Glücksspiel

Spielbank-Mitarbeiter haben Angst um ihren Arbeitsplatz

Die Spielbank Hohensyburg

Die Spielbank Hohensyburg

Foto: Werner OTTO

Dortmund/Düsseldorf.   Spielbank-Mitarbeiter und die Gewerkschaft Verdi sorgen sich um die Arbeitsplätze. NRW-Kabinett hat am Dienstag die Privatisierung beschlossen.

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Nun ist es offiziell: Das NRW-Kabinett hat gestern beschlossen, die landeseigene Gesellschaft Westspiel mit den Casinos in Dortmund, Duisburg, Aachen und Bad Oeynhausen und der Spielbank in Bremen zu privatisieren. Betriebsrat und Verdi warnen vor einem Personalabbau.

Bei Verdi kümmert sich Andreas Elbracht vom Fachbereich Finanzdienstleistungen um die Interessen der Casino-Mitarbeiter. Das liegt nicht daran, dass Roulette und Poker Finanzdienstleistungen sind, sondern daran dass einzige Gesellschafterin von Westspiel die landeseigene NRW-Bank ist. Was Elbracht befürchtet: „Wenn bei einer Privatisierung Automatenhersteller zum Zug kommen, dürfte der Anteil der Maschinen steigen, und es werden weniger Leute gebraucht. Das kann man sich in Berlin anschauen.“ In Dortmund, Aachen und Duisburg gingen deshalb bereits am Montag Croupiers, Köche und Kellner auf die Straße.

40 Millionen Euro abgeführt

Mit dabei in Dortmund war Jens Hashagen, wohnhaft in Herdecke, beschäftigt auf der Hohensyburg und Betriebsratsvorsitzender. Zwei Dinge ärgern ihn ganz besonders: „Wir haben nur aus der Presse erfahren, dass die Landesregierung die Privatisierung vorbereitet. Mit den Beschäftigten hat niemand gesprochen. Und im Landtag hat sich Finanzminister Lienenkemper zwar mehrfach dazu geäußert, dass die Kunstwerke in den Casinos sicher seien, aber zu den Mitarbeitern hat er nichts gesagt.“

Hintergrund der Pläne ist ein Verlust der NRW-Spielbanken, der sich 2016 auf 2,9 Millionen Euro belief. Das will Hashagen aber so nicht akzeptieren: „Die Spielbanken haben knapp 40 Millionen Euro Abgaben ans Land abgeführt. Das wäre ohne Gewinne wohl kaum möglich gewesen.“ Ein Teil davon fließt an die Städte mit Casinos – in Dortmund sind das 2,8 Millionen Euro – und an Wohlfahrtsverbände. Elbracht fragt: „Bleibt es nach der Privatisierung bei der Abgabe? Bei der Summe oder bei einem prozentualen Anteil? Der würde schrumpfen, wenn in Köln-Deutz noch ein Casino entsteht.“

Interesse aus Espelkamp

„Grundsätzliches Interesse“ an den NRW-Casinos hat die Firma Gauselmann aus dem westfälischen Espelkamp gezeigt. Das Unternehmen betreibt 330 Spielhallen in Deutschland und 360 im Ausland sowie Spielcasinos in Berlin und Sachsen-Anhalt.

Jens Hashagen kann das Interesse verstehen: „Es mussten viele Spielhallen wegen behördlicher Auflagen geschlossen werden. Die Automaten sollen jetzt irgendwo anders hin.“ Aber es bleibe die Frage: „Was wird aus uns?“ Die Dortmunder Spielbank hat 238 Angestellte, dazu 100 Beschäftigte in der Gastronomie. Bei Westspiel insgesamt arbeiten 1000 Menschen.

Roulette ohne Staat

Der Betriebsrat betont den ordnungspolitischen Auftrag, den die NRW-Casinos zu erfüllen hätten: „Wir sind zum Spielerschutz verpflichtet, müssen Suchtgefahren erkennen und Hilfsangebote machen. Außerdem haben wir Geldwäsche im Blick und dürfen keine Werbung machen.“ In Berlin, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt sind die Spielbankkonzessionen bereits in privater Hand.

„Aus unserer Sicht müssen weder eine Förderbank noch der Staat am Roulettetisch sitzen“, erklärte Finanzminister Lutz Lienenkämper: „Es ist nicht entscheidend, ob eine Spielbank in öffentlicher oder privater Hand ist. Entscheidend ist, dass die Aufsicht über den Spielbetrieb engmaschig und wirksam ist.“ Oberstes Ziel der Landesregierung sei es, die staatliche Aufsicht zu verstärken, beispielsweise durch intensivierte Präsenzkontrollen. Die Landesregierung habe auch beschlossen, die Einnahmen für die Stiftung Wohlfahrtspflege zu sichern. Auch die „berechtigten Interessen der Beschäftigten“ würden berücksichtigt.

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