Einbürgerung

Wenn Briten nach dem Brexit Deutsche werden wollen

Ein bisschen England muss sein: Ted Jones mit seinem Oldtimer, einem  Rover P4 100

Foto: Torsten Koch

Ein bisschen England muss sein: Ted Jones mit seinem Oldtimer, einem Rover P4 100 Foto: Torsten Koch

Arnsberg/Hagen/Meschede.   Zahl der Briten in Südwestfalen, die Deutsche werden wollen, wächst. Mögliche Probleme mit der Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis befürchtet.

Sie leben seit Jahrzehnten hier. Sie gehen ihrer Arbeit nach. Sie haben sich mit ihrer Staatsangehörigkeit nicht weiter beschäftigt. Seit dem knappen Votum der Briten für den Brexit (51,89 Prozent) im Juni 2016 sind sie verunsichert.

Was bringt der Ausstieg aus der Europäischen Gemeinschaft für sie? Was ändert sich möglicherweise bezüglich des Aufenthalts- und Arbeitsrechtes? Oder bleibt der Platz in der Schlange unter Nicht-EU-Bürgern bei der Einreise am Flughafen in Deutschland die einzige Änderung?

Heute wird die britische Premierministerin Theresa May dem EU-Ratspräsidenten Donald Tusk per Brief mitteilen, dass sie Artikel 50 des Lissabon-Vertrags auslöst. Sie reicht quasi die Scheidung ein. In zwei Jahren, am 29. März 2019, werden die Briten nicht mehr Mitglied der EU sein.

So lange wollen drei Engländer aus Südwestfalen mit ihrer Unsicherheit nicht leben. Sie haben einen Antrag auf Einbürgerung in Deutschland gestellt.

Ted Jones

Leserinnen und Leser der WESTFALENPOST kennen und schätzen seine Fotos. Seit 25 Jahren arbeitet er in Arnsberg: Ted Jones. „Der Brexit war für mich ein Schock“, sagt der 62-Jährige. „Sicher, ich war nie ein großer Freund der EU. Für mich ist sie ein bürokratisches Monster. Aber einfach auszutreten, ohne zu versuchen, etwas zu ändern, ist aus meiner Sicht der falsche Weg.“

Die Menschen hätten sich damals von Boris Johnson und Nigel Farage einwickeln lassen. „Ich musste den Ausgang des Referendums erst einmal verdauen und war auch verunsichert, ob ich wieder nach England zurück muss. Es gab viele Gerüchte.“

Ende Januar hat sich Ted Jones entscheiden, seinen Einbürgerungsantrag zu stellen. „Wenn der durch ist, bin ich beruhigt. Ich bleibe auf jeden Fall hier. Alle meine Freunde leben hier.“

Besonders tut ihm die politische Entwicklung für die nachfolgenden Generationen leid. „Ich habe das Europa ohne Grenzen bei meinen Reisen immer genossen. Eine tolle Sache. Wer weiß, ob Briten künftig ein Visum beantragen müssen?“ Eine Hoffnung bleibt ihm: „Vielleicht lässt sich in naher Zukunft die Entwicklung noch einmal zurückdrehen.“ Ted Jones stammt aus Birkenhead im Nordwesten Englands. Liverpool liegt in der Nachbarschaft. Seit 1981 lebt er in Deutschland.

Graham Ellis

Mit dem Gedanken, deutscher Staatsbürger zu werden, hat Graham Ellis seit langem gespielt. Der Musikpädagoge der Musikschule Hochsauerlandkreis in Meschede lebtseit 1977 in der Region. Und der Ausgang des Brexit-Votums hat ihn bestärkt: „Jetzt mache ich es wahr.“ Der 60-Jährige weiß, dass bei der EU längst nicht alles so läuft, wie er sich das vorstellt. „Jede Nation hat ihre eigene Persönlichkeit, auf die müssen sich die verantwortlichen Politiker einstellen.“

Er selbst aber hat definitiv keine Lust auf mögliche Komplikationen mit der Bürokratie im Zusammenhang mit seinem Aufenthalt im Sauerland. Information am Rande: Briten, die die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen, dürfen ihren Pass behalten, solange Großbritannien in der EU ist. Graham Ellis will Klarheit, stürzt sich nur widerwillig in den Wust der Formulare. „Auf einmal muss ich mich mit diesem ganzen Papierkram beschäftigen, doch es muss sein.“

Auch wenn er seit 40 Jahren hier lebt, den Einbürgerungstest musste er machen. Das Ergebnis überrascht ihn nicht: „Von 33 Fragen habe ich 29 richtig beantwortet.“ Ellis stammt aus der Region Cotswolds im Herzen Englands.

James Brunt

Nein, Angst, abgeschoben zu werden hat er nicht. „Auf einmal aber macht es einen Unterschied, ob ich Engländer oder Deutscher bin“, sagt James Brunt, WESTFALENPOST-Online-Redakteur in Hagen, Menden und dem EN-Kreis. Der 36-Jährige befürchtet, „dass der EU-Austritt für mich persönlich negative Auswirkungen hat.“ Welche? „Das weiß niemand, die Verhandlungen stehen ja erst am Anfang.“

James Brunt hat einen englischen Vater, eine deutsche Mutter und ist in Oer-Erkenschwick aufgewachsen. „Als Kind war ich oft in der Heimat meines Vaters, in Rugby in der Grafschaft Warwickshire.“ Früher wollte er in England leben. Die Pläne zerschlugen sich. Als 18-Jähriger gab James Brunt seine deutsche Staatsbürgerschaft ab, die britische hat er behalten. „Wenn ich sie abgeben muss, wäre mir das die Einbürgerung wert.“ Seine Verbindungen nach England sind nicht mehr so eng wie früher. „Trotzdem, der Brexit war wie ein Schlag in die Magengrube. Ich bedauere, dass sich die moderaten Kräfte nicht durchgesetzt haben.“

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