Mobilität

Fahrrad spielt in der Zukunft eine entscheidende Rolle

Zukunftsrauschen: Verkehrsmittel Fahrrad mehr fördern

Der Arnsberger Pensionär Herbert Gillert sieht das Fahrrad als Verkehrsmittel im Aufwind.

Der Arnsberger Pensionär Herbert Gillert sieht das Fahrrad als Verkehrsmittel im Aufwind.

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Foto: Wolfgang Becker

Arnsberg.   Der Arnsberger Herbert Gillert sieht für das Fahrrad beste Chancen, in der Zukunft im innerstädtischen Verkehr eine wichtige Rolle einzunehmen

Mobilität in der Zukunft? Über seine eigene Mobilität macht sich da Sport- und Fahrradfreak Herbert Gillert keine große Sorgen. Wenn die Gesundheit stimmt. Aber wie sich das Mobilitätsverhalten in den kommenden Jahren vor Ort in der Stadt Arnsberg entwickeln wird, da ist sich der 66-jährige Pensionär ziemlich sicher: „Das Auto wird weiterhin dominieren.“ Dennoch sieht er das Fahrrad, wenn nicht unbedingt auf der Überholspur, als ein Fortbewegungsmittel, das in der Zukunft eine entscheidende Rolle spielen wird. „Wenn alle Faktoren stimmen.“

Zukunftsfähig, aber auch noch deutlich ausbaufähig ist für Herbert Gillert auf jeden Fall schon jetzt das Radwegnetz in Arnsberg, dass bei den Stadtplanern hohen Stellenwert genießt. Deren Ziel: Die BürgerInnen innerstädtisch zum Umsteigen vom Auto auf das Fahrrad zu bewegen. Für Gillert die richtige Richtung, auch wenn er selbst etwas skeptisch ist. „Denn letztlich hängt das von der jeweiligen persönlichen Einstellung ab.“

Er selbst, sagt Gillert, betrachte das Fahrrad derzeit noch als reines Sportgerät, „das ich für die persönliche Fitness und das Genussradeln nutze“. Aber natürlich wolle er nicht ausschließen, dass sich dies noch ändern könne. Denn einiges habe er seit seiner Pensionierung schon umgestellt: Das zweite Fahrzeug der Familie wurde abgeschafft und er bewege sich deutlich mehr zu Fuß.

„Aber ob ich später einmal komplett auf den Pkw verzichten könnte, das kann ich mir jetzt noch nicht so vorstellen.“ Zwar sei ihm durchaus bewusst, dass der Wechsel auf das Fahrrad den CO2-Ausstoß reduzieren helfe, „aber ich würde lügen, wenn ich sage, dass für mich in Sachen Mobilität derzeit ökologische Gründe im Vordergrund stehen“.

Radwegnetz noch ausbaufähig

Dennoch sieht der 66-Jährige große Chancen, das Fahrrad als Verkehrsmittel stärker in den Vordergrund zu rücken. Zum Beispiel für den täglichen Weg zur Arbeitsstelle, „auch bei Entfernungen bis zu 20 Kilometern.“ Doch da seien in erster Linie die heimischen Unternehmen und Verwaltungen im Rahmen ihres betrieblichen Managements gefragt. Durch Schaffung von Anreizen.

Zum Beispiel durch einen betriebsinternen Wettbewerb, wer die meisten Tage im Jahr den Weg zwischen Wohn- und Arbeitsstätte mit dem Rad zurücklegt, oder durch einen finanziellen Zuschuss beim Neukauf. Letzteres allerdings mit der Maßgabe, das Rad an einer Mindesttageszahl im Jahr für den Weg zwischen Wohn- und Arbeitsstätte zu nutzten. „Das könnte wirklich ein guter Anreiz sein.“

Hilfreich sei dabei mit Sicherheit auch die Einrichtung von Duschen und Umkleiden durch den Arbeitgeber. „Denn niemand will verschwitzt am Arbeitsplatz sitzen oder Termine wahrnehmen.“ In diesem Bereich gebe es also noch viel Luft nach oben, wolle man tatsächlich das Mobilitätsverhalten der Menschen nachhaltig verändern.

Eine entscheidende Rolle komme dabei natürlich dem Radwegnetz zu. „Das ist zwar in Arnsberg in Teilen schon sehr gut, doch ich sehe es bislang eher ausgelegt für das Freizeitvergnügen in bequemer Tallage. Aber was ist mit der Anbindung der Hauptverkehrstraßen wie Altes Feld, Ringstraße oder Rumbecker­straße als wichtige Verbindungen eben zu den Arbeitstellen? Da fehlt es noch an der erforderlichen Sicherheit für Fahrradfahrer.“

Letzteres vor allem vor dem Hintergrund der rasanten technischen Entwicklung der E-Bikes. „Diese werden künftig im Verkehr ein bedeutender Faktor sein.“ Was auf der einen Seite die Chance für die angestrebte Reduzierung des Individual-Kraftverkehrs sei, auf der anderen aber eine große Herausforderung für die Verkehrsplanung bedeute. „Die Kombination von Rad und Straße muss dann absolut stimmen. Gerade bei unserer nicht einfachen topografischen Situation.“

Allerdings sieht der Arnsberger mit dem starken Aufkommen der E-Bikes noch ein anderes Problem: „Viele Menschen sind mit diesen Rädern unterwegs, obwohl sie nach teils jahrzehntelanger Fahrrad-Abstinenz schon allein wegen der hohen Geschwindigkeit nicht sicher damit umgehen können. Es ist zwar gut, dass sich viele ältere Menschen auf diese Weise fithalten, aber damit nimmt das Gefährdungspotenzial zu.“ Hier sollte über Schulungsangebote nachgedacht werden.

Also für Herbert Gillert viele kleine Puzzlesteine auf dem Weg zum Ziel. Ein weiteres Steinchen, schlägt der 66-Jährige vor, könnte an den zentralen Stellen im Stadtgebiet wie den beiden Bahnhöfen oder dem Neumarkt in Arnsberg ein ausreichendes Angebot an Mietfahrrädern sein, zum Beispiel auch im Abonnement. Wie bereits in einigen Großstädten praktiziert. „Damit hätten Berufspendler die Möglichkeit, mit Bahn oder Bus anzufahren und vor Ort auf das Fahrrad umzusteigen.“

Zusammenspiel muss funktionieren

Das Fahrrad als Mobilitätssystem der Zukunft, da beißt für Herbert Gillert keine Maus den Faden ab, könne auch in Arnsberg nur funktionieren, wenn es von einem akzeptablen ÖPNV-Angebot flankiert werde. Als perfektem Zusammenspiel von Bahn, Bus und Fahrradinfrastruktur.

„Dafür muss jedoch die Politik ihre Hausaufgaben machen.“ Denn das immer neue Privatisieren im Öffentlichen Personennahverkehr, das schnell das Schließen sogenannter unrentabler Strecken zur Folge habe, sei da nicht der richtige Weg. „Will man nachhaltig die Mobilität verändern, muss man bereit sein, dafür Mittel in die Hand zu nehmen.“

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