Oper

Wuppertaler Inszenierung von "Madama Butterfly" enttäuscht

Szene aus  „Madama  Butterfly" in Wuppertal mit Sopranistin

Szene aus „Madama Butterfly" in Wuppertal mit Sopranistin

Foto: Uwe Stratmann / Wuppertaler Bühnen

Wuppertal.   Wuppertal feiert mit der Sopranistin Hye-Won Nam eine sensationelle Madama Butterfly. Die Regie von Puccinis Opernkracher ist allerdings enttäuschend.

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Der verdorrte Kirschbaum reckt krallengleich seine Äste in die Szene: ein trostloses Mahnmal, das von Anfang an klar macht: Diese Geschichte wird nicht gut ausgehen. Die Wuppertaler Bühnen zeigen jetzt Giacomo Puccinis Opernkracher „Madama Butterfly“ in einer unterkühlten und viel zu harmlosen Inszenierung. Der Beifall im Stehen am Ende der Premiere gilt vor allem Hye-Won Nam als sensationeller Butterfly.

Dominik Neuner zeichnet für Regie und Bühnenbild gleichermaßen verantwortlich. Er inszeniert mit einem Minimum an Interpretation und einer Personenführung, die den Rand der Karikatur streift. Der Einheitsraum mit Riesentreppe für den Chorauftritt und kargem Bungalow als Liebesnest spiegelt in seiner Nüchternheit das Geschäft, um das es hier geht: Der spießige US-Offizier Pinkerton kauft sich ein bisschen erotisch-exotischen Kitzel. Neuner stellt den Altersunterschied zwischen der 15-jährigen Geisha und dem Marine-Leutnant stärker heraus als den kulturellen, der doch diese Liebe erst zur Katastrophe werden lässt.

Groteske Überzeichnung

Pinkerton und der Konsul Sharpless sind steife und verklemmte Männer, die ihre besten Jahre hinter sich haben. Auch wenn Butterfly auf dem Papier zum Christentum übertritt, bleiben beide Liebenden in ihrer jeweiligen Welt und deren Wertvorstellungen gefangen.

Das ist verglichen mit heutigen Inszenierungs-Standards viel zu wenig an Deutung, zumal der Hagener Intendant Norbert Hilchenbach in der aktuellen Hagener „Butterfly“ auf gefluteter Bühne demonstriert, wie man die Tragödie im Zeitalter der Globalisierung als Prozess eines kulturellen Identitätsverlustes interpretieren kann.

Neuners Wuppertaler Personenführung ist darüber hinaus zumindest gewöhnungsbedürftig. Pinkerton stolziert am Anfang herum, als wäre ihm in der Erwartung seiner Kindbraut schon die Hose zu eng und muss am Ende mit den Knien schlottern wie ein Laiendarsteller in der Karnevalssitzung, damit das Publikum merken soll, dass er feige ist. Gegen diese grotesken Überzeichnungen kann der walisische Tenor Timothy Richards gar nicht wirklich ansingen, trotz der sicheren Höhe und der schönen warmen Timbrierung seiner großen Stimme.

Butterfly und ihre Dienerin Suzuki tanzen vor Freude über Pinkertons Rückkehr Ringelreihen und verteilen tatsächlich Plastikblumen, während Butterflys dreijähriger Sohn schon so groß wie seine Mutter ist.

Allerdings stürzt sich Hye-Won Nam mit solcher Leidenschaft in die Titelrolle, dass man bei ihren großen Arien die Mängel der Regie übersieht. Die koreanische ­Sopranistin gibt alles, sie kann allerliebste und zarteste Innigkeit in berückend schöne Töne ­verwandeln und gleichzeitig völlig außer sich geraten – selten hört man eine Sopranistin, die nicht nur mit ihren Spitzentönen Magie beschwört, sondern sich auch derart rückhaltlos in der Bruststimme einsetzt.

Spannendes Dirigat

Prof. Ulrich Windfuhr ist einer der Bewerber um die Position des neuen Wuppertaler Generalmusikdirektors. Sein Puccini-Dirigat überzeugt durch seine spannende analytische Durchleuchtung der Partitur, in der die exotischen Klangfarben und Harmonien kein pikantes Kolorit sind; sie beschreiben vielmehr psychische Extremsituationen der Protagonisten.

Weitere Wuppertaler GMD-Kandidaten stellen sich in den nächsten „Madama-Butterfly“-Vorstellungen vor.

Karten und weitere Termine: www.wuppertaler-buehnen.de

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