Verkehr

Wuppertaler Schwebebahn: Ärger um das Wahrzeichen der Stadt

Mit den neuen Zügen kamen die Probleme, sagen die Wuppertaler Stadtwerke.

Mit den neuen Zügen kamen die Probleme, sagen die Wuppertaler Stadtwerke.

Foto: dpa Picture-Alliance / Jochen Tack

Wuppertal.  Die Wuppertaler Schwebebahn ist 120 Jahre alt und bekannt bis nach New York. Weil sie kaum noch fährt, droht ein Gerichtsstreit.

Um die Situation zu beschreiben, reichen die Wörter, die der Duden kennt, offenbar nicht aus. „Das ist ein Lachschlager“, sagt Winfried Gollmer. Das Wort bedeutet frei übersetzt wohl so etwas wie eine schlechte Komödie. „Ich bin selber von der Technik“, sagt der Rentner, der von Beruf Maschinenbauer war. „Es ist mir völlig unverständlich, dass man uns hier so Rappelkisten hingehängt hat.“

Mit Rappelkisten meint er die neuen Wagen der Wuppertaler Schwebebahn, die immer wieder Probleme machen. Deswegen steht die Schwebebahn, seit mehr als 100 Jahren das Wahrzeichen der Stadt, nun größtenteils und langfristig still. Die Sache könnte irgendwann noch vor Gericht landen.

Der Puls der Stadt

Gollmer ist soeben in der Nähe der City-Arkaden einem Bus entstiegen, der die Fahrten der Wuppertaler Schwebebahn ersetzt. Denn die fährt seit dem Ende der Sommerferien nur noch am Wochenende. Ihren normalen Dienst wird sie vermutlich nicht vor Sommer 2021 aufnehmen können. „Der Puls der Stadt“ – wie es auf der Internetseite der Schwebebahn heißt – ist nicht zum ersten Mal verlangsamt bis fast zum Stillstand. Das riesige grüne Metallgerüst, unter dem die Wagen sonst über die Wupper und die Straßen fliegen, liegt wie eine leblose Schlange in der Stadt.

„Sche…ße ist das“, sagt Nicole Gallmeister. Sie betreut ältere Herrschaften, muss deswegen quer durch die Stadt. „Ich brauche jetzt länger im Berufsverkehr“, sagt sie, weil die Busse nun mal an die Gesetze der Straße gebunden sind. Wenn es voll ist, stehen auch sie. Die Schwebebahn konnte stets alle Hindernisse überfliegen. „Es war immer schön, mit ihr zu fahren“, sagt sie, als wäre es eine Erinnerung an längst vergangene Zeiten. „Die Schwebebahn macht die Stadt aus.“

Wuppertaler Schwebebahn schafft es ins Museum of Modern Art in New York

1901 ist sie eröffnet worden. Wie visionär das damals war, verdeutlicht ein Film, der gerade durch das Internet gespült wird. Darin sind alte Aufnahmen von einer Schwebebahnfahrt in 1902 zu sehen. Das Bildmaterial ist von einem russischen Videokünstler nachkoloriert worden und vom weltberühmten Museum of Modern Art in New York veröffentlicht worden. Eine fast atemberaubende Zeitreise ist das. Umso schlimmer ist, dass das, was Jahrzehnte und über ein Jahrhundert lang funktionierte, nun so nachhaltig defekt ist.

Michael Rosenkranz nutzt die Schwebebahn selbst kaum. Er ist gerade in der Stadt und blickt auf das grüne Metallfachwerk der Schwebebahn, unter dem sonst fast im Minutentakt Bahnen einschweben. „Das macht mich traurig. Drei Jahre haben unsere Vorfahren gebraucht, um sie zu bauen…“, sagt er, ohne den Satz zu beenden. Kopfschütteln darüber, dass nun neueste Technik dauerhaft nicht funktioniert.

Seit der Einführung der neuen Bahnen des Herstellers Kiepe Electric vor vier Jahren mache die Schwebebahn Probleme, heißt es von den Stadtwerken Wuppertal (WSW) . Seit April trete nun ein „atypischer Verschleiß der Räder“ auf, der „zu Schäden am Gerüst“ führe. Eine Schadenersatz-Klage gegen den Hersteller ist in Vorbereitung. „Die Klage ist das letzte Mittel, aber nach einem vierjährigen Leidensweg für uns und unsere Fahrgäste sehen wir keine andere Möglichkeit mehr“, sagt der WSW-Aufsichtsratsvorsitzende Dietmar Bell.

Experten prüfen derzeit

Derzeit sind neun Fachleute damit beschäftigt, verschiedene Wirkbereiche zu überprüfen, um den Ursachen auf den Grund zu gehen: Schienen werden vermessen, Profile kontrolliert, Sensoren überprüft, Kamerafahrten gemacht, Materialprüfungen durchgeführt. Wenn diese Ergebnisse vorliegen, will sich auch die Hersteller-Firma zum weiteren Vorgehen äußern. Bis dahin und noch länger fährt die Schwebebahn nicht oder kaum.

„Die Schwebebahn ist für Wuppertal unverzichtbar“, so Markus Hilkenbach, der Vorstandsvorsitzende der dortigen Stadtwerke. Er gibt das Ziel vor: „Unsere Aufgabe ist es, aus dem Mängelmodell wieder das Wahrzeichen der Stadt zu machen, auf das die Wuppertaler stolz sein können.“

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