Generation 50+

Wie Unternehmen auf die Generation 50+ setzen

Gabriele Fahlefeld (58) wechselte vor vier Jahren aus der Produktion an den Empfang des Leuchtenherstellers Trilux.

Gabriele Fahlefeld (58) wechselte vor vier Jahren aus der Produktion an den Empfang des Leuchtenherstellers Trilux.

Foto: Volker Hartmann

Arnsberg.  Wer heute 50 Jahre alt ist, hat noch ein Drittel seines Arbeitslebens vor sich. Wie Unternehmen mit dieser Generation umgehen.

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Vom Fließband ins Foyer: Mit Mitte 50 startete Gabriele Fahlefeld (58) eine zweite Karriere. Sie wechselte aus der Produktion an den Empfangstresen bei Trilux. Seit vier Jahren ist sie nun das erste Gesicht, das Besucher des Arnsberger Leuchtenherstellers zu sehen bekommen. Eine Verletzung zwang Gabriele Fahlefeld zu diesem Jobtausch. Ihr Arbeitgeber ließ sie damals nicht hängen, sondern bildete sie fort.

Unternehmen tun gut daran, in ihre Generation 50+ zu investieren. Denn wer heute 50 ist, hat noch ein Drittel seines Arbeitslebens vor sich. Die Menschen arbeiten länger, gleichzeitig steigt aber auch die Bereitschaft, lebenslang zu lernen. Das geht aus dem Fortschrittsreport des Bundesarbeitsministeriums hervor, deckt sich aber auch mit dem Eindruck von Franz-Josef Hinkelmann, dem Geschäftsführer des IHK-Bildungsinstituts in Arnsberg. Die größte Gruppe bei den Fortbildungen ist zwar zwischen 30 und 40 Jahre alt, aber die ältere Generation holt auf. Hinkelmann: „Das ist auch gut, jeder sollte etwas dafür tun, für seinen Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Sich auf das einst Gelernte zu verlassen, ist gefährlich.“

Größtenteils länger als 20 Jahre bei Trilux

Gabriele Fahlefeld belegte bei der IHK Arnsberg den Kurs „Das Telefon ist die Visitenkarte des Unternehmens“. 2011 hatte sie sich bei einem Fahrradunfall den Unterschenkel zertrümmert. Fortan konnte sie nicht mehr im Stehen und im Akkord arbeiten. Eine Kollegin im Betriebsrat brachte sie auf die Idee, den Job am Empfang zu übernehmen. „Ich hatte damals schon privat Englischkurse. Das passte dann gut“, erzählt die Empfangsdame. Ihr Telefon klingelt. „Herzlich willkommen bei der Firma Trilux...“ Ihre Stimme klingt wie ein Lächeln. Bis zu 180 Mal am Tag sagt sie ihren Spruch. Mit Mitte 50 den Job gewechselt zu haben, hat sie nie bereut. Sie arbeitet seit 27 Jahren bei Trilux.

Der Großteil der Belegschaft ist seit über 20 Jahren dabei. Damals produzierte das Unternehmen noch Röhrenleuchten, vor vier Jahren ging das Unternehmen mit LED auf den Markt. Den Wandel gehen die Angestellten mit. Jeder hat zweimal im Jahr Anspruch auf ein Training in der hauseigenen Akademie.

Geschliffene Diamanten

„Wir setzen auch auf die innere Motivation. Weil das Klima gut ist, freuen sich unsere Mitarbeiter dazu zu lernen“, sagt Trilux-Geschäftsführer Johannes Huxol. Die Ü50-Generation habe eine besondere Bedeutung. „Ältere Kollegen werden nicht abgeschoben, sie sind die Diamanten, die im Unternehmen geschliffen wurden.“ Trilux mischt seine Teams, damit Erfahrung auf naives Denken trifft.

Ein Werkzeug, das auch Professor Volker Stein vorschlägt. Er leitet an der Uni Siegen den Lehrstuhl für Personalmanagement. „Die heute 60-Jährigen sind weit entfernt davon, in den Nichtsnutz abzurutschen.“ Wer seine Mitarbeiter motivieren möchte, müsse Anreize schaffen: Altersgerechte Karrierepläne, Wertschätzung und eine gute Organisation der Weiterbildung. „Was der Kollege lernt, muss anwendbar sein und am Arbeitsplatz weiterhelfen.“

Über die Frage, ob es ihr schwer fällt, Neues zu lernen, denkt Gabriele Fahlefeld kurz nach. Dann erzählt sie von ihrer Vorgängerin, die 50 Jahre an ihrem Platz saß. „Sie sprach jeden Mitarbeiter mit Namen an. Ich dachte nur: Das schaffst du nie.“ Fahlefeld merkte sich nach sechs Monaten alle Gesichter, Namen, Position – inklusive der Durchwahl. „Dinge, die mit meinem Job zusammenhängen lerne ich schnell.“

Wie die Berleburger Firma Busch-Jaeger Elektro auf den Erfahrungsschatz der Kollegen setzt 

Der kunststoffverarbeitende Betrieb Busch-Jaeger Elektro im Bad Berleburg zählt für die IHK zu den Firmen, die vorbildlich mit dem Erfahrungsschatz älterer Kollegen umgehen. Dort arbeiten 258 Leute, 103 sind ü50. Durchschnittsalter: 44,1 Jahre. Im Betrieb werden vier Konzepte umgesetzt, um die Mitarbeiter zu fördern:

  • Wissenstransfer. Um das Wissen der ausscheidende Mitarbeiter im Betrieb zu halten, arbeitet der Stellennachfolger sechs Monate intensiv mit dem baldigen Rentner zusammen. Der ältere Kollege genießt Wertschätzung für seine Leistung, der jüngere profitiert vom Wissen, erklärt Jens Riedesel, Leiter der Kunststoff-Produktion.
  • Gemischte Teams. Um Arbeitsplätze und Herstellungsprozesse zu verbessern, arbeiten in Workshops Azubis, Facharbeiter aus allen Abteilungen und Altersstufen zusammen.
  • Fortbildungen.Regelmäßige interne und externe Schulungen.
  • Generationenprojekt. Azubis und jungen Facharbeitern wird über Jahre ein erfahrener Pate zu Seite gestellt.

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