Corona

Familie leidet: Risikopatient muss Corona-Test selbst zahlen

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Hagen.  Reiserückkehrer dürfen sich kostenlos testen lassen, aber nicht ein Risikopatient aus dem Sauerland. So erlebt die Familie die schwere Situation.

„Das bricht mir das Herz“, sagt Markus Müller. Gut zwei Wochen ist es her, dass der Familienvater aus dem Sauerland seine sechsjährige Tochter in den Armen hielt. Der 44-Jährige, der nicht wirklich Markus Müller heißt, aber anonym bleiben möchte, leidet an einer rheumatischen Grunderkrankung. Die Medikamente, die er nehmen muss, schwächen sein Immunsystem stark. „Meine Angriffsstelle ist ausgerechnet die Lunge.“ Seit Beginn der Corona-Pandemie gilt er deshalb als Risikopatient. Im Falle einer Infektion „ist ein sehr, sehr schwerer Verlauf zu erwarten, sagen die Ärzte“.

Deshalb lebt Markus Müller auf Distanz zu seiner Familie. Diesen Zustand könnte ein Corona-Test jedoch beenden – zumindest zeitweise, wie der 44-Jährige sagt. Denn mit dieser Gewissheit „könnten wir als Familie immerhin die Ferienzeit gemeinsam verbringen“. Übernommen werden die Kosten für den Coronatest in seinem Fall allerdings nicht.

Lockdown schafft Erleichterung

Bereits Wochen vor dem Lockdown, als gerade einmal die ersten Corona-Fälle in Deutschland bekannt wurden, musste die Familie reagieren. Noch Ende Februar verließ Markus Müller nach Absprache mit den Ärzten räumlich seine Frau und Tochter und lebte im Haus seiner Eltern. „Ich konnte als Selbstständiger glücklicherweise ins Homeoffice wechseln. Meine Frau arbeitete aber noch normal, unsere Tochter ging in den Kindergarten“, erzählt er. Das Risiko, sich möglicherweise bei ihnen anzustecken, sei zu groß gewesen.

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Drei Wochen später kam der Lockdown. „Und das war tatsächlich gut für uns“, sagen er und seine Frau Veronika. Denn sie arbeitete fortan ebenfalls im Homeoffice, die Kita war geschlossen. Zwei Wochen lang begaben sich die beiden daraufhin freiwillig in Quarantäne, „damit mein Mann wieder nach Hause kommen konnte“, sagt sie. „Und wir gemeinsam einsam sein konnten“, erwidert der 44-Jährige.

Einschulung dämpft das Familienglück

„Wir haben in einer Blase gelebt, ohne Kontakte, für uns wurde sogar eingekauft. Aber immerhin konnten wir recht unbeschwert zusammen sein.“ Doch die Blase platzte: „Unsere Tochter wurde jetzt eingeschult“, was die Situation für die junge Familie wieder erheblich erschwere. Denn andere Kontakte ließen sich nun nicht mehr vermeiden. „Aber wir wollten die Einschulung keinesfalls verschieben und unserer Tochter unbedingt ein Stück Normalität zurückgeben.“ Deshalb heißt es seitdem wieder: Abstand wahren. Keine Umarmungen, keine körperliche Nähe, „wir essen nur draußen gemeinsam und versuchen, das zu organisieren. Das ist eine surreale Familiensituation“.

Doch anders wüssten sie sich nicht zu helfen: „Man ist in der Schwebe, außer unserem Bauchgefühl haben wir keine Anleitung, wie wir uns verhalten sollen. Das Kind ist in der Schule, die Frau darf vielleicht schon bald nicht mehr im Homeoffice arbeiten – was ist, wenn die beiden nach Hause kommen? Einen Ratschlag dazu bekommen wir nicht, auch nicht von den Ärzten. Und präventive Maßnahmen gibt es nicht.“

Corona-Test wird nicht bezahlt

Ein Coronatest könnte eine solche Maßnahme sein, sagt das Ehepaar. Denn „wenn meine Frau und meine Tochter sich etwa vor den Herbst- oder Winterferien testen lassen dürften, könnten wir wenigstens in den Ferien eine normale Familienzeit verbringen. Ich würde meine Tochter einfach gerne wieder in den Arm nehmen“. Doch weder das Gesundheitsamt noch die Krankenkasse erkenne einen Test als Präventivmaßnahme an. Die Kosten werden also nicht übernommen. „Es gibt höchstens die Möglichkeit, das privat anzufragen und zu bezahlen, das wären aber Kosten zwischen 140 und 200 Euro pro Familienmitglied, wurde uns gesagt.“ Und das jedes Mal aufs Neue, wenn sie Zeit miteinander verbringen wollen.

An mehreren Stellen habe das Paar deshalb bereits angeklopft, ohne Erfolg. „Wir verstehen, dass das eine schwierige Situation für alle ist und die Stellen überlastet sind. Wir sind auch niemandem böse. Aber wir haben bislang nur Standard-Antworten bekommen, individuelle Fälle wie unserer werden nicht bedacht.“ Ihr Wunsch: „Jeder Reiserückkehrer darf sich kostenlos testen lassen – wir wünschen uns, dass in diesem Punkt mehr Gleichheit hergestellt wird. Und es in Zukunft eine unbürokratische Lösung gibt.“ In Bayern gäbe es diese Möglichkeit immerhin, sagt Veronika Müller. „Hier nicht.“

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