Mobilität

Führerschein abgegeben – Seniorin schwört auf den ÖPNV

Hildegard Kraning hat mit 81 Jahren Auto und Führerschein abgegeben und nutzt nur den ÖPNV.

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Hagen.  Hildegard Kraning hat mit 81 Jahren Auto und Führerschein abgegeben und nutzt nur den ÖPNV. Selbst auf den Jakobsweg möchte sie mit Bus und Bahn.

Was ihre eigene Zukunft angeht – zumindest in Sachen Verkehr – hat Hildegard Kraning alles geregelt. Für sie steht fest: Hinter das Steuer eines Autos wird sie sich nie wieder setzen. Was bitteschön soll man da noch mit einem Führerschein?

Den hat die 81-jährige am 10. April dieses Jahres abgegeben, ihr Auto – VW Polo, 20 Jahre alt, 80 000 Kilometer auf der Uhr – bereits im Januar verkauft. Seither fährt sie mit dem Öffentlichen Personennahverkehr und setzt damit schon längst das um, was Politik und Verwaltung propagieren, wenn es um die mobile Zukunft in der schadstoffgeplagten Stadt Hagen geht. Vorfahrt für den ÖPNV – der Umwelt und dem Stadtklima zuliebe.

Ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit reicht, um den Beginn der mobilen Zukunft der Seniorin zu verstehen: „Ich erinnere mich noch genau“, sagt Hildegard Kraning, „ich war an einem Samstag auf dem Weg zum Friedhof, bin auf eine Ampel zugefahren und habe diese viel zu spät erkannt. In diesem Augenblick stand für mich fest, dass der Zeitpunkt gekommen ist, aufs Autofahren zu verzichten.“

Ein Einschnitt im Leben

Ein Einschnitt, den Hildegard Kraning eigentlich schon viel früher geplant hatte. „Ursprünglich hatte ich mir immer geschworen, schon mit 75 Jahren kein Auto mehr zu fahren“, sagt die Frau, die 35 Jahre lang als Gemeindereferentin der Heilig-Geist-Gemeinde gearbeitet hat. Wieder und wieder hat sie den Entschluss vor sich her geschoben und dann – nach jenem einschneidenden Erlebnis – doch umgesetzt. „Zum Glück“, sagt sie, „ist an jenem Samstag nichts Schlimmeres passiert. Nicht auszudenken, wenn ich durch meine Unkonzentriertheit einen schweren Verkehrsunfall ausgelöst hätte.“

Geschoben hat sie den Entschluss, bereut jedoch noch nicht eine einzige Sekunde. Sie ist jetzt Heavy-Userin der Busse der Hagener Straßenbahn: „Emst ist wirklich gut an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden“, sagt die 81-Jährige, „mehrere Busse halten direkt bei mir um die Ecke. Sie fahren in geringem Abstand, so dass ich mich schon beinahe einfach an die Haltestelle begeben kann, ohne dass ich lange warten muss. Meine Ziele erreiche ich von hier aus, ohne dass ich umsteigen muss. Aus meiner Sicht passt das perfekt.“

Ein Umstand, der für die rüstige Dame gilt, die unter Obhut des Deutschen Roten Kreuzes in einer seniorengerechten Wohnung lebt. Allerdings längst nicht für alle Hagener, die den ÖPNV nutzen wollen. Auch deshalb geht es in den politischen Gremien um neue Konzepte, mehr Geld und einen dichteren Takt. Wenn nur dieser verfluchte Schuldenberg nicht wäre...

Zufriedene Nutzerin

Hildegard Kraning verfolgt die Debatten. Aber: „Ich persönlich kann meine Einkäufe zu Fuß erledigen, die Zweigstelle der Bank ist nicht weit entfernt“, sagt Hildegard Kraning, „das ist wirklich ein Glücksfall, der in der Stadt längst nicht für alle Senioren gilt.“

Hinzu kommt, dass sie die oft beklagten überfüllten Busse im Schüler- und Berufsverkehr nicht nutzen muss. „Ich kann ja fahren, wann ich will“, sagt Hildegard Kraning, „da gucke ich schon, dass ich die Stoßzeiten meide.“ Gut zu Fuß ist sie, die 81-Jährige. Und deshalb will sie sich bald mit ihrem Bruder auf den Jakobsweg begeben. Einmal quer durch Franken, 15 bis 20 Kilometer an jedem Tag. Wie sie dort hinkommt? „Nicht mit dem Auto“, sagt Hildegard Kraning, „ich fahre mit Bus und Bahn.“

Die Podcasts zu den Porträts gibt es auf der Seite von Radio Hagen.

zum Zukunftsrauschen...
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