin des Jahres“ gewählt wurde. 2005 wurde sie durch ihre zweite Ehe mit Mark Donatus Prinz von Hohenzollern-Emden zu Viola Christa Prinzessin von Hohenzollern. Sie starb 2012 auf einer USA-Reise.

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