Freizeit

„Chorgesang ist ein Spiegel der Seele“

Zukunftsrauschen: Männergesangsvereine

Singen ist für Günter Langen im Chor am schönsten.

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Medebach.  Männergesangvereine haben Nachwuchsschwierigkeiten. Günter Langen, langjähriger Sänger im MGV Medebach, plädiert für Offenheit und Innovation.

Wenn er singt, dann spricht seine Seele, sagt Günter Langen. Von klein auf begleitet ihn der Gesang, diese „Sprache der Engel“, wie der Geschichtsschreiber Thomas Carlyle zu Lebzeiten sagte. In Langens Familie wurde ohnehin viel gesungen, später in der Schule dann auch.

Heute blickt der 83-Jährige auf 33 Jahre aktive Sängerschaft im MGV Männergesangverein Medebach zurück – und auf Momente seines Leben, die das Singen geprägt hat. Er hofft, aus guten Gründen, dass Chöre Zukunft haben.

Momente

Zur 800-Jahr-Feier der Stadt Medebach bereitet der damals 14-jährige Günter Langen im Schulchor ein Werk Joseph von Eichendorffs zur Präsentation vor. „Das, was man in solchen Momenten singt, nimmt man als lebenslange Prägung auf“, sagt der Medebacher. „Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus“, sagt der 83-Jährige die wunderbaren Zeilen der „Mondnacht“ auf, als versetzten sie ihn noch heute in den längst vergangenen Moment zurück.

Veränderungen

Doch nach der Schulzeit wird die Zeit zum Singen knapp. Ausbildung, dann mit 23 Heirat, Familiengründung und der Aufbau seiner eigenen Kaffeerösterei – zunächst als Ein-Mann-Betrieb. Er singt weiter, mit seinen Kindern, zu Weihnachten, wann immer sich die Gelegenheit ergibt. Aber erst mit 50 Jahren findet er den Weg zum Männergesangverein Medebach. „Der Chorgesang ist ein Spiegel der Seele“, sagt Günter Langen. Ihn begeistern die Gemeinschaft, die Motivation und Freude, die die Chormitglieder empfinden, wenn sie zusammen singen.

Auch in seinen 15 Jahren als Landtagsabgeordneter versucht Langen die wöchentlichen Chorproben am Donnerstagabend wahrzunehmen. „Das hat natürlich nicht immer funktioniert“, so der gebürtige Düsseldorfer. Die Zeit in seiner Geburtsstadt bestätigt ihm dann aber auf ungewöhnliche Weise, dass es auch in stressigen Zeiten lohnt, am Gesang festzuhalten. „Als begeisterter Fußballspieler war ich damals mit dem FC Landtag in Japan zu Gast“, erzählt Günter Langen. Nach den Spielen gegen den Gastgeber sitzen die Mannschaften gemütlich zusammen. „Und das war eine Überraschung: Die Japaner sind ganz begeistert von deutschen Volksliedern. Ein bisschen geschämt haben wir uns ja, dass sie sogar die zweiten und dritten Strophen beherrschten, während uns einige Zeilen fehlten.“

Einmal kommt ein Spieler der japanischen Mannschaft auf Günter Langen zu, lobt ihn für seinen schönen Gesang. „Er hat mich dann gefragt, ob ich für die Witwe eines verstorbenen Freundes singen würde. Ihr Mann habe immer so gerne ‘Rosemarie, sieben Jahre mein Herz nach dir schrie’ gehört“, erzählt der 83-Jährige. Als die Frau das geliebte Lied hört, stehen ihr Tränen in den Augen.

Herausforderungen

Es sind auch diese wertvollen Erfahrungen, die Günter Langen motivieren, sich für das Fortbestehen der Chorlandschaft einzusetzen. Denn wenngleich Eichendorffs Werke nach wie vor populär sind, fehlt es an Nachwuchs, der seine Lieder in traditionellen Männerchören mit Leben erfüllen könnte. „Unsere Chöre werden zu alt.“ Zwar singen im MGV Medebach immerhin 40 Mann, „aber wenn bei uns nichts passiert, dann ist schneller Schluss, als man denkt“. Langens Ansatz: „Wir müssen die motivieren, die sich in der Zeit nach der Ausbildung, nach der Familiengründung befinden.“

Jüngere Chormitglieder müssten gefordert werden. Mehr Offenheit sei wichtig, für alternative Konzepte und Vielfalt innerhalb traditioneller Chöre. „Inspiriert hat mich zum Beispiel der Chor 2000 dazu, den Hansechor Medebach zu initiieren. Das ist ein gemischter Chor, der nur ein Mal im Monat probt und etwa zwei Konzerte im Jahr gibt“, erklärt Langen. Auch in der Schule müsste wieder mehr gesungen werden, ist sich Langen sicher. Ganz ohne Notenlehre, einfach des Gesangs wegen.

Die Begeisterung für die Kraft der Lieder und des gemeinsamen Singens versucht der 83-Jährige derweil in seiner Familie zu vermitteln: „Wenn am ersten Weihnachtstag die ganze Familie zu meiner Frau Rosemarie und mir zu Besuch kommt, dann singen meine elf Enkel und ich vor der Bescherung einige Weihnachtslieder.“ Wenn sich die Stimmen der Generationen mischen, erfüllt eine feierliche Stimmung das Haus der Langens. „Nur mehr als drei oder vier Lieder dürfen es dann doch nicht sein. Schließlich sorgen die Geschenke für Spannung.“

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