Heimat-Serie: Geschmack

Suppe, Kuchen, Eintopf – Geschmäcker lösen Heimatgefühle aus

Saftige Apfel-Mandel-Waffeln

Superschnell und superlecker! Saftige Waffeln mit Äpfeln und Mandelblättchen - ein Rezept der Landfrauen Kierspe. Ein Video von Katrin Figge.

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Kierspe.   Suppe, Waffeln, Grünkohl und Borschtsch: Sechs Landfrauen aus Kierspe erzählen, in welchen Gerichten sie ihre Heimat finden.

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Glänzende Mettendchen, mundgerecht kleingeschnitten, baden im Topf zwischen Kräutern, Möhren und Kartoffelstückchen. Sacht brodelt die Suppe. Derweil holt Bärbel Balke ein großes Messer hervor, setzt es an – und spaltet krachend den orangfarbenen Kürbis. Es ist ein Kraftakt. Doch die Arbeit muss sein, denn die Kartoffelsuppe auf dem Herd reicht den sechs Frauen an diesem Abend nicht. Suppe kann man kaum zu viel haben. Suppe ist Heimat.

„Geschmäcker lösen tatsächlich Heimatgefühle aus“, bestätigt Thomas Schürmann von der Volkskundlichen Kommission Westfalen-Lippe in Münster. So ist es wohl kein Zufall, dass zugleich die Kochshows im Fernsehen boomen wie auch die Sehnsucht nach Heimat derzeit groß zu sein scheint. „Man will das Bedürfnis nach beidem stillen, das im Alltag zu kurz kommt“, sagt Thomas Schürmann. „Wir haben immer weniger Zeit zum Kochen. Und wir sind immer mehr unterwegs.“ So steigt der Appetit auf Heimatgeschmack.

Heimat ist Suppe

Bei den sechs Landfrauen in Kierspe, die sich an diesem Abend zum Kochen getroffen haben, ist Heimat Suppe. Suppe mögen sie alle. Da sind sie sich einig, als sie später am großen Küchentisch zusammensitzen.

Die Heimat ist also vornehmlich im Herbst und im Winter zu spüren, „wenn es draußen so richtig usselig ist“, sagt Heike Wennekamp und zieht bei den Worten die Schultern zusammen. Nur dann schmecken die Suppen richtig. Ein Sommergericht, das solche Gefühle auslöst? Die Landfrauen überlegen einen Moment, schütteln dann nur die Köpfe.

Heimatgeschmack ist nicht nur regional, also westfälisch, sagt Thomas Schürmann, sondern auch ganz individuell. So hat jede der sechs Frauen ihr eigenes Gericht, das sie an die Kindheit erinnert und damit an Heimat. „Bei uns gab es am Sonntag früher häufig Waffeln“, sagt Bärbel Balke. Wenn der Geruch durchs Haus zieht, das mag sie heute noch gern: „Das sind Kindheitserinnerungen.“ Die weckt Erbseneintopf bei Heike Wennekamp: „Dann sehe ich meine Oma am Kochtopf vor mir.“

Apfelkuchen ist ein Stück Heimat

Der Apfelkuchen von der Großmutter ist für Katrin Homburg ein Stück Heimat, Grünkohl mit Mettwurst für Carmen Fischer, Reibeplätzchen für Karola Baukhage. Sie zählen auf mit glücklichem Lächeln und fügen fast alle sechs den Satz hinzu: „Aber ich bekomme das nicht so hin wie Mama.“ Den echten Heimatgeschmack – den gibt es offenbar nur bei Mutter und Großmutter.

Einwanderer koch en, so gut sie integriert sind, meist doch die traditionellen Gerichte ihres Herkunftslandes. Umgekehrt: Egal, wie gut es im Urlaub auch schmecken mag, nachkochen würden die sechs die Gerichte aus der Ferne nicht: „Das schmeckt hier dann ganz anders“, sagt Heike Wennekamp. Stattdessen verspüren sie auf Reisen manchmal hungriges Heimweh. Ein Schwarzbrot mit Käse auf dem Rückflug von Tunesien. „Das war das beste, was ich je gegessen habe“, sagt Katrin Homburg. Nach einer Woche Irland und Sandwich zum Mittagessen, „da habe ich hier erst einmal in der Frittenbude angerufen und Pommes bestellt“, sagt Heike Wennekamp. Auch das kann Heimat sein.

Dennoch: Man kann im Leben eine zweite Heimat finden, weiß Magdalena Kremer. Ihre Familie kommt aus Polen. Heimat – das ist für sie das traditionelle siebengängige Weihnachtsmenü: Maultaschen mit Pilzen gefüllt, Borschtsch, Heringsstipp mit Kartoffeln, Pilzsuppe mit Brot, Kohlrouladen mit Graupenperlen, gebratener Fisch auf Zwiebeln und Möhren gebettet mit einer Soße aus Tomatenmark.

Zugleich aber fühlt sie sich auch in der westfälischen Küche sichtlich zu Hause – mit der Kartoffelsuppe, die auf dem Herd brodelt.

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