Ohne Obdach

Zahl der Wohnungslosen auch in Südwestfalen gestiegen

Besuch in der Suppenküche Hagen e.V.

Anlässlich der Erscheinung des Armutsberichts 2017 besuchten wir die Suppenküche Hagen e.V. Täglich kommen ungefähr 120 Menschen dorthin.
Mo, 25.09.2017, 17.13 Uhr

Besuch in der Suppenküche Hagen e.V.

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Hagen.   Mehr Flüchtlinge, weniger Sozialwohnungen: Warum die Zahl der Menschen in NRW und Südwestfalen zunimmt, die keine eigene Wohnung haben.

Die Zahl der wohnungslosen Menschen steigt in NRW und teils auch in Südwestfalen seit Jahren kontinuierlich an. So waren zum Stichtag 30. Juni des vergangenen Jahres in Nordrhein-Westfalen 25 000 Menschen ohne eigene Wohnung; im Jahr 2015 waren es noch annähernd 21 000 und im Jahr davor 20 000.

Im Regierungsbezirk Arnsberg ist die Zahl der Wohnungslosen von 2600 im Jahr 2014 auf 3600 im Jahr 2016 gestiegen. Das geht aus einem Bericht von NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann an den Düsseldorfer Landtag hervor.

Asylbewerber

Ein Grund für den starken Anstieg im vergangenen Jahr ist diesem Bericht zufolge die gestiegene Zahl anerkannter Asylbewerber, „die die Asylunterkünfte verlassen müssen und auf dem angespannten Wohnungsmarkt im unteren Preissegment keine Wohnung finden“. Weil viele junge Männer ohne ihre Familien kommen, konkurrieren sie um die ohnehin knappen bezahlbaren kleinen Wohnungen mit anderen Alleinstehenden.

Nach dem Spitzenwert im vergangenen Jahr gehen die Zahlen nun zwar wieder zurück, erklärt Heidrun Schulz-Rabenschlag von der Diakonie Mark-Ruhr, die in Hagen, im Ennepe-Ruhr-Kreis und im Märkischen Kreis mehrere Beratungsstellung für Wohnungslose betreibt. Doch auch ohne den Sondereffekt durch die Flüchtlinge sei die Zahl der Wohnungslosen, die in den Beratungsstellen Hilfe suchten, „auf hohem Niveau leicht steigend“. Das belegt auch der Bericht des Sozialministeriums mit Zahlen seit dem Jahr 2011.

Sozialwohnungen

Eine Ursache: Die Zahl der bezahlbaren Sozialwohnungen ist im Land dramatisch zurückgegangen. Seit dem Jahr 2000 von etwa 880 000 Wohnungen auf 467 000 im Jahr 2016. Das ist ein Rückgang um 47 Prozent. Grund ist, dass Sozialbindungen der geförderten Wohnungen ausgelaufen sind.

Doch selbst wenn Sozialwohnraum zur Verfügung stehe, dann sei er für viele Empfänger von Sozialleistungen dennoch „nicht erschwinglich“, kritisiert Heidrun Schulz-Rabenschlag. Diese Mietpreise seien bei Sozialbehörden „nicht anerkennungsfähig“, so Heidrun Schulz-Rabenschlag.

Die Lage sei im Übrigen auf dem Land nicht entspannter als in den Städten, so Heidrun Schulz-Rabenschlag. Zwar möge es mehr freien Wohnraum geben, oft aber seien die Vorbehalte der Vermieter größer, an bisher Wohnungslose zu vermieten.

Die Lösungen

liegen auf der Hand: „Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum“, so Heidrun Schulz-Rabenschlag. Und die Sozialbehörden müssten ihre Richtlinien anpassen, welche Mietpreise anerkennungsfähig seien.

Zudem fordert Heidrun Schulz-Rabenschlag, die Beratung zu verstärken. Bisher betreuten an den Standorten Hagen, Schwelm, Iserlohn, Hattingen und Witten jeweils zwei Berater mehrere Hundert Hilfesuchende im Jahr.

Verbessert werden müsse auch die Prävention, also Hilfe für Menschen, deren Mietschulden so hoch seien, dass sie ihre Wohnung absehbar verlieren. Diese aufsuchende Hilfe allerdings sei „sehr aufwendig“, weil die Menschen die Tür aus Sorge vor Gläubigern oft die Tür und Briefe nicht öffneten, wenn man bei ihnen klingele. Dann müsse man Nachbarn um Hilfe bitten, Zettel unter der Tür durchschieben und immer wieder kommen, bis man durchdringe, erklärt Heidrun Schulz-Rabenschlag.

Der Aufwand jedoch rechne sich: „Jeder wohnungslose Mensch produziert enorme Folgekosten – zum Beispiel in der Gesundheitsversorgung“, warnt Heidrun Schulz-Rabenschlag.

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