Lebensqualität und Beruf

Unternehmen müssen attraktiv für Frauen werden

So war das Frauenleben 1957 in der Einbauküche. Zumindest in der Werbung. 60 Jahre später weiß nicht mehr nur Bauknecht, was Frauen wünschen. Etwa: Flexibilität und Aufstiegsmöglichkeiten im Beruf.Foto:dpa Picture-Alliance / Oscar Poss

So war das Frauenleben 1957 in der Einbauküche. Zumindest in der Werbung. 60 Jahre später weiß nicht mehr nur Bauknecht, was Frauen wünschen. Etwa: Flexibilität und Aufstiegsmöglichkeiten im Beruf.Foto:dpa Picture-Alliance / Oscar Poss

Meschede.   In Südwestfalen schlummert ein gewaltiges Arbeitskräftepotenzial. Das ist das Ergebnis einer Befragung unter 18- bis 64-jährigen Frauen.

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Der Anteil der Frauen mit Kindern ist in Südwestfalen höher als NRW-Durchschnitt. „Die Region ist offenbar geeignet, Kinder aufzuziehen“, schließt Anne Jacobi daraus. Was aber könnte noch mehr Frauen dazu bringen, in der Region auch zu arbeiten, nicht abzuwandern oder sogar herzuziehen? Das wollte die Professorin für Marketing an der Fachhochschule Südwestfalen in Meschede in einer großen Umfrage herausfinden.

Viele Teilzeitbeschäftigte würden gerne mehr arbeiten. Viele berufstätige Frauen leben in Südwestfalen, arbeiten aber außerhalb. Viele außerhalb lebende Südwestfälinnen würden zurückkehren, weil sie hier Familie haben. Das Gesamtpotenzial beziffert Jacobi auf bis zu 30 Prozent der 430 000 Frauen in der Altersgruppe 18 bis 64 Jahre. Um es auszuschöpfen, müssten Arbeitgeber und Region aber noch viel tun.

Die Lebensqualität

Ein entscheidender Punkt ist die Bewertung Lebensqualität. Was ist Frauen besonders wichtig? Wie zufrieden sind Sie mit der Lage? Wie groß ist die Differenz? Top bei der Wichtigkeit (95 Prozent) ist die medizinische Versorgung, 83 Prozent sind zufrieden, macht eine Lücke von 12 Prozent. Größer ist die beim Arbeitsplatz: Für 93 Prozent ist es wichtig, einfach eine qualifizierte Stelle zu finden, nur 64 Prozent erleben das so. Differenz: 29 Prozent. 92 Prozent der Frauen ist es wichtig, angstfrei alleine durch die Stadt gehen zu können, nur 70 Prozent sind mit der Sicherheitslage einverstanden. 51 Prozent sind mit den Shopping-Möglichkeiten unzufrieden, das ist 71 Prozent besonders wichtig. Wenig zu beanstanden haben sie bei Lebenshaltungskosten, Umwelt und Natur, Sportmöglichkeiten, Schulen und Kitas. Insgesamt sind dann doch knapp 90 Prozent der Befragten sehr zufrieden oder zufrieden mit den Lebensbedingungen.

Hin- oder wegziehen

Was könnte Frauen dazu bewegen, in die Region zu ziehen? Nahezu gleichauf (mit gut 40 Prozent) liegen drei Gründe: Familie in der Region, Arbeitsplatz für den Ehepartner, attraktives Stellenangebot für die Frau selbst. Warum haben Frauen die Region verlassen oder erwägen dies? Nicht genug Freizeitmöglichkeiten (37 Prozent), unzureichendes Studienangebot (37 Prozent), kein passendes berufliches Angebot (22 Prozent), schlechte Infrastruktur (22 Prozent).

Die Arbeit

21,9 Prozent der Frauen in Teilzeit würden gerne mehr arbeiten. Bei den geringfügig Erwerbstätigen sind das sogar 29 Prozent. Da versteckt sich Potenzial. Insgesamt würden 12,4 Prozent der Frauen gerne mehr arbeiten. Und welcher Arbeitgeber lockt? Besonders wichtig ist Frauen (in absteigender Reihenfolge): Sonderurlaub und Freistellung in Notfällen, Aufstiegsmöglichkeiten und Weiterbildung, flexibler Wiedereinstieg nach Unterbrechung, Unterstützung bei der Betreuung von zu pflegenden Familienangehörigen, Gleitzeit, Unterstützung bei der Betreuung von Kindern, Teilzeit, Mentoring oder Coaching. weniger wichtig sind Home-Office- und Job-Sharing-Modelle.

Die Empfehlungen

Prof. Anne Jacobi hat als Fazit ihrer Studie einige Empfehlungen zusammengestellt. Keine Überraschung, aber eben wichtig: Die „weichen“ Faktoren sind entscheidend bei der Wahl des Arbeitsplatzes. Unternehmen müssen auf die Wünsche hören und organisatorisch flexibler werden, um Arbeit und Privatleben kompatibler zu gestalten. Sie sollten die Kommunikationspolitik genauer auf die einzelnen Alterszielgruppen fokussieren und insbesondere qualifizierte Stellen stärker herausstreichen: „In der metallverarbeitenden Industrie werden eben nicht nur Eisenbieger gesucht.“

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