Immobilien

Wenn auf dem Land am Bedarf vorbei gebaut wird

Einfamilienhäuser sprießen im ländlichen Raum aus dem Boden.

Einfamilienhäuser sprießen im ländlichen Raum aus dem Boden.

Foto: dpa/Ingo Wagner

Hagen/Köln/Menden/Bad Laasphe.  Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft sieht den Leerstand im ländlichen Raum wachsen. Bad Laasphe und Menden steuern entgegen.

Die Ergebnisse der Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zum Baubedarf in den Jahren 2011 bis 2015 lassen keine andere Deutung zu: Bundesweit werden viel zu viel neue Häuser auf dem Land gebaut. In den Städten hingegen fehlen Zehntausende Wohnungen. Die Kölner Wissenschaftler malen ein bedrohliches Bild für den ländlichen Raum: Aus ihrer Sicht zeichnet sich eine Entwicklung ab, die niemand wollen kann - Zersiedelung, Leerstände und Preisverfall.

Niedrigzinsen befeuern Baulust

Die Ursachen dieser Entwicklung liegen nach Ansicht der Kölner Wissenschaftler auf der Hand. Sehr stark, so Prof. Dr. Michael Voigtländer, wirkten die Niedrigzinsen, die die Finanzierung günstiger und den Kauf einer Immobilie attraktiver machten. Auch wenn die Baukosten in der Vergangenheit gestiegen seien, wirke der Zinseffekt der vergangenen Jahre stärker auf die Gesamtkosten beim Kauf eines Hauses.

Nicht zuletzt versuchten Kommunen in ländlichen Räumen, junge Familien durch großzügige Ausweisung von Bauland zu locken. Angesichts der günstigen Finanzierungen würden aber Neubauten gegenüber Altbauten bevorzugt. Voigtländer weiß warum: „Viele junge Familie wollen sich ihren Traum vom Einfamilienhaus erfüllen.“

Nicht der einzige Trugschluss aus seiner Sicht. Gerade junge Menschen würden aufgrund besserer Ausbildungsmöglichkeiten, besserer Infrastruktur und vor allem wegen besserer Arbeitsmarktchancen in die Städte ziehen. Eine Entwicklung, die dem Landrat des Kreises Olpe, Frank Beckehoff, nicht fremd ist. „Vielerorts wird ja die Hoffnung damit verbunden, dass die jungen Leute nach Abschluss ihrer Ausbildung wieder zurückkehren.“ Der Christdemokrat registriert noch einen ganz anderen Trend. „Viele ziehen aus den Dörfern des Kreises derzeit in die Kernstadt.“

Tatenlos begegnen einzelne Kommunen dem bereits heute bestehenden Leerstand nicht. Beispielhaft ist hier Bad Laasphe im Wittgensteiner Land zu nennen. Seit 2009 betreibt die Kommune Leerstandsmanagement. Mit Erfolg. „Aktuell suchen wir dringend 2,5- bis 3-Zimmer-Wohnungen“, sagt Bürgermeister Torsten Spillmann. Auch sei gegenwärtig durchaus ein Einfamilienhaus in bescheidener baulichen Verfassung zu bekommen, aber sonst sei nicht viel zu machen.

Das Leerstandmanagment habe sich bewährt. „Wir erkennen frühzeitig, wo Leerstand entsteht. Von diesem Zeitpunkt steuert die Kommune gegen, analysiert die Lage, weiß am Ende, wo sich einschneidende Entwicklungen abzeichnen.“

Projekt „Jung kauft Alt“

Die Stadt Menden versucht der Inflation der Neubauten mit dem Projekt „Jung kauft Alt“ entgegen zu wirken. Seit Juli 2015 haben sich mehr als 50 Antragsteller bemüht, in den Genuss der kommunalen Fördermittel zu bekommen. „Die Stadt zahlt jedem maximal 9000 Euro“, sagt Pressesprecher Johannes Ehrlich. „In diesem Jahr sind im Haushalt dafür 20 000 Euro veranschlagt, im nächsten Jahr sollen es 50 000 Euro werden.“ Eine Idee, die Voigtländer auch zur Nachahmung empfiehlt.

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