Prinz Richard

Trauerfeier – Wenn der Prinz in Bad Berleburg für immer geht

Königin Máxima und König Willem mit Mutter Beatrix (von links) in Bad Berleburg.

Königin Máxima und König Willem mit Mutter Beatrix (von links) in Bad Berleburg.

Foto: Ralf Rottmann

Bad Berleburg.   Auf der Trauerfeier für Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg waren gekrönte Häupter aus ganz Europa vertreten – aber wenig Schaulustige.

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Sie haben Zeit. Sie können warten. In drei Stunden fährt die Prominenz vor.Gabi Piesiur aus Starnberg und Ingrid Reimann aus Darmstadt haben sich in Position gebracht. Ihre Campingstühle stehen direkt hinter dem Absperrgitter, vis-a-vis vom Aufgang zur evangelischen Stadtkirche in Bad Berleburg.

Hochadel gedenkt Prinz Richard
Hochadel gedenkt Prinz Richard

Niemand weiß, welche Königsfamilie mit wem zur Trauerfeier von Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg erscheint. Aus Sicherheitsgründen hält die Polizei die Teilnehmerliste zurück.

Egal. Die beiden Damen, 60 und 76 Jahre alt, stört das nicht. Sie haben ihre Quellen, ihre Hoffnung. An Königen, Prinzessinnen und Grafen aus nah und fern wird es nicht fehlen. „Schade, dass es keine Hochzeit ist“, sagt Ingrid Reimann, „da wäre die Stimmung anders. Trotzdem, ich freue mich.“

Königin Silvia nicht zu sehen

Gebannt starrt das Duo auf jeden Wagen, der vorfährt. Sie kennen alle, die aussteigen. „Hier, das ist Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe“, freut sich Gabi Piesiur, im richtigen Leben Kundenberaterin einer Krankenkasse. „Der ist pünktlich, ist er sonst nie. Und da, Fürstin und Fürst zu Hohenlohe-Oehringen.“ Jeder in Schwarz wandert auf den Speicherchip ihrer Kamera. Bilder für die Ewigkeit.

Ein Wort zum Toten? „Ich mochte Richard. Er hatte so eine sympathische Art. Auch wenn er launisch war, er war so natürlich und nett. Eben keine Durchlaucht, sondern: ich bin der Richard und fertig.“ Das Gespräch reißt ab.

Schwarze Limousinen vorneweg und dahinter Polizei kündigen Hochkaräter an, sie treffen kurz vor Beginn der Trauerfeier ein. „Ein Jammer“, stöhnt Marianne Krollik. „Niemand ist im Auto zu erkennen.“ Die 69-Jährige aus dem hessischen Breitenbach ist mit Ehemann Rolf (71) gekommen, um einen Blick auf die schwedische Königin Silvia und die dänische Königin Margrethe zu erheischen.

Fehlanzeige. Es regnet in Strömen. Die Hoheiten fahren bis vor den Eingang der Kirche. Ohne Einsicht für die Schaulustigen. Dafür hat der Pulk der Fotografen und Kameraleute die Gelegenheit, Bilder zu machen. Und das Fußvolk spekuliert. „Haben Sie Silvia gesehen?“ „Nein“. „Und König Konstantin von Griechenland?“ „Ich nicht.“ „Wissen Sie, wer das ist?“ „Ich muss passen.“ „Da, im Bulli, da sitzt Prinz Nikolas am Fenster.“ „Aus welchem Land.“ „Griechenland.“ Dass Beatrix mit König Willem und Königin Máxima vorbeigerauscht ist, haben alle mitbekommen. Die niederländischen Kennzeichen lassen keine zweite Meinung zu. Nach gut 90 Minuten wird gerätselt? „Das sollen jetzt 400 Gäste gewesen sein?“

Raum für Spekulationen

Fragen, die offen bleiben. Während die Trauergemeinde in der Kirche „Geh’ aus, mein Herz, und suche Freud`“ singt, und das Ensemble der Philarmonie Südwestfalen unter Leitung von Anar Ibrahimov „Die vier Jahreszeiten“ vonVivaldi intoniert, rätselt die treue Gemeinde der Royalities auf der Straße weiter. Raum für Spekulationen gibt es genug.

Trauerfeier für Prinz Richard
Trauerfeier für Prinz Richard

Niemand weiß, welche tröstenden Worte Pfarrerin Claudia Latzel-Binder findet. Niemand hier wird je erfahren, wer neben wem gesessen hat. Niemand wird je erfahren, warum die adeligen Hinterbänkler mindestens eine Stunde vor den königlichen Hoheiten eintreffen. Augenfällig ist, wie viele Männer mit Cut erscheinen. Wie zu hören, entspricht dies dem Dresscode in Adelskreisen. Kein Geheimnis ist die bescheidene Resonanz zum Abschied von Prinz Richard. 72 Frauen und Männer stehen an der Straße. Und die sind „entsetzt über die geringe Anteilnahme“. Gründe? Adelsexpertin Gabi Piesiur hat keine Erklärung.

Für sie ist es ein großer Tag. Die Menschen, mit denen sie sich beschäftigt, werden vor ihren Augen lebendig. Und jeder von ihnen blickt auf eine Familie mit einer langen Geschichte zurück. Das Schlusswort gehört zu Recht ihr. „Den Zusammenhalt in diesen Kreisen finde ich toll. Da kennt jeder jeden.“

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