Drei-Fragen-Interview

„Für den Chorgesang braucht man Zeit“

Anneliese Ortmann ist Vorsitzende des Chorverbands Altkreis Brilon. Als Sängerin ist sie seit zehn Jahren bei den Altenbürener Sängerfreunden 1976.

1 Was sind die größten Herausforderungen, denen sich Chöre derzeit stellen müssen?

Anneliese Ortmann: Da sind zum einen die vielfältigen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Und zum anderen der Umstand, dass man für den Chorgesang Zeit braucht. Die Regelmäßigkeit der Proben und die Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft schrecken potenzielle Neumitglieder ab. Auch, dass Singen nicht mehr so zum Leben der Kinder gehört, macht es den Chören schwerer. Wenn man als Kind die Freude am Gesang kennengelernt hat, dann erinnert man sich daran auch eher im Erwachsenenalter. Wir haben auch schon überlegt, Chorleiter in die OGS zu schicken. Dafür bräuchte man allerdings eine pädagogische Grundausbildung.

2 Gibt es auch positive Veränderungen, die Sie bemerkt haben?

Dadurch, dass Chöre sich verändern, werden sie offener. Traditionelle Männergesangsvereine sind zum Beispiel leider etwas überaltert. Aber dadurch entstehen dann beispielsweise gemischte Chöre. Das öffnet die ganze Chorlandschaft.

3 Was bedeutet das Singen im Chor für Sie persönlich?

Dieses gemeinsame Hobby, das Singen, verbindet. Auch in traurigen Lebensphasen treten die schlechten Gedanken, während man singt, in den Hintergrund. Das befreit. Und man wird aufgefangen. Noch dazu ist Singen gesund. Ich hab jedenfalls noch nie gesagt: „Ich muss heute zum Singen.“ Stattdessen heißt es bei mir immer: „Ich darf heute zum Singen.“

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