Projekt GovLab

Wie die Bezirksregierung Arnsberg modern werden will

Der 28-jährige Nils Hoffmann leitet seit Mai 2018 das Versuchlabor „GovLab“und wird bereits zu den einhundert innovativsten Verwaltungsköpfen weltweit gezählt.Foto:Jens Helmecke

Der 28-jährige Nils Hoffmann leitet seit Mai 2018 das Versuchlabor „GovLab“und wird bereits zu den einhundert innovativsten Verwaltungsköpfen weltweit gezählt.Foto:Jens Helmecke

Arnsberg.   Seit einigen Monaten testet die Bezirksregierung innovative Methoden, um die Verwaltung schneller und bürgerfreundlicher zu machen.

Eine Regierungsbehörde stellt man sich gerne so streng hierarisch vor wie vor einhundert Jahren. Und im Prinzip gilt viel Preußisches auch heute noch. Ein Vermerk ist erst dann ein Vermerk, wenn die Form gewahrt bleibt und vom Aktenzeichen bis zur Unterschrift alles exakt an der richtigen Stelle steht. Auch ein Vorgang, bei dem auf dem Aktendeckel nicht ausreichend Paraphen sichtbar werden, der also nicht vom Sachbearbeiter bis zur Behördenspitze über alle Ebenen ordentlich abgezeichnet wurde, ist kein gelungener Vorgang. Gute, alte Bürokratie. Die dauert nun mal. Aber es könnte in Zukunft tatsächlich anders werden, wie das Projekt „GovLab“ der Bezirksregierung Arnsberg zeigt. Hier wird seit einigen Monaten viel Neues probiert.

„Unser Ziel ist es, die Verwaltung besser und schneller zu machen“, sagt Nils Hoffmann, der seit Mai 2018 das „GovLab“ leitet.

Dieses Ziel gilt auch innerhalb der Behörde. Beispielsweise wurden Rahmen des Projektes im Intranet abrufbare Video-Tutorials für neue Beschäftigte erstellt, um die Funktionsweise von Verwaltung besser und schneller zu verstehen.

Interesse im Kanzleramt

Das GovLab ist bisher Deutschlands einziger amtlicher Experimentierraum, um Verwaltung und Digitalisierung in Einklang zu bringen. Und schon heute ist es ein Vorzeigeprojekte, das Nachahmer verdient. Interesse am Arnsberger Projekt bekundete im Sommer sogar das Kanzleramt. „Im Zentrum steht immer die Frage, was wollen die Bürgerinnen und Bürger, was macht sie zufriedener“, beschreibt der Regierungsangestellte Hoffmann den Dreh- und Angelpunkt des Projektes. Es ist der Versuch, im digitalen Zeitalter dem Neuen Raum zu geben innerhalb von öffentlicher Verwaltung. Es gilt, eine neue „Unternehmenskultur“ anzustoßen, sozusagen die Behörde möglichst zu entstauben.

Eine Vorstellung, die nicht nur antragstellende Bürgerinnen und Bürger freuen dürfte, sondern auch Unternehmen auf der Suche nach möglichst unbürokratischer Hilfe, beispielsweise beim Stellen von Förderanträgen.

Während in digitalen Vorzeigeländern wie Estland der Kontakt zwischen Behörde und Bürger zunehmend online abläuft, hinkt Deutschland bei diesem Thema nach wie vor weit hinterher. EU-weit liegen wir hier aktuell auf dem 21. Platz.

Das Interesse in der Bevölkerung, Behördengänge bequem via Internet zu absolvieren, dürfte signifikant steigen mit der Attraktivität der Angebote. Daran muss offenbar gearbeitet werden. „Im vergangenen Jahr wurden bestehende E-Goverment-Angebote weniger genutzt als 2017, weil wir eigentlich zu kompliziert sind, nicht freundlich genug“, sagt Regierungspräsident Hans-Josef Vogel. Der Behördenchef, selbst noch keine zwei Jahre im Amt, hat das Projekt GovLab angestoßen und dem 28-jährigen Nils Hoffmann den nötigen Freiraum zum Agieren verschafft – bis hin zum Doppelbüro mit lässigen Möbeln wie einer Sofaecke einer schwedischen Einrichtungshauskette.

Die Bezirksregierung wird wegen des Projektes nicht morgen eine komplett andere sein. „Unser Zeithorizont sind die nächsten zehn Jahre. Aber, um zu zeigen, dass es funktioniert, haben wir einfach angefangen“, sagt Vogel.

Dass Nils Hoffmann bereits im vergangenen Jahr in einem Ranking zu den Top-100-Innovatoren in Verwaltungen weltweit gezählt wurde, erscheint ermutigend. Wichtiger ist dem jungen Betriebswirt Hoffmann, der seit 2016 für die Bezirksregierung arbeitet, die Offenheit vieler Kolleginnen und Kollegen für die Idee. „Wir nehmen alle diejenigen mit, die möchten“, sagt Hoffmann. Und es möchten offenbar eine Menge Staatsdiener neue Wege in der Verwaltung gehen, Dinge einmal ergebnisoffen ausprobieren und neue Techniken nutzen. „Meine Hoffnung wäre, dass wir irgendwann noch moderner sind und noch besser wissen, was in unserer Region passiert und was sie braucht.“

Auch von der Wirtschaft lernen

Dazu wünscht sich Regierungspräsident Vogel in Zukunft einen regen Austausch zwischen Mittelbehörde, Bürgern und nicht zuletzt der Wirtschaft, denn im Vergleich zu ihr hinke die öffentliche Verwaltung beim Thema Digitalisierung sehr hinterher. „Wenn sich Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung nicht gegenseitig unterstützen, wird es nicht laufen“, glaubt Hans-Josef Vogel. Beim Thema Cloud basierte Technologien etwa könne Verwaltung eine Menge von Unternehmen lernen.

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