Glaube

„Am Wochenende war ich immer hier“

Der Glaube gibt Gerd Klinkmann Zuversicht.

Der Glaube gibt Gerd Klinkmann Zuversicht.

Foto: Klaus Goerzel

Wetter.  Obwohl Gerd Klinkmann (81) mit 75 Jahren als Presbyter aufhören musste, mischt er weiter in der Gemeinde mit. Der Glaube gibt ihm Zuversicht.

Gerd Klinkmann ist weit herumgekommen und doch ein Wetteraner durch und durch. Früh hat er sich in seiner Kirchengemeinde engagiert und das auch durchgehalten, als sein Job in der Nähe von Hannover war. „Am Wochenende war ich immer hier“, sagt er und meint damit seine Heimatstadt, aber auch das Haus an der Bergstraße Nummer 7. Seine Großeltern haben es gebaut, hier hat Klinkmann immer schon gewohnt. Mit 75 Jahren musste er im Presbyterium aufhören. So sind die Vorgaben. Das war eine Zäsur – und doch wieder nicht.

Jungschar, Jugendgruppe, mit Anfang 30 Mitglied im Presbyterium: Es ist der klassische Weg, auf dem der heute 81-Jährige in die gemeindliche Mitverantwortung gewachsen ist. Zwar hat das Berufsleben den Diplom-Ingenieur bis nach Österreich gebracht und für diese Zeit die Arbeit in der heimatlichen Gemeinde unmöglich gemacht. „Dafür war ich in Österreich im Presbyterium“, blickt Klinkmann zurück. Acht Jahre lang war er nach seiner Pensionierung Kirchmeister der Luther-Gemeinde in Altwetter. Bis er die Altersgrenze für Presbyter erreichte. „Das ist schon vernünftig, wenn irgendwann mal Schluss ist.“

Für Kirche wird es schwerer

Richtig Schluss geworden ist es dennoch nicht und soll es ja auch nicht sein. Als Kirchmeister war er für die Finanzen der Kirchengemeinde zuständig und für deren Liegenschaften. Die Nebenkostenabrechnungen für die Wohnungen in Gemeindebesitz macht er auch heute noch, und selbstverständlich geht er zu den Sitzungen des Redaktionskreises für den Gemeindebrief. Aufs Abstellgleis geschoben hat er sich also nie gefühlt. Das Loslassen ist auch deshalb leicht gefallen, weil er sieht, „dass der Nachfolger als Kirchmeister seine Sache richtig gut macht.“ Und für den Senior, was er zumindest der Altersangabe nach ist, scheint der Gedanke, dass man jederzeit aufhören kann und nicht an eine lange Amtszeit gebunden ist „nützlich und praktisch“.

Gerd Klinkmann blickt beim Gemeindeleben nach vorne, aber nicht mehr ganz so weit, wie das bei seinen früheren Aufgaben verlangt war. Für die Renovierung der Lutherkirche war ebenso wie für den Bau des Gemeindehauses an der Bismarckstraße langer Atem nötig. Auch wenn die Ziele mittlerweile etwas enger gesteckt sind, hat Klinkmann seine Zuversicht nicht verloren. „Eigentlich ist es doch immer gut gelaufen, und so wird es wohl auch weiter gehen“, sagt er, obwohl er die Kirchengemeinden vor schwierigen Aufgaben sieht. Der demografische Wandel wird durchschlagen, die Zahl der Gemeindeglieder zurückgehen, der finanzielle Spielraum kleiner werden. „Man muss neue Formen finden“, sagt er. Aber in einem kleineren Kreis könne das Engagement ja durchaus wachsen, wie etwa bei den Freikirchlichen Gemeinden. Und dann ist ja auch noch diese besondere Quelle für Zuversicht: „Ich denke ja auch, dass die Kirche nicht nur von Menschen getragen wird.“

Der göttliche Beistand gibt ihm auch persönlich Kraft. Klinkmann fühlt sich gesund für sein Alter, genießt das Reisen mit seiner Frau und hofft, sich noch möglichst lange an der Entwicklung der vier Enkel zu erfreuen.

Keine Festlegung für Rückzug

Hat er sich selbst irgendwelche Marken gesetzt, um den Rückzug auf Raten fortzusetzen? „Nein“, sagt Gerd Klinkmann, „Da bin ich offen.“ So lange es Gesundheit und graue Zellen zulassen, will er weiter in seiner Kirchengemeinde aktiv sein. Konsequenzen ziehen kann er immer noch. Denn ihm ist klar: „Es ist besser, von selbst aufzuhören, als von anderen darauf angesprochen zu werden.“

zum Zukunftsrauschen...
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben