Kettler GmbH

Welche Folgen hat Karin Kettlers Tod für das Unternehmen?

Nach überstandener Insolvenz im Jahr 2016 herrscht Aufbruchstimmung bei der neuen Kettler GmbH mit Sitz in Ense-Parsit und Werken in Werl. Im Moment bewegt die Beschäftigten aber der Tod langjährigen Chefin Karin Kettler.

Foto: Archiv/Ralf Rottmann

Nach überstandener Insolvenz im Jahr 2016 herrscht Aufbruchstimmung bei der neuen Kettler GmbH mit Sitz in Ense-Parsit und Werken in Werl. Im Moment bewegt die Beschäftigten aber der Tod langjährigen Chefin Karin Kettler. Foto: Archiv/Ralf Rottmann

Ense/Werl.  Der Tod von Karin Kettler (57), langjährige Chefin der Heinz Kettler GmbH, löst Betroffenheit aus und wirft Fragen zur Unternehmenszukunft auf.

In der Firma Kettler herrschte in den letzten Monaten Aufbruchstimmung. Im Frühjahr 2016 startete das Unternehmen nach erfolgreich abgeschlossener Insolvenz in Eigenregie neu durch, konzentrierte die Produktion und entwickelte neue Ideen, um der Vermarktung der Produkte aus den Bereichen Sport, Spiel und Spaß aus Westfalen neuen Schwung zu verleihen. 1949 von Heinz Kettler gegründet, wurde der Name ab den 60er-Jahren zur Marke mit der Erfindung des Kettcars und später mit dem ersten Serienalurad der Welt.

Für einen Moment ist der neue Schwung gebremst; die Stimmung vom Aufsichtsrat über die neue Geschäftsführung bis hin zur knapp 800-köpfigen Belegschaft nach dem tragischen Tod der langjährigen Kettler-Chefin Karin Kettler ist gedämpft. Die 57-Jährige war am vergangenen Freitag in einer Dortmunder Klinik an den Folgen eines schweren Verkehrsunfalls gestorben, den sie eine Woche zuvor auf der Bundesstraße 561 nahe des Unternehmenssitzes in Ense erlitten hatte.

Kettler-Bruder starb bereits 1981 nach Autounfall

Auf den Unternehmensseiten im Netz steht nun nicht eines der neuen Sportprodukte oder etwa die neue Gartenmöbel-Kampagne „Sommer deines Lebens“ im Mittelpunkt, die ab dem 11. März den Start ins Frühlingsgeschäft einläuten soll. Statt eines Produktes steht dort in Form einer Traueranzeige die Erinnerung „an einen wertvollen Menschen“.

Dass die öffentlichkeitsscheue Karin Kettler aus Sicht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein wertvoller Mensch war, wundert nicht. 2005 war Karin Kettler vom Vater und Firmengründer Heinz Kettler wenige Wochen vor dessen Tod ins Unternehmen für Sport- und Freizeitartikel geholt worden. Ein Platz, den ihr Bruder hätte einnehmen sollen, wäre er nicht 1981 zu Tode gekommen - Ursache war auch hier ein Autounfall.

2005 quasi über Nacht an die Firmenspitze

Für die promovierte Biologin, in Unternehmensführung völlig unerfahren, war es 2005 ein Sprung ins kalte Wasser. Eine schwierige Situation, die in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 schon einmal bedrohlich wurde. Nach zwischenzeitlicher Erholung der Heinz Kettler GmbH, wählte Karin Kettler 2015 den Weg in eine Planinsolvenz, um die Marke, das Lebenswerk ihres Vaters, vor dem Zugriff eines Finanzinvestors zu bewahren. Es heißt, sie habe in dieser Situation den Investor Carlyle mit rund zwölf Millionen Euro aus ihrem Privatvermögen befriedigt. Ein Schritt, den nicht jeder Firmeninhaber ohne weiteres gehen würde. Er sollte sich lohnen. Im April 2016 konnte die Insolvenz erfolgreich abgeschlossen werden. Zumindest für die heutige Belegschaft bei der neuen Kettler GmbH in Ense und Werl hat sich der mutige Weg ausgezahlt. Für Karin Kettler, die sich vergangenes Jahr aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hatte, im Grunde auch, denn sie hat die Marke Kettler und das Andenken an ihren Vater erhalten können.

Neben großer Trauer um die langjährige Chefin des Unternehmens stellte sich am Unternehmenssitz in Ense-Parsit mit ihrem Tod durchaus sofort die Frage, welche Auswirkungen dieses Unglück auf das Unternehmen haben würde.

Neue GmbH hat Gebäude gemietet

Seit 2016 steht der junge Geschäftsführer Christian Marc Krause im Tandem mit dem Kettler erfahrenen Ludger Busche an der Spitze der neuen Kettler GmbH. Die neue Gesellschaft war im Insolvenzverfahren als einhundertprozentige Tochtergesellschaft der Heinz Kettler GmbH gegründet worden und fungiert seit dem 1. November 2016 als neue eigenständige Firma. Die Sparkasse Hochsauerlandkreis ging ins Risiko der Finanzierung, die allerdings in weiten Teilen über eine 30-Millionen-Euro NRW-Landesbürgschaft abgesichert ist.

Bei aller Betroffenheit - der Tod der ehemaligen Chefin Karin Kettler habe keine Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb, lässt die Unternehmensführung mitteilen. Die Produktions- und Verwaltungsgebäude gehörten zwar nach wie vor Karin Kettler, sie wurden aber von der neuen GmbH angemietet. Wer auch immer in der Kettler-Verwandtschaft erbe, es berühre das operative Geschäft der Marke Kettler nicht, versichert das Unternehmen. Nach Informationen der WESTFALENPOST war Karin Kettler noch Besitzerin der Kettler-Auslandsniederlassungen, die wiederum Kunden der neuen Kettler-Gesellschaft sind.

Aus informierten Kreisen heißt es, dass Karin Kettlers Vermögen nach ihrem Tod in eine Stiftung für Behindertensport fließen soll.

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