Tourismus

Hotelier: Statt Kegelclubs kommen nun die Radfahrer

Stephan Ochel ist Hotelier in Warstein und kooperiert mit einem E-Bike-Händler.

Stephan Ochel ist Hotelier in Warstein und kooperiert mit einem E-Bike-Händler.

Foto: Sebastian Hahn

Warstein.  Der Warsteiner Stephan Ochel ist als Quereinsteiger zum Hotelgeschäft gekommen. Für diesen Weg musste er aber das eigene Familiengeschäft opfern.

„Früher war es da unten richtig voll, da ging jedes Wochenende die Party ab“ – Stephan Ochel grinst ein wenig, wenn er in Erinnerungen schwelgt. Er denkt an 1999, an seine Anfangszeit im Hotel Lindenhof. Als DJ heizt er den zahlreichen Kegelclubs, die abends ihre Wochenendtouren ausklingen lassen, ordentlich ein. Parallel hilft er im Service.

Das hat sich bis heute nicht geändert: Immer wieder steht Ochel kurz auf, bedient ankommende Gäste. Dabei ist er eigentlich gelernter Textilkaufmann, führt bis in die 1990er-Jahre das Modegeschäft seiner Eltern weiter. „Das war damals eben so“, sagt er beiläufig. Zugleich erkennt Ochel aber auch: Der Einzelhandel auf dem Land lässt sich mit dem aufkommenden Online-Shopping nicht mehr lange erfolgreich gestalten.

Statt Kegelclubs kommen Wanderer und Radfahrer nach Warstein

Über seine Frau Regina, deren Vater zu diesem Zeitpunkt das Hotel Lindenhof betreibt, steigt er in die Hotelbranche ein. „Ich habe mir nach und nach alles ein wenig selber beigebracht, meine Frau hat mir natürlich kräftig geholfen“, berichtet Ochel. Reue, weil er das Geschäft seiner Eltern schließen musste, empfindet der 50-Jährige nicht: „Natürlich war das damals ein harter Schritt, aber ich würde ihn wieder so gehen. Um ehrlich zu sein, würde ich vielleicht direkt ins Hotelgewerbe einsteigen – denn das ist es, was mir wirklich Spaß macht.“

Zeit, um seiner Leidenschaft als DJ zu fröhnen, bleibt Ochel allerdings immer weniger. Nicht nur, weil die Hotelarbeit ihn stark einspannt, sondern auch, weil die Kegelclubs immer weniger werden. „Heutzutage unternehmen die Clubs oft nur noch Tagesausflüge. Früher war das noch ein ganzes Wochenende. Dann waren sie tagsüber in der Brauerei und sind abends zu uns gekommen“, erklärt Ochel. Doch verwaiste Kegelbahnen bedeuten nicht zwangsweise weniger Kundschaft. „Der Tourismus stagniert nicht – er verändert sich. Waren es vor 20 Jahren noch die Kegelclubs, sind es heute die Wanderer und Radfahrer. Das wird sich in Zukunft immer mehr in diese Richtung entwickeln“, prophezeit der Warsteiner.

Gäste fahren auf E-Bikes ab

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, kooperiert Ochel jetzt schon mit verschiedenen E-Bike-Händlern. „Die Gäste können ihr E-Bike bei der Buchung einfach zusätzlich anwählen und es dann in der Garage abholen. Für mich bedeutet das keinen Mehraufwand, aber unsere Gäste fahren da total drauf ab“, berichtet Ochel. Ein Trend, den er noch in der Entwicklung sieht: „Wandern, Radfahren und die Natur genießen: Das zieht die Leute nach Warstein – und das hinterlässt auch einen guten Eindruck. “

Neben der Fokussierung auf naturnahen Tourismus stellt Ochel auch Online-Buchungsportale in den Vordergrund: „Mein Schwiegervater, der das Hotel bis 2014 geleitet hat, hat sich lange dagegen gesperrt. Ich habe vor ein paar Jahren dann zu meiner Frau gesagt: Lass es uns doch einfach ausprobieren. Und ganz ehrlich: Ohne solche Portale geht es heutzutage überhaupt nicht mehr. Die Bewertungsfunktion ist nicht nur für künftige Gäste wichtig – sondern auch für uns als Feedback.“ Hinzu komme, dass viele Gäste ein funktionierendes WLAN verlangen würden: „Ebenfalls etwas, was wir dringend brauchen. Aber es könnte noch ein wenig schneller laufen.“

Ochel sieht für das Hotel Lindenhof eine gute Zukunft und blickt zufrieden auf die Landschaft hinter seinem Biergarten. „Noch schöner ist es, wenn dort bei der Montgolfiade die Ballone zu sehen sind. Dann haben die Gäste gute Laune – und das ist wiederum gut fürs Geschäft.“

zum Zukunftsrauschen...
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