Wirtschaft

Wie aus Südwestfalens Unternehmen Weltmarktführer werden

Der Hersteller von Gummiformteilen Lübke & Vogt aus Sundern gehört nun auch zu den Weltmarktführern.Foto:Ted Jones/Archiv

Der Hersteller von Gummiformteilen Lübke & Vogt aus Sundern gehört nun auch zu den Weltmarktführern.Foto:Ted Jones/Archiv

Arnsberg.   Die Liste der Weltmarktführer aus der Region ist um 14 Betriebe gewachsen. Aber was bedeutet dieses Prädikat? Welche Herausforderungen es gibt.

Ob sie in ihrem Segment Weltmarktführer sind, hat sich die Chefriege beim Lüdenscheider Unternehmen Busch-Jaeger Elektro in der Vergangenheit nie gefragt. Dass Adalbert Neumann nun bei der feierlichen Aufnahme in die Broschüre südwestfälischer Top-Unternehmen dabei ist, scheint ihn aber durchaus zu freuen. Nur steht er an diesem Nachmittag in der Industrie- und Handelskammer in Arnsberg ein wenig unter Strom: „Ich bin auf dem Sprung zur IFA nach Berlin“, entschuldigt sich Neumann, dass er die Redner-Reihenfolge durcheinanderbringt. Sympathisch. Bodenständig.

Dabei geht es in Berlin nicht einmal um das „Weltmarktführerprodukt“, für das Busch-Jaeger in den erlauchten Kreis aufgenommen wurde: Die Schukosteckdose. In Berlin steht das Thema Smart-Home im Mittelpunkt. Hier sind die Lüdenscheider auch weit vorn auf der Welt – nur wie weit, das haben sie sich wohl noch nicht gefragt. „Es ist schwierig zu beziffern“, sagt Neumann und startet im Intercity-Tempo einen Exkurs durch die Unternehmensgeschichte, die im 19. Jahrhundert mit metallenen Spazierstockspitzen begann und schnell in die Elektrobranche führte, als aus der Stockspitze eine Fassung für die Edison-Lampe wurde.

Busch-Jaeger: Von Spazierstöcken zu Steckdosen

Heute fertigt Busch-Jaeger rund 60 Millionen Schukosteckdosen. Weltmarktanteil 30 Prozent. Und nicht mehr lange, dann sind die Dosen wahrscheinlich auch auf der IFA zu sehen. „Bald wird jede Steckdose internetfähig sein. Sie wird anfangen zu sprechen“, so Neumann – südwestfälisch geerdet vermutlich.

Im Grunde ähneln sich Geschichten mittelständischer Unternehmen aus Südwestfalen auf gewisse Weise. Einer hat eine gute Idee, sie wird akribisch weiterverfolgt und so ausgefeilt, dass sie zum Maß der Dinge wird. Viel Know-how, nicht so viel reden über die Fertigkeiten und den eigenen Markt. 166 Weltmarktführer haben die Kammern Stand heute in ihre Liste aufgenommen, ganz sicher gibt es noch mehr.

Wie wird ein Unternehmen eigentlich Weltmarktführer?

Als Marktführer gelten Unternehmen, die zu den umsatzstärksten Top 3 ihres Marktes zählen. Es gibt in Südwestfalen klare Kriterien, um als Weltmarktführer in die entsprechende Broschüre aufgenommen zu werden.

Das Unternehmen muss seinen Sitz in Südwestfalen, also einem der drei Kammerbezirke Siegen, Arnsberg oder Hagen haben. Es muss eigenständig sein und die Geschäftsführung aus der Region erfolgen. Die Produkte müssen mindestens europaweit abgesetzt werden und der Markt nicht zu eng gefasst werden. „Einen Weltmarkt für Sauerländer Bier etwa gibt es nicht“, erklärt Thomas Frye von der IHK Arnsberg.

Marktführerschaft kann auch als Technologieführerschaft verstanden werden, ohne dass die weltweit höchsten Umsätze verzeichnet werden. Die Nachweise müssen den Kammern vorgelegt werden. Die Weltmarktführer-Broschüre ist in Anlehnung des „Lexikons der Weltmarktführer“ entstanden, das 2010 in Heilbronn erstmals veröffentlicht wurde.

Unternehmen brauchen Nachwuchs und Infrastruktur

Dass heute offensiv mit der Stärke und Vielfalt der Wirtschaft geworben wird, hat damit zu tun, dass es langsam an der Zeit ist. Um Bewerberinnen und Bewerber als Fachkräfte zu gewinnen. Aber auch, um mit mehr Gewicht zukunftssichere Rahmenbedingungen für Südwestfalens Unternehmen einzufordern, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Dazu gehört ganz wesentlich der schnelle Ausbau der Infrastruktur – analog und digital.

Dazu gehört aber auch, Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Industrie in der Region weiter wachsen kann. „Erfolgreiche Unternehmen brauchen genügend und gut erschlossene Flächen“, mahnt Felix G. Hensel, Präsident der IHK Siegen, eine Lockerung der Vorschriften durch den Landesentwicklungsplan an. Alle drei Kammern wollen für Südwestfalen mit einer Stimme sprechen, damit man die Region mit der höchsten Dichte an Weltmarktführern in Deutschland bleibt.

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