Mobilität

Busunternehmer: Topographie ein Problem für E-Mobilität

Carsten Diehl (45) Bad Laasphe Busunternehmer, sieht im Dieselmotor nach wie vor das Rückgrat des Bus- und Lastwagenverkehrs im ländlichen Raum.

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Foto: Lars-Peter Dickel

Bad Laasphe.  Aus seinem Hobby hat Busunternehmer Carsten Diehl eine eigene Firma gemacht. Über zukünftige Antriebsmöglichkeiten beschäftigt er sich intensiv.

Am liebsten sitzt Carsten Diehl hinter dem Steuer. Busfahren ist sein Hobby, seit er mit 21 Jahren den Busführerschein gemacht hat. Doch der 45-jährige hat in den vergangenen Jahren immer häufiger das Lenkrad gegen den Schreibtisch tauschen müssen, weil er aus seinem Hobby einen Beruf und dann ein erfolgreiches Unternehmen in Bad Laasphe gemacht hat. Heute hat der verheiratete Vater von drei Kindern neun Reise- und Linienbusse, 20 Mitarbeiter und ein eigenes Reisebüro.

Mit Carsten Diehl sprechen wir über die Zukunft der Mobilität, über Reisen, Öffentlichen Personennahverkehr auf dem Land und die Auswirkungen des Dieselskandals auf seine Branche. Vieles ist im Fluss und entwickelt eine besondere Dynamik.

Entwicklung: Vom Industriemechaniker zum Busunternehmer

Mit Dynamik kann Diehl gut umgehen. Er bleibt gelassen und optimistisch. Das liegt sicher auch an seiner Geschichte, die ihn nicht auf direktem Weg zum Unternehmer gemacht hat: „Ich habe Industriemechaniker gelernt und dann bei der Bundeswehr den Lkw-Führerschein gemacht. Mein Vater war Postbeamter und hat als Hobby Bus gefahren. Mir hat das auch so viel Spaß gemacht, dass ich auch den Busführerschein gemacht habe.“

Beide Freizeit-Chauffeure behalten zunächst ihre Berufe. „Aber es kamen immer mehr Freunde und Vereine zu uns, die von uns gefahren werden wollten. Also haben wir uns 1995 unseren ersten gebrauchten Reisebus gekauft. Das hat dann so eine Dynamik entwickelt, dass 1997 der zweite Bus dazu kam und 2000 die erste Buslinie für die Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd.“ Nur drei Jahre später kauft Carsten Diehl das Reisebüro Roth in Bad Laasphe und verlegt auch den Firmensitz 2010 vom Heimatdorf Banfe ins Ludwig-Koch-Center nach Bad Laasphe. Inzwischen ist aus der Familienfirma auch eine GmbH geworden.

Deutschen wollen ihr Land kennenlernen

„Busreisen, gerade auch in Deutschland oder dem deutschsprachigen Ausland, sind sehr gefragt.“ Hier bemüht sich der Bad Laaspher Unternehmer intensiv um Gruppen wie Vereine. „Die bekommen von uns ein Angebot, das Reise, Unterkunft und Besichtigungsprogramme umfasst.“

Warum liegt Deutschland so im Trend? Das habe auch etwas damit zu tun, dass viele Deutsche – auch die jungen – Urlaubsziele wie Mallorca, Thailand oder Amerika kennen und jetzt umschwenken und sich sagen, „ich möchte jetzt mein Land kennen lernen“.

Busunternehmer sieht Bürgerbus positiv

Neben den Reisen ist der Schulbus- und Linienverkehr eine wichtige Einnahmequelle. Trotzdem empfindet Diehl Anrufsammeltaxis oder den Bürgerbus nicht als Konkurrenz. „Ich sehe das sehr positiv! Der Bürgerbus ist für die künftige Mobilität nicht mehr wegzudenken. Er fährt durch die kleineren Straßen, die große Busse gar nicht anfahren können. Auch die Anrufsammeltaxis sind eine gute Ergänzung zum ÖPNV-Angebot“.

Topographie im Wittgensteiner Land für Elektromobilität ein Problem

Mehr Kopfzerbrechen als die verschiedenen Mobilitätsangeboten macht Carsten Diehl die Debatte über den Dieselskandal und Fahrverbote. „Ich befasse mich sehr viel mit alternativen Antrieben. Aber Elektro-Mobilität ist bei unserer Topographie ein Problem. Also wird der Diesel auf dem Land noch sehr lange nicht ersetzt werden können. Als Zukunftsvision kann ich mir aber die Fuel-Cell (Brennstoffzellenantrieb) sehr gut vorstellen.“ Ob mit oder ohne Brennstoffzelle. Busfahren wird eine wichtige Form der Mobilität bleiben. Also kann Diehl optimistisch in die Zukunft schauen.

zum Zukunftsrauschen...
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