Wohnen

„Es ist ja kein Abschied für immer“

Brigitte und Rudolf Plugge sehen der Zukunft in ihrer altersgerechten Wohnung gelassen entgegen.

Brigitte und Rudolf Plugge sehen der Zukunft in ihrer altersgerechten Wohnung gelassen entgegen.

Reiste  Rudolf und Brigitte Plugge ziehen in eine seniorengerechte Wohnung im Esloher Kurhaus ein. In Sachen Zukunft machen sie sich nicht verrückt.

Schon früh haben sich Brigitte und Rudolf Plugge aus Reiste Gedanken über ihre Zukunft im Alter gemacht. „Aber ohne uns dabei verrückt zu machen“, sagt die 77-Jährige und lacht. Ihr Mann Rudolf - er ist 82 Jahre alt - nickt zustimmend.

Ende des Jahres nun beginnt das neue Kapitel in ihrem Leben, das sie sorgfältig geplant haben. Dann ziehen die Plugges aus ihrer Wohnung im Rosenweg aus und in eine der seniorengerechten Wohnungen des nachbarschaftlichen Wohnprojektes im Esloher Kurhaus ein.

Erste Gedanken

Rund zehn Jahre ist es inzwischen her, als sich die beiden zum ersten Mal die Frage gestellt haben, wie es wohl in ein paar Jahren aussehen könnte. „Ich war damals gesundheitlich nicht gut zurecht - das Knie und die Hüfte“, sagt Rudolf Plugge. Inzwischen habe er zwar keine Schmerzen mehr, aber irgendwann werde der Tag kommen, an dem er und seine Frau die steile Treppe, die zur Wohnung im ersten Stock führt, nicht mehr bewältigen können, weiß er. Davon sind die beiden im Moment allerdings weit entfernt. Rudolf und Brigitte Plugge sind die klassischen „rüstigen Rentner“. Sie lachen viel und gerne und sind aktiv. Jetzt, wo es mit Knie und Hüfte wieder besser geht, holt Rudolf Plugge sogar das Holz für den Kachelofen wieder selbst nach oben. „Den werden wir nach unserem Umzug sicherlich ein bisschen vermissen“, sagt Brigitte Plugge. Auch, wenn er viel Arbeit mache.

„Sicherheit in schwierigen Lebenslagen“ Seit 1951 lebt die 77-Jährige in Reiste. Als ihre Eltern das Haus gebaut haben, war sie zehn Jahre alt. 1964 läuteten die Hochzeitsglocken - Rudolf Plugge zog von Landenbeck nach Reiste. Den von ihm aufgebauten Elektro-Installationsbetrieb hat inzwischen der Sohn übernommen. Aber der Rentner mischt mit seinen 82 Jahren gern noch mit. Auch das werde ihm bald sicherlich fehlen. „Und die Familie natürlich“, ergänzt Ehefrau Brigitte. „Die Kinder und die Enkelkinder!“

Vorteile und Nachteile

„Aber wir haben bei unserer Zukunftsplanung alle Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen“, sagt die 77-Jährige. Und bei einem Umzug ins Kurhaus überwiegen die Vorteile. Ein reines Seniorenheim, da waren sich beide schnell einig, das sollte es noch auf keinen Fall werden. „Wir wollen unabhängig bleiben, so lange es geht“, sagt Brigitte Plugge. Auch der Gedanke an ein betreutes Wohnen war schnell vom Tisch. „Da kann ich nicht selber kochen“, so die 77-Jährige. Das sei ihr sehr wichtig. Und Ehemann Rudolf ist es das auch. So bekommt er nämlich auch ab Dezember weiter seine geliebten Reibeplätzchen. Die sind dann zwar nicht mehr aus den Kartoffeln im eigenen Garten, aber sei’s drum.

Als sie damals zum ersten Mal vom „seniorengerechten Wohnen“ im Kurhaus gehört und gelesen habe, sei sie sofort Feuer und Flamme gewesen, sagt Brigitte Plugge. Und das sei sie immer noch, daran habe sich nichts geändert. Ehemann Rudolf sieht das zwar nicht ganz so euphorisch. „Ihm fällt der Wegzug von Reiste schon schwerer als mir“, sagt die 77-Jährige. „Ich lasse das auf mich zukommen“, fällt ihr der 82-Jährige ins Wort und lacht.

Freunde, denen sie von ihren Plänen erzählt haben, reagierten zumeist positiv . „Vor allem die Jüngeren haben gesagt, dass sie das gut finden“, erinnert sich Rudolf Plugge. Gehört habe er zwar auch mal den Satz „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“. Aber das sei Blödsinn - da sind sich Plugges einig. Beide sind der festen Überzeugung, dass ein alter umgepflanzter Baum nicht eingeht, sondern vielmehr wieder neu aufblüht. Mit dieser positiven Einstellung werden sie im Dezember den Schlüssel für ihre neue Wohnung entgegennehmen.

Verzicht

Seit Juli überlegen die Plugges, was sie ausrangieren wollen und was sie mit in ihre neue Wohnung nehmen. Denn: Statt der bisher 110 Quadratmeter in Reiste haben sie in Eslohe nur noch 63 Quadratmeter. „Aber das reicht“, sagt Brigitte Plugge. „Wir brauchen eine so große Wohnung nicht mehr.“ Und auch auf ihren 680 Quadratmeter großen Garten müssen die beiden verzichten. Kein Gewächshaus, keine Hochbeete, keine Zucchinis, keine eigenen Kartoffeln. „Dem trauert man in gewisser Weise zwar schon hinterher“, sagt Brigitte Plugge. „Aber auch mir fällt die Gartenarbeit nicht mehr so leicht wie früher“, muss die 77-Jährige sich mit einem netten Lächeln eingestehen. „Aber dafür haben wir in Eslohe ja viele Vorteile“, ergänzt sie: „Die Nähe zum Fachmarktzentrum, zu den Ärzten und zur Apotheke und die Gewissheit, dass die Sozialstation sowie eine Tagespflege mit im Haus sind, wenn es gesundheitlich mal nicht mehr so gut läuft wie im Moment.“

Vom Blick auf den Kurpark ganz abgesehen. „Das wird toll“, ist sich Brigitte Plugge sicher. Sie ist schon Mitglied im Beirat des nachbarschaftlichen Wohnprojektes. Gewünscht ist nämlich, dass sich die Mieter mit ihren Talenten einbringen. So wird sie die Einteilung des Gemeinschaftsraumes organisieren. Ehemann Rudolf lässt seine Aufgabe entspannt auf sich zukommen. Irgendetwas werde sich finden. „Schnee schippen, vielleicht“, sagt er und lacht.

Wichtiger Grund

Aber wie schwer fällt eigentlich die Trennung von Freunden und Nachbarn in Reiste? „Wir sind ja nicht aus der Welt“, sagt Brigitte Plugge. „Eslohe und Reiste liegen gerade einmal sieben Kilometer auseinander!“ Auch das sei ein wichtiger Grund für die Entscheidung gewesen. In der Reister Caritas-Gruppe werde sie sich auch nach dem Umzug weiter einbringen. Der Reister Seniorenkaffee steht ebenfalls weiter im Kalender der Plugges. Und auch der Rommé-Club wird auf sie nicht verzichten müssen. Der Umzug nach Eslohe ist schließlich kein Abschied für immer, er ist lediglich der Beginn eines neuen Lebensabschnitts.

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