Familie

Ehepaar: „Vielleicht haben wir noch ein paar Jährchen“

Inge und Paul Droste können auf 44 gemeinsame Ehejahre zurückblicken.

Inge und Paul Droste können auf 44 gemeinsame Ehejahre zurückblicken.

Foto: Dinslage

Menden.   Paul Droste (96) und seine Frau Inge (91) meistern ihre körperliche Gebrechen mit Humor und setzen ihnen Lebensmut entgegen.

Wie viel Zeit wird die Uhr noch für sie haben? Paul Droste (96) und Inge Droste (91) leben bewusst im Hier und Jetzt. Sie genießen jeden Tag in trauter Zweisamkeit. „Wir würden ja gern noch einmal in unsere Lieblingsländer nach Skandinavien reisen und ausgiebig Urlaub machen. Doch das werden wir rein körperlich nicht mehr schaffen.“ Traurigkeit umspielt ihre Gesichter, als sie das sagen. Dabei mangelt es Inge und Paul Droste nicht an Lebensmut. Aber doch kreisen die Gedanken mit Blick auf die Zukunft auch um das Lebensende: „Vielleicht ist es uns vergönnt, am Ende friedlich nebeneinander einzuschlafen.“ In Liebe und im Tod vereint.

Paul und Inge Droste klagen nicht. Auch nicht über ihre gesundheitlichen Einschränkungen, die inzwischen gravierend geworden sind und den Alltag immer stärker prägen. Doch sie sprechen mit viel Humor und Augenzwinkern darüber: „Mein Mann sieht fast nichts mehr, und ich höre nur noch sehr schlecht. So ergänzen wir uns doch perfekt und helfen uns immer gegenseitig“, lächelt Inge Droste den WP-Besucher an.

Erfolgreich als Filmcutterin

„Das Leben hat es gut gemeint mit uns. Diesbezüglich können wir nur dankbar sein“, blicken die Mendener Senioren auf 44 gemeinsam verbrachte Ehejahre zurück. „Die beste Zeit hatten wir miteinander in Hamburg.“ Beide beruflich erfolgreich. Finanzielle Sorgen gab es trotz hoher Lebenshaltungskosten in der Millionenstadt nicht.

Inge Droste war einst in der DDR Lehrerin, hat vornehmlich Russisch unterrichtet. Dann zog es sie nach Westdeutschland. „Ich habe als Filmcutterein gearbeitet und unglaubliche viele großartige Leute kennengelernt. Mein Mann war bei MBB im Flugzeugbau tätig.“

Beide machen keinen Hehl daraus, dass zwischen Hamburg und Menden für sie Welten liegen. Das pulsierende Leben der Hansestadt und die vielen Kulturangebote haben sie in vollen Zügen genossen. Aber doch sind sie im Jahr 2004 gern wieder in Paul Drostes Heimatstadt Menden zurückgekehrt. Eine Zukunftsentscheidung. „Unsere finanziellen Möglichkeiten haben es zugelassen, dass wir uns für das Alter eine Wohnung im Hansa-Senioren-Wohnpark kaufen konnten. Wir fühlen uns sehr wohl hier. Nette Nachbarn haben wir, im Haus ist alles immer sehr sauber.“

Die zentrale Innenstadtlage an der Bodelschwinghstraße kommt Paul und Inge Droste sehr entgegen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht gemeinsam den städtischen Seniorentreff oder die Dorte-Hilleke-Stadtbücherei besuchen. „Sie sind in beiden Einrichtungen überaus gern gesehen Gäste“, versichern die Leiterinnen der WP. Gewiss liegt das auch daran, dass Paul und Inge Droste als „äußerst angenehm im Umgang“ gelten. Was nicht heißt, dass sie nicht kritisch wären: „Es ist jammerschade, dass der Seniorentreff die Angebote für uns ältere Mendener immer mehr reduzieren musste. Aber wir verstehen ja auch, dass die Stadt sparen muss.“

Auf die Seniorentreff-Leiterin Iris Schieferdecker und ihr Team lassen sie nichts kommen. Auch das Bücherei- und Lesecaféteam loben sie: „Die machen alle tolle Arbeit. Wir fühlen uns da sehr wohl.“

Der Mensch zählt

Als sie von Hamburg dann ganz nach Menden gezogen sind, war kaum noch etwas wie früher. Paul Droste: „Mir hat es schon sehr weh getan, wie groß der Leerstand in der Innenstadt geworden ist. Vielleicht wird es noch besser.“ Hoffnungen setzt er auf eine positive Sogwirkung durch die Innenstadt-Neugestaltung und sagt: „Das Geschehen an den Baustellen verfolge ich regelmäßig.“

Kann die Kleinstadt im Sauerland gegenüber der Metropole an der Elbe auch Vorteile haben? Inge Droste: „Wenn ich hier in Menden mal ein paar Tage in Geschäften nicht mehr gesehen worden bin, rufen die Leute besorgt bei uns zu Hause an. Das ist mir in Hamburg nie passiert.“ Und so genießen Inge und Paul Droste, dass sich viele Menschen für ihr Wohlbefinden interessieren. „Ja, das tut gut.“

Paul und Inge Droste sind das mit Abstand älteste Ehepaar, das den Seniorentreff besucht. Wie viele andere hochbetagte Mendener hoffen sie: „Vielleicht haben wir zusammen noch ein paar Jährchen.“

zum Zukunftsrauschen...
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