Bildung

Digitalisierung an Schulen: „Papier zerknüllen muss mal sein“

Corinna Grote (29) unterrichtet am Gymnasium Warstein.

Corinna Grote (29) unterrichtet am Gymnasium Warstein.

Foto: Sebastian Hahn

Warstein.  Corinna Grote (29) freut sich über die Möglichkeiten, die die Digitalisierung an Schulen bietet. Am Gymnasium Warstein will sie auch Traditionen beibehalten.

Tablets statt der klassischen Schulbücher, Whiteboards statt der altmodischen Tafel mit quietschender Kreide – für Corinna Grote gehen die Umstrukturierungen im Schulsystem manchmal ein wenig zu weit: „Natürlich ist ein Tablet an Stelle von schweren Schulbüchern sinnvoll und auch die neuen Dokumentenscanner sind toll. Aber manchmal muss ich auch einfach mal ein Papier zerknüllen.“

Die 29-Jährige spricht aus Erfahrung: Seit 2017 ist sie Lehrerin am Europa-Gymnasium Warstein, unterrichtet Kunst und Spanisch. „Die Berufswahl ist mir leicht gefallen, ich stamme aus einer Lehrerfamilie. Dann habe ich mir die Fächer ausgesucht, die mir am meisten Spaß machen“, erklärt sie.

Traum vom 3D-Druck

Nach ihrem Studium in Paderborn macht sie ihr Referendariat am Gymnasium Schloß Neuhaus – und bekommt aufgezeigt, was in der Schule in Zukunft möglich ist. „Der Vergleich hinkt natürlich, denn die Schule dort ist viel größer als in Warstein. Aber im Rahmen eines Schüleraustauschs habe ich in Dänemark gesehen, wie die Schüler im Kunstunterricht mit einem 3D-Drucker eigene Figuren designen. Das in den eigenen Unterricht einzubauen, wäre schon toll“, erklärt sie.

Dennoch habe sich der Unterricht in den vergangenen Jahren schon spürbar verändert. „Im Kunstunterricht etwa werden Themen wie Bildbearbeitung am Computer behandelt, vor ein paar Jahren war das noch ganz anders.“ Grote glaubt, dass Schulen immer digitaler werden und sich die Inhalte dementsprechend anpassen. „Sei es die gelesene Literatur oder die Art des Unterrichtens. Wobei da in den vergangenen Jahren schon einiges getan wurde. Den Frontalunterricht gibt es nur noch selten“, ergänzt sie.

Stichwort Lehrermangel

Während auf fachlicher Ebene der große Wandel schon vollzogen ist, bleibt das Stichwort Lehrermangel bei der 29-Jährigen auch in der Zukunft im Kopf. „Das bekomme ich schon mit. Besonders in den Naturwissenschaften werden viele Lehrer gesucht. Im Umkehrschluss gibt es aber auch viele Kollegen, die einfach keine Stellen für ihre Fächer bekommen.“

Sie selbst hat noch Glück gehabt, ist verbeamtet. Viele Kollegen dagegen hangeln sich von Schuljahr zu Schuljahr. „Der Beruf hat natürlich seine Vorzüge – aber meistens nur für die verbeamteten Kollegen. Daher schwingt bei den anderen immer eine gewisse Unsicherheit mit, ob man im nächsten Schuljahr noch da ist. Das kann schon frustrierend sein“, verrät Grote.

Außerdem fordert sie eine Stundenentlastung: „Mehr Lehrer bedeuten weniger Stunden pro Person und damit mehr Zeit für die Schüler. Denn nach dem Gong ist ja nicht Feierabend, da wartet dann noch ein Berg Arbeit.“

Schülern mehr Zeit lassen

Ein weiteres Thema, das ihr auf der Seele brennt: Die Rückkehr von G8 zu G9: „Für mich ist das der richtige Schritt. Den Schülern muss auch mal ein wenig mehr Zeit gelassen werden. Ich merke das auch im Unterricht: Die meisten Schüler sind nach ihrem Abitur noch nicht reif für das Studium.“ Daher findet Sie den Schritt zurück richtig. „Es bleibt mehr Zeit für Themen und Unterrichtsinhalte, das macht es für die Schüler besser.“

Corinna Grote wohnt in Geseke, fühlt sich mit der Region verbunden.“ Ich kann mir auch in 20 Jahren noch vorstellen, in Warstein zu unterrichten. Nur das Schulgebäude könnte ein wenig saniert werden“, sagt sie und schmunzelt. Mehr Tablets und Whiteboards wird es dann am Gymnasium Warstein auch geben – aber Zeit, um eine Zeichnung zu zerknüllen, wird ihr auch noch bleiben.

zum Zukunftsrauschen...
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