Marke Westfalen

Westfalen ist nicht mehr wichtig

Knochenschinken, Pumpernickel und Korn stehen für Westfalen.                                                               Foto: Schinkenland Westfalen

Foto: Schinkenland Westfalen

Knochenschinken, Pumpernickel und Korn stehen für Westfalen. Foto: Schinkenland Westfalen Foto: Schinkenland Westfalen

Hagen/Münster.   Studie der Universität Münster: Südwestfalen, Münsterland und Ostwestfalen-Lippe gewinnen im Wettbewerb der Regionen an Gewicht.

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Die einstige historische preußische Provinz gilt nichts mehr? Ein Jahr nach dem 200. Geburtstag ist Westfalen wenig gefragt? Münsterland, Ostwestfalen-Lippe und Südwestfalen gehört die Zukunft? Kann das sein?

Das Institut für Politikwissenschaft an der Universität Münster ist im Auftrag der Westfalen-Initiative diesen Fragen nachgegangen. Das Ergebnis: Westfalen hat als Marke im Wettbewerb um die besten Köpfe aus Wirtschaft und Wissenschaft keinen Sinn. Die Regionen haben Westfalen den Rang abgelaufen.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind eindeutig. Die Eigenheiten der Menschen von Bielefeld bis Bad Berleburg, die als erfinderisch, zuverlässig, bodenständig und bisweilen mundfaul beschrieben werden, hätten durchaus das Zeug dazu, einen Feldzug für eine starke Marke Westfalen zu starten. Dabei bleibt es aber auch. Westfalen spielt bei der Frage der Herkunft keine Rolle, viel mehr gilt der Begriff gar als Belastung.

Zu große Einheit

So hat die Vehemenz, mit der sich die Menschen im Ruhrgebiet dagegen wehren, als Westfalen wahr genommen zu werden, Matthias Freise überrascht: „Dortmunder fühlen sich nicht als Westfalen. Es sind Ruhrpöttler. Und in Gelsenkirchen ist das nicht anders.“

Nicht die einzige Überraschung, die der Politikwissenschaftler der Universität Münster mit seinen Studenten bei den Befragungen erlebt hat. „Wesentlich freundlicher sind diejenigen Westfalen gesonnen, die in den Verbänden arbeiten, die den Namen Westfalen-Lippe tragen wie zum Beispiel das Rote Kreuz.“ Sie sorgten sich um ihre Existenz, wenn der Name Westfalen weiter an Bedeutung verliere.

Für das Werben um Touristen, den Wohn- und Standort, Arbeitsplätze und Freizeitwert sei Westfalen eine zu große Einheit. „Regionen wie Südwestfalen oder Ostwestfalen-Lippe sind fest etabliert“, sagt der 41-Jährige.

In der Politik schwach vertreten

Und auch wenn dies Landespolitiker nicht zugeben wollten, „Westfalen ist in der Politik unterrepräsentiert“. Diesen Eindruck teilen nicht wenige. In der Rheinschiene sei die Vorstellung vielfach verbreitet, so Freise, Westfalen sei viel kleiner als das Rheinland. „Etwa so groß wie das Saarland.“

Ein Irrglaube, den Hermann-Josef Droege, Vorsitzender des Regionalrates Arnsberg, immer schon in Düsseldorf vermutet hat. So hat es den Christdemokraten gewurmt, „dass Westfalen im Entwurf des Landesentwicklungsplans, anders als das Rheinland und die Metropolregion Ruhrgebiet, gar keine Stimme hatte. Wir mussten Nachteile befürchten.“

Aus diesem Grund demonstrierten im März die Regionalräte aus Detmold, Münster und Arnsberg auf politischer Ebene erstmals gemeinsam Stärke und rüttelten die rot-grünen Politiker am Rhein wach. Nicht ohne Erfolg: Als „mittelstandsgeprägte Wachstumsregion Westfalen-Lippe“ findet sie sich in dem Plan wieder. Droege: „Damit setzen wir ein Signal, das künftig bei der politischen Schwerpunktsetzung nicht übersehen werden kann.“

Dass die Regionalagentur Münsterland mit 360 Mitgliedern, darunter 66 Städte und Gemeinden und 180 Unternehmen, Westfalen an sich in Zweifel zieht, verblüfft denn doch: „Was ist Westfalen überhaupt?“, fragt Vorstand Klaus Ehling. „Akzeptierte regionale Bezugsebene sei für die Menschen das Münsterland.“

Das sei eine Größenordnung, in der Projekte gemeinsam mit Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik bewegt werden könnten. Hubertus Winterberg, Geschäftsführer der Südwestfalen Agentur in Olpe, widerspricht nicht: „Eine Marke Westfalen brauchen wir nicht.“

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