Zensuren

Wenn eine Zwei auf dem Zeugnis nicht gut genug ist

Schüler einer ersten Klasse lesen ihre Zeugnisse. Eltern und Kinder empfinden die Noten nicht immer als gerecht.

Schüler einer ersten Klasse lesen ihre Zeugnisse. Eltern und Kinder empfinden die Noten nicht immer als gerecht.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Arnsberg.   In dieser Woche gibt es Halbjahresnoten. Was die Mitarbeiter der Bezirksregierung Arnsberg dann unzufriedenen Eltern am Telefon raten.

In dieser Woche ist es wieder soweit: Die Halbjahreszeugnisse werden verteilt. Im Durchschnitt sind die Noten der Schüler, zumindest die Abiturnoten, in den vergangenen Jahren immer besser geworden. Also, kein Grund mehr zur Sorge? Ein Gespräch mit Michael Krause über den Sinn von Noten und die Suche nach Gerechtigkeit. Er ist langjähriger Schulleiter sowie Realschullehrer und berät ab dem kommenden Freitag am Zeugnistelefon der Bezirksregierung Arnsberg.

Die Noten werden immer besser – wer ruft denn da noch bei Ihnen an?

Die Zahl der Anrufe bleibt seit Jahren in etwa gleich. Schüler oder deren Eltern melden sich bei uns, wenn sie die Leistung nicht für angemessen bewertet halten. Das ist unabhängig davon, wie gut die Note ausgefallen ist. Eltern rufen unter Umständen auch an, wenn die Kinder eine Zwei bekommen haben.

Warum ist eine Zwei ein Problem?

Eltern sehen oft nur die schriftliche Leistung ihrer Kinder, nicht die mündliche Mitarbeit und sonstige Leistungen im Unterricht. Und sie bekommen den Alltag in der Schule von den Kindern gefiltert erzählt. Dann steht für die Eltern manchmal eine überraschende Note auf dem Zeugnis.

Was raten oder tun Sie?

Meist verweisen wir auf die Schule und raten, das Problem im persönlichen Gespräch mit den Lehrern oder der Schulleitung zu klären. Das funktioniert auch in den allermeisten Fällen. Wenn wir allerdings den Eindruck gewinnen, dass hinter den Zensuren vielleicht andere Probleme stecken wie Schulverweigerung, -unlust oder -angst, dann vermitteln wir weiter an die Schulpsychologischen Beratungsstellen der Landkreise. Es gibt aber auch ganz selten Fälle, in denen man Angst vor Kurzschlussreaktionen haben muss, weil die Eltern möglicherweise überreagieren oder die Kinder Suizidgedanken geäußert haben. Das sind extreme Ausnahmefälle – auch dann schalten wir die Schulpsychologen ein oder vermitteln den Kontakt zu anderen Hilfs- und Unterstützungsangeboten.

Vor Kurzem hat eine Lehrerin aus NRW anonym auf Spiegel Online gestanden, nur gute Zensuren zu geben, weil der Notendruck das Lernen eher behindere. Ist das eine Lösung?

Nein. Das A und O bei Noten ist die Transparenz. Es muss den Kindern und den Eltern klar werden, was von den Schülern erwartet wird, welche Kompetenzen sie erwerben und nachweisen müssen. Wenn das gegeben ist, dann ist eine schlechte Note für Eltern und Kinder gar nicht das Problem. Kinder wollen eine ehrliche Einschätzung haben. Ich bin in einem Sportverein aktiv – und halte es auch gar nicht für verkehrt, sich zu vergleichen oder vergleichen zu lassen.

Der Philologenverband hat vor Kurzem für eine strengere Benotung plädiert, insbesondere im Abitur. Ist das der richtige Weg?

Am besten lernen Kinder durch Unterstützung und Anerkennung. Das kann durch Noten erreicht werden – Noten können aber auch entmutigen. Statt der Notengebung könnte man den Schülern eine Einschätzung geben – ähnlich wie ein Berichtszeugnis in der Grundschule. Das fände ich persönlich nicht schlecht. Darüber hinaus sollte deutlich erklärt werden, was die Schüler tun können, um sich zu verbessern, zum Beispiel durch individuelle Förderpläne.

Sie verweisen unzufriedene Eltern an die Schulen zurück, die erklären sollen, wie die Zensur zustande gekommen ist. Was passiert, wenn die Eltern am Ende immer noch nicht zufrieden sind?

Es bleibt immer noch der Weg, bei der Schule eine formelle Notenbeschwerde einzulegen. Dann wird die Notengebung durch die Bezirksregierung anhand der schriftlichen Dokumente überprüft. Diesen Weg gehen Eltern und Schüler vor allem, wenn es um Schulabschlüsse geht.

Es beschwert sich niemand wegen einer Zwei in Musik oder Sport?

Das kommt auch vor. Es gibt Kinder, die eine besondere Begabung haben, etwa in einer Sportdisziplin besonders gut sind, aber in der Gesamtnote dann eine Zwei bekommen. Notenbeschwerden gibt es auch in Fächern, in denen man es gar nicht erwarten würde.

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