Digitalisierung

Data Scientist: "Digitalisierung ist eine Bereicherung"

Zukunftsrauschen: Matthias Reuber über Digitalisierung

Matthias Reuber (26), Data Scientist bei der Firma Statmath in Siegen beantwortet Fragen zum Thema Digitalisierung.

Matthias Reuber (26), Data Scientist bei der Firma Statmath in Siegen beantwortet Fragen zum Thema Digitalisierung.

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Matthias Reuber ist Data Scientist beim Siegener Unternehmen statmath.

Matthias Reuber ist Data Scientist beim Siegener Unternehmen statmath.

Netphen.  Matthias Reuber ist Data Scientist beim Siegener Unternehmen statmath. Er sieht im neuen Umgang mit Daten viele Chancen für die Gesellschaft.

Via Internet die Sprechstunde des Hausarztes besuchen, den Reisepass online beantragen oder die Vorlesung im Online-Portal nachholen. Matthias Reuber sieht in der Digitalisierung viele Chancen für die Zukunft.

Der 26-Jährige arbeitet neben seiner Promotion an der Universität Siegen für das Siegener Unternehmen statmath als Data Scientist – ein Beruf, der erst im Zuge der Digitalisierung entstanden ist. „Ich beschäftige mich mit der Analyse von Daten aus unterschiedlichen Bereichen. Es geht darum, Muster zu erkennen und Prognosen zu erstellen, um für Unternehmen bestimmte Fragen zu beantworten“, erklärt der 26-Jährige.

Digitalisierung definiert er so: „Informationen werden digital gespeichert, verarbeitet und ausgewertet, damit daraus Mehrwerte erzielt werden können“. Darum geht es auch hauptsächlich in seinem Job. Unternehmen sammeln Daten über ihre Kunden und können nach deren Auswertung Prozesse optimieren und bessere oder auf den Kunden maßgeschneiderte Produkte anbieten. „Das fängt schon damit an, dass man bei Facebook personalisierte Werbung bekommt.“

Chancen

Der neue Umgang mit Kommunikation, Daten und Medien biete viele Möglichkeiten, zum Beispiel im medizinischen Bereich. „Viele Menschen ziehen vom Dorf in die Stadt. Immer weniger Ärzte lassen sich auf dem Land nieder. Da ist die Digitalisierung ein großer Vorteil – Stichwort Telemedizin: Es gibt die digitale Sprechstunde, damit Teile der Bevölkerung nicht von der medizinischen Versorgung abgeschnitten werden.“ Und er sieht noch mehr Potenzial für die Zukunft: „Ich bin mir sicher, dass sich im Bereich Gesundheit und Pflege noch einiges ändern wird. Zum Beispiel könnten alle Gesundheitsdaten auf der Versichertenkarte gespeichert werden. Datensicherheit ist dann natürlich eine wichtige Frage, die es zu klären gilt.“

Für Schulen kann Reuber sich eine noch bessere Ausstattung mit Whiteboards und Tablets vorstellen. Im Bereich der öffentlichen Verwaltung sei es in einigen Kommunen bereits möglich, Personalausweise online zu beantragen. „Meiner Meinung nach sollte man organisatorische Behördengänge online erledigen können“, so der 26-Jährige.

Veränderungen

In der Schule belegte Reuber das Fach Informatik und hatte dadurch früh einen Bezug zu Computern und zur Programmierung. Er gehört zu der Generation, die mit den digitalen Veränderungen in der Gesellschaft aufgewachsen ist. „Zuhause habe ich noch mitbekommen, wie wir uns über ein Modem einwählen mussten. Das dauerte lang und dann durfte ich nur kurz online sein, weil das damals viel mehr gekostet hat.“

Sein jüngerer Bruder war wenige Jahre später in einer Laptopklasse, in der Schüler den Umgang mit dem Gerät und die Möglichkeiten, die ein Laptop bietet, kennen lernen. „Man stellt nicht nur neue Ressourcen zur Verfügung, sondern lernt auch damit umzugehen, vielleicht auch wertzuschätzen, welche Vorteile die analoge Welt hat.“

Ein Vorteil der digitalen Welt sei jedenfalls, dass Papier gespart wird: „Ein Tablet, auf dem alles gespeichert ist, ist umweltfreundlicher, als wenn jeden Tag zig Arbeitsblätter ausgedruckt werden müssen.“

Vorteile und Kritik

Mittlerweile gebe es in unserem Alltag eigentlich keinen Bereich, in dem die Digitalisierung noch nicht angekommen sei, sagt er. Am offensichtlichsten habe sich die Kommunikation durch die Digitalisierung verändert. „Früher hat man Briefe verschickt und auf Antworten gewartet, heute kann man Informationen per Knopfdruck innerhalb weniger Sekunden durch die ganze Welt senden.“

Als weiteres Beispiel nennt er Online-Banking: „Ich muss Überweisungen nicht mehr analog vor Ort abgeben, sondern kann das Ganze übers Internet regeln.“ Auch an der Universität sieht er positive Auswirkungen der Datenspeicherung, beispielsweise die Verfügbarkeit von Vorlesungsskripten online. „Durch die Digitalisierung kann das Leben der Menschen erleichtert werden.“

Fehlende Transparenz

Generell bewertet der Data Scientist die Entwicklungen im Zuge der Digitalisierung positiv: „Es können viel mehr Informationen einfacher gespeichert, verarbeitet und wieder aufgerufen werden als analog. Die Schnelligkeit nimmt zu.“ Das könne aber auch ein Nachteil sein, wenn darunter die Genauigkeit leidet.

Für den 26-Jährigen ist der größte Kritikpunkt die fehlende Transparenz: „Es macht mir teilweise ein bisschen Angst, wenn ich an meinem Handy irgendwas gegoogelt habe und dann auf meinem Rechner direkt Werbung dementsprechend bekomme. Die Transparenz geht dabei verloren.“

Immer mehr Informationen

Generell gehe Digitalisierung damit einher, dass immer mehr über den Menschen bekannt sei. „Es werden immer mehr Informationen über Menschen gesammelt. Dem kann man sich meiner Meinung nach ein Stück weit verschließen, aber nicht ganz. Man hat ein Stück weit Kontrolle darüber, wie viel man wo preisgibt“, sagt Reuber. Viele Bereiche der Digitalisierung seien für den Menschen nicht mehr durchschaubar. „Daten werden gesammelt und ausgewertet, aber wie es zu dem Ergebnis kommt, ist nicht immer klar. Viele Dinge werden vielleicht auch gar nicht mehr hinterfragt.“

>>> Gründer des Siegener Unternehmens Statmath

Dr. Alexander Hoffmann und Christian Friedrich sind die Gründer des Siegener Unternehmens Statmath. Mit Unterstützung des Gründerbüros der Universität Siegen machten sie sich mit ihrem Start-up-Unternehmen selbstständig. Der Durchbruch gelang den ehemaligen Mathematikstudenten schließlich mit einem Demografie-Projekt, für das der erste Kunde kein geringerer als die Sparkasse war. Die Idee war einfach: „Es gibt überall Daten – man muss sie nur nutzen“, so Alexander Hoffmann. Und die Nachfrage nach Datenanalyse wachse stetig, sagt der Gründer: „Es gibt nichts, was man nicht durch Datenanalyse optimieren kann.“

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